Everest-Bezwingerin lebt in Kathmandu

Garmischerin flog nach Nepal: "Darum muss ich helfen"

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Flog sofort nach Kathmandu: die Garmischer Everest-Bezwingerin Billi Bierling.

Kathmandu - Die Garmischerin Billi Bierling lebt seit 2004 in Nepal. Während des verheerenden Erdbebens war sie in Deutschland, flog aber umgehend wieder zurück nach Kathmandu. Die tz hat mit ihr gesprochen.

Billi Bierling hat als erste Frau den Everest über die Südroute bezwungen. Jetzt sorgt sie sich vor allem um die Nepalesen in abgelegenen Regionen. 

Die Erde in Nepal bebte. Und Sie haben sich sofort ins Flugzeug gesetzt und sind zurückgeflogen nach Kathmandu. Haben Sie vor dieser Rückkehr nicht Angst gehabt?

Billi Bierling: Seit zehn Jahren bin ich zu dieser Jahreszeit, der Hauptsaison am Everest, immer in Nepal gewesen. Am Sonntag vor einer Woche bin ich wegen einer Hochzeit nach Deutschland gekommen. Natürlich habe ich einerseits einen unglaublichen Schutzengel gehabt, so dem Beben entkommen zu sein. Aber ich wäre wahnsinnig geworden, wenn ich jetzt in Deutschland geblieben wäre! Normalerweise wäre ich erst am 15. Mai zurückgeflogen. Ich war sehr froh, die Chance zu bekommen, vorzeitig mit der Schweizer Humanitären Hilfe zurückzukommen und ein wenig helfen zu können.

Menschen in Nepal haben Angst vor Nachbeben

Wie ist die Lage in Kathmandu?

Bierling: Wir sind gestern Nacht um halb elf gelandet. Schon am Flughafen erschien mir alles völlig verändert: Das Flughafengebäude steht zwar noch, aber es gibt riesige Risse im Marmorboden und im Asphalt. Auf den Straßen Kathmandus ist es ungewöhnlich ruhig. Der sonst so schöne Ratna-Park ist voll mit Menschen, die im Freien oder unter Plastikplanen schlafen. Auch die halten sich nur noch draußen auf, deren Häuser nicht zerstört sind. Denn sie haben Angst vor Nachbeben: Gestern Abend gab es ein gewaltiges von 6,7 auf der Richterskala. Auch wir haben die Nacht im Freien verbracht – das Dach überm Kopf erscheint einem im Moment einfach nicht sicher.

Steht Ihr Haus in Kathmandu noch?

Bierling: Wir sind glimpflich davongekommen. Bücher lagen am Boden, der Wassertank auf dem Dach ist zerstört. Das ist ein Problem, das die meisten Menschen in Kathmandu trifft: die Wasserversorgung! Die meisten Menschen in Kathmandu nutzen Grundwasser – und weil der Strom in der Stadt durch die zerstörten Stromleitungen weitgehend ausgefallen ist, funktionieren die Pumpen nicht, die das Wasser nach oben befördern. Wir von der Schweizer Humanitären Mission haben Experten dabei, deren Aufgabe es ist, die Stromleitungen zu reparieren und die Wasserversorgung sicherzustellen.

Beben in Kathmandu: Kaum Informationen aus entlegenen Bergregionen

Wie läuft die Arbeit der Hilfsorganisationen ab?

Bierling: Vertreter der Hilfsorganisationen treffen sich einmal am Tag im Koordinationsbüro der UN hier in Kathmandu. Dort werden die Helfer eingeteilt – die einen kümmern sich um die Nahrung, die anderen um Wasser, die dritten um Krankenversorgung … Die Koordination funktioniert sehr gut. Einer unserer Ärzte war bereits in vier Krankenhäusern hier in der Hauptstadt, und er war positiv überrascht: Natürlich sind die Nepalesen über die Hilfe dankbar, aber sie haben die Lage selbst gut im Griff.

Haben Sie schon etwas von den Bergsteigern im Himalaya gehört?

Bierling: Leider bekommen wir da nur sehr spärliche Informationen. Ich mache mir wahnsinnig Sorgen, weil ich ja sehr viele der Bergsteiger kenne. Aber es sind viele Teile des Landes betroffen, wir sollten da nicht nur an den Everest denken: Von den entlegenen Bergregionen haben wir ja bislang kaum Informationen. Das wird eine unserer Aufgaben sein, trotz der Erdrutsche, die viele Straßen blockieren, in diese abgelegenen Regionen vorzudringen.

Klaus Rimpel

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