Zahmer Nandu getötet - Ort trauert

Warum musste Ophilia sterben?

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Nandu Ophilia kam aus dem Wald, wenn man sie rief, und holte sich ihre Ration ab

Kirchötting - Jetzt ist er tot, der angebliche Problem-Nandu. Erschossen vom Jagdpächter. Der Laufvogel, der wochenlang rund um Kirchötting unterwegs war und eigentlich niemanden gestört hat. Im Gegenteil. Im Ort herrscht jetzt große Trauer.

Traurig und fassunglos: Bürger aus Kirchötting wollen das Vorgehen der Behörden nicht mittrage

Die Kirchöttinger sind schockiert und fassungslos: Das weiße Nandu-Weibchen, das sich dort vor drei Monaten in einem Waldstück niedergelassen hatte, von ihnen auf Namen „Ophilia“ getauft und regelmäßig gefüttert worden war, hat Jagdpächter Hermann Bachleitner am Sonntagmittag auf Anordnung der Polizei erschossen.

Warum? Das versteht niemand, nicht einmal der Jäger selbst. „Wir hätten den Vogel in 100 Jahren nicht erschossen“, sagte Bachleitner zur Heimatzeitung. Man habe lediglich der polizeilichen Bitte um Zusammenarbeit Folge geleistet. „Mit Jagd hat das nichts zu tun. Der ist stehen geblieben und hat uns angeschaut“, so Bachleitner zum Abschuss.

Dabei hatten die Anlieger mit dem Jagdpächter und der Gemeinde eine tierfreundliche Lösung besprochen. Die Kirchöttinger Familie Laurent plante, den immer zutraulicher werdenden Vogel in ihren Garten zu locken, um ihn zu fangen und dann entweder in fachkundige Hände abzugeben oder selbst artgerecht zu halten.

Stimmt es denn, dass der Nandu verletzt war und deshalb den Todesschuss bekommen musste? „Ich hab nix gesehen“, sagte Bachleitner dazu. Die Gemeinde Wörth überlegt, eine Obduktion machen zu lassen, erläuterte Verwaltungsbeamtin Maria Gaigl, zumal der Nandu am Sonntagvormittag laut Aussagen von Augenzeugen noch völlig gesund gewirkt habe. Auch seien an diesem Tag Ortsfremde gesehen worden, die versucht hätten, das Tier mit Netz und Fangarmen zu erwischen. Vielleicht sei es dabei aufgeschreckt und verletzt worden.

Es stellt sich die Frage, warum der südamerikanische Laufvogel nicht einfach betäubt wurde. Bachleitner besitzt zwar selbst ein Betäubungsgewehr, dürfe dieses aber nur in seinem eigenen Rotwildgehege verwenden. Zur Anwendung in freier Natur hätte man sicher eine Sondergenehmigung gebraucht, erläutert der Jagdpächter. Nandu-Freund Stefan Laurent berichtet, dass er bereits mit einem Tierarzt gesprochen habe, der das Narkosemittel zur Verfügung gestellt hätte.

„Ein zutraulicher Vogel, der niemanden etwas tut, ist einfach abgeschossen worden. Das war nicht fair“, sagt Laurent bitter, der ein abgekartetes Spiel vermutet. „Mir ist er ans Herz gewachsen“, meinte Ehefrau Beate Laurent traurig. Roswitha Mayer, die Ophilia regelmäßig fütterte, hatte ihre Tagesration für den Nandu, Salat und altes Brot, noch in ihrem Fahrradkorb, als sie zum Ortstermin mit unserer Zeitung kam. Als Gisela Roth vom Abschuss erfuhr, seien ihr die Tränen „runter gelaufen“ - wie vielen Kindern, die Ophilia lieb gewonnen hatten.

Am Sonntagmittag hatte die Polizeiinspektion Erding von einem Autofahrer einen Anruf erhalten, dass ein großer Vogel an einer Straße nahe Kirchötting herumlaufe. PI-Chef Anton Altmann: „Das war nicht der erste Anruf dieser Art. Seit Monaten ist bekannt, dass ein Nando da rumläuft. Versuche, das Tier einzufangen, sind im Sande verlaufen“. Die Polizei habe bei Tierpark Hellabrunn, Tiernotruf und Tierschutzverein angefragt: „Keiner konnte uns helfen.“ Altmann: „Wir haben sogar versucht, ein Betäubungsblasrohr aus Hellabrunn zu organisieren. Aber das kann keiner von uns bedienen. Die Kollegen haben sich wirklich bemüht.“ Nach Aussagen von Experten sei ein Nandu schwer einzufangen. Erdings PI-Chef: „Das Tier war zur Gefahr geworden, da es sich immer wieder in der Nähe von Straßen aufhielt. So ein Nandu wiegt 30 bis 40 Kilo, und wenn der einem in die Windschutzscheibe knallt . . .“ Also habe man sich entschieden, die Gefahr zu beseitigen: „Wir haben den dortigen Jagdpächter damit beauftragt, das Tier zu erschießen. Dass er so zahm ist, haben wir nicht gewusst.“

ml

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