Warum der Onkel sein Schweigen nicht bricht

München - Im Mordfall der beiden getöteten Mädchen Sharon (11) und Chiara (8) sind neue Beweise aufgetaucht. Immer mehr spricht jetzt gegen den Onkel der Kinder:

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Seit nunmehr einer Woche sitzt Postbote Thomas S. (50) unter dem Verdacht des zweifachen Mordes an seinen Nichten Chiara (8) und Sharon (11) in U-Haft. Er wirkt emotional relativ stabil, macht sich Sorgen um seine Frau und die vier Kinder und meckert über das Knast-Essen in Stadelheim. Wie passt das zu einem Mann, der beschuldigt wird, eines der grausamsten Verbrechen in der Münchner Kriminalgeschichte begangen zu haben?

Seit der Kraillinger Mordnacht zum 24. März ist ein Heer von Kriminalisten und Spezialisten damit beschäftigt, Spuren zu analysieren. Viele davon sprechen dafür, dass Thomas S. der Mörder ist. Dagegen stemmt sich Pflichtverteidiger Karl Peter Lachniet (64), der an die Unschuld seines Mandanten glauben will. Der einzige, der das Rätsel um das Motiv klären könnte, ist Thomas S. Doch der schweigt – und tut aus seiner Sicht gut daran. Schon bei den ersten beiden (und letzten) Vernehmungen verwickelte er sich Widersprüche. In Anbetracht der Schwere dieses Verbrechens und der Indizien wäre ihm im Falle einer Verurteilung eine lebenslängliche Haft mit der besonderen Schwere der Schuld so gut wie sicher. So hat er vor Gericht nur eine Chance: Seinem Anwalt muss es gelingen, anhand von Fakten berechtigte Zweifel an seiner Täterschaft zu wecken.

Das jedoch wird schwierig: Nach tz-Informationen verfügt die Mordkommission über vielfältige DNA-Spuren, die nur der Täter hinterlassen haben kann. Und alle sind identisch mit der DNA von Thomas S. Eine tatrelevante Blutspur ist bereits bestätigt. Nach Angaben des Anwalts soll Thomas S. zwei Wochen vor dem Mord in der Wohnung gewesen sein und Nasenbluten gehabt haben. Dabei habe er eine Wischspur am Lichtschalter hinterlassen. Diese Version wird stark bezweifelt.

Diese Erklärung allein hätte den Ermittlungsrichter auch nicht davon überzeugt, Haftbefehl zu erlassen. Vielmehr wurden an den Kinderleichen offenbar auch Speichel und Hautzellen des Onkels gesichert. Zudem hat er an der linken Hand eine Verletzung, die sein Anwalt als „harmlose Kratzspur“ bezeichnete, die auch vom Kampf mit den Kindern stammen könnte. Beide Mädchen haben sich verzweifelt gewehrt, als sie gewürgt, mit der Hantel geschlagen und von einer Vielzahl von Messerstichen durchbohrt wurden.

So läuft denn alles auf einen Indizienprozess hinaus. Und auch Anwalt Lachniet hielt sich am Freitag mit weiteren Theorien zurück: „Ich möchte erst das schriftliche DNA-Gutachten abwarten.“

Dorita Plange

Mord-Prozesse ohne Geständnisse

- Ursula Herrmann (10) aus Eching am Ammersee war am 15. September 1981 auf dem Heimweg entführt und in eine Kiste gesteckt worden, in dem es erstickte. Nach fast drei Jahrzehnten konnte die Tat aufgeklärt werden. Am 25. März 2010 verurteilte das Landgericht Augsburg Werner M. (60) nach einem einjährigen Indizien-Prozess zu lebenslanger Haft.

- Multi-Millionärin Charlotte Böhringer (59) war am 15. Mai 2006 in ihrem Parkhaus an der Baaderstraße erschlagen worden. Nach einem 14 Monate dauernden Indizien-Prozess verurteilte das Schwurgericht im August 2008 ihren Neffen Benedikt T. wegen Mordes. Er bestreitet die Tat bis heute.

- Manager Dirk von Poschinger-Camphausen (36) wollte sein Auto verkaufen. Rainer H. (41) lockte ihn am 14. Januar 2010 in eine Falle, tötete ihn mit 13 Schüssen. Am 24. März wurde der schweigende Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt.

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