Afghane wurde in Dönerladen verprügelt

Opfer von Neo-Nazi-Überfall: "Ich dachte, ich muss sterben"

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Gute Besserung, Nasiem Shenwari!Der 31-jährige Afghane, der in Eglharting wohnt, wurde bei dem Neo-Nazi-Überfall am Ebersberger Bahnhof massiv verletzt.

Ebersberg - Viele Ebersberger sind schockiert über den furchtbaren Überfall von Neo-Nazis auf einen Dönerladen am Bahnhof. Die Bürger protestieren. Die Opfer sind völlig verängstigt. 

„Ich habe Angst. Es ist nichts mehr wie es war.“ Das sagt Mohammed Gharibyar (41), der seit gut zwei Jahren im Ebersberger Bahnhofsgebäude einen kleinen Döner-Laden betreibt. Am Freitagabend wurde dieser Laden von Neo-Nazis überfallen, zwei Afghanen erlitten erhebliche Verletzungen.

Einer davon ist Nasiem Shenwari (31). Der Eglhartinger liegt im Ebersberger Krankenhaus: „Ich dachte, ich muss sterben“, erinnert er sich an das schreckliche Ereignis und zeigt seine Wunden an Kopf und Bein, die ihm die Angreifer mit einem Baseball-Schläger zugefügt haben.

Es ist nichts mehr wie es war in Ebersberg, das sich bisher seiner Willkommenkultur rühmte, wo über 200 Flüchtlinge eine vorübergehende Bleibe gefunden haben, wo sich viele Freiwillige um das Wohlergehen der zum Teil vom Bürgerkrieg traumatisierten Menschen kümmern. Seit dem Angriff der Ausländerfeinde herrscht ein Klima der Angst in der Stadt – nicht nur bei Flüchtlingen, auch bei den Ebersbergern, die sich am Sonntag auf Einladung der Grünen zu einer spontanen Mahnwache am Bahnhof treffen.

Döner-Imbisschef Mohammed Gharibyar hatte Glück. Er ist gerade in der Küche, als am Freitagabend gegen 21.45 vier bis fünf Männer seinen Laden stürmen, auf die Einrichtung eindreschen und seine beiden afghanischen Freunde verletzen – Nasiem Shenwari eben mit einem Baseball-Schläger, einen anderen 20-jährigen Mann mit einem Messer an der Hand.

Der Überfall hat eine Vorgeschichte: Gharibyar steht gegen 19 Uhr vor seinem Laden, um eine Zigarette zu rauchen. Er beobachtet, wie zwei Männer am Bahnhof farbige Flüchtlinge anpöbeln, diese beschimpfen und beleidigen. Gharibyar ruft die Polizei. Diese taucht seinen Angaben zufolge etwa 20 Minuten später auf. Zu Spät. Als die Beamten den Bahnhof erreichen, sind sowohl Opfer als auch Täter weg.

Doch die beiden Neo-Nazis sollten noch am gleichen Abend an den Tatort zurückkehren – diesmal mit Verstärkung. Gegen 21.45 Uhr stürmen sie den Döner-Laden und rufen Parolen wie „Ausländer-Schweine, haut ab“. Wieder ruft der Imbiss-Besitzer die Polizei. Wieder vergeht viel Zeit. Gharibyar sagt, es habe erneut rund 20 Minuten gedauert, bis die Einsatzkräfte am Tatort erschienen seien. Die Polizeiinspektion Ebersberg liegt 400 Meter von diesem entfernt.

Mahnwache am Sonntagvormittag am Ebersberg Bahnhof nach dem Angriff von Neonazis auf einen Döner-Imbiss in dem Gebäude. Fotos: Stefan Rossmann

Posted by Ebersberger Zeitung on Sonntag, 27. September 2015

Im Zuge der Fahndung werden gegen 23 Uhr acht tatverdächtige Personen im Alter von 19 bis 34 Jahren, darunter eine Frau, in einer Wohnung in Ebersberg angetroffen und zur Identitätsfeststellung vorläufig festgenommen. Die weiteren Ermittlungen zum Tatgeschehen hat das Staatsschutzkommissariat der Kriminalpolizei Erding übernommen.

Nach Angaben eines Sprechers der Polizeipräsiums Oberbayern-Nord war bis Sonntagmittag eine Vernehmung der Verdächtigen nicht möglich. Sie seien zum Tatzeitpunkt erheblich alkoholisiert gewesen. Ein Mann aus der Gruppe der Täter sei schon mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, allerdings hätten seine bisherigen Straftaten keinen politischen Hintergrund gehabt.

Die Kripo Erding sucht Zeugen. Diese sollten sich bei ihr unter Tel. (0 81 22) 96 80 oder bei der Polizeiinspektion Ebersberg, Tel. (0 80 92) 82 68 0 melden.

Mohammed Gharibyar ist froh, „dass ich noch am Leben bin“. Gott habe ihm und seinen Freunden geholfen. Döner, Dürüm, Pizza und Pasta gibt’s an diesem Sonntag kostenlos. „Heute verlange ich kein Geld“, sagt er, „aus Dankbarkeit“.

Michael Acker

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