1. tz
  2. München
  3. Region

Neue Regeln für Bootsfahrer auf der Isar: Landrat zieht Bilanz

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

Kommentare

Die Verhaltensregeln für Freizeitkapitäne auf der Isar im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gelten seit drei Monaten. Landrat Josef Niedermaier zog am Montag eine erste Bilanz.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Bootfahrverordnung ist seit April in Kraft. Sie regelt den Gemeingebrauch, gilt also für alle, die den Wildfluss privat nutzen. 14 Verhaltensregeln sind festgelegt. Die reichen von einer Schwimmwestenpflicht für Kinder und Nichtschwimmer über ein Nachtbefahrungsverbot bis hin zum Verbot, Beiboote anzuhängen. Letztere wurden gerne für Bierkästen verwendet. Weiterer drastischer Einschnitt: Vor dem 1. Juni und nach dem 15. Oktober beziehungsweise 31. Dezember (nördlich von Tölz) darf überhaupt nicht gefahren werden.

„Es hat sich schon ein bisschen was verändert“, sagte Landrat Josef Niedermaier gestern beim Pressetermin an der Isar. „Die Lage ist entspannter. Ich bin überzeugt, dass die Verordnung, gerade was Lärm, Alkohol und Beiboote anbelangt, wirkt.“ Die Bevölkerung wisse um die neuen Regeln, und ein Großteil würde sich auch daran halten. „Vor dem 1. Juni waren nicht viele unterwegs.“ Natürlich werde man das Einhalten der Verordnung nie zu 100 Prozent kontrollieren können. „Aber das ist im Straßenverkehr ja nicht anders“, sagte Niedermaier.

Der Landrat betonte noch einmal, dass es nicht Ziel des neuen Regelwerks ist, jemanden aus der Natur auszusperren. „Jeder, der sich ordentlich verhält, soll die Isar nutzen dürfen“ – aber eben mit Maß und Ziel und im Rahmen von bestimmten Vorgaben. Denn das Gleichgewicht des Wildflusses sei in Gefahr. „Es herrscht viel Unkenntnis, wie sensibel dieser Lebensraum ist.“

Bootfahrverordnung: Isar-Ranger leisten Aufklärungarbeit

Darüber aufzuklären, das ist Aufgabe der Isar-Ranger. Erstmals sind heuer elf Mitarbeiter an dem 45 Kilometer langen Flussabschnitt zwischen den Landkreisgrenzen vor Wallgau und Schäftlarn unterwegs. Für viele ist es die erste Saison als Ranger.

Bernhard März (61) dagegen ist seit 1988 an der Isar unterwegs. Der Dietramszeller hat Veränderungen bemerkt, seitdem die Verordnung in Kraft ist. „Es ist ruhiger. Das Partymäßige ist deutlich zurückgegangen“, berichtete er. Auch die Vorgabe, dass Bootfahrer maximal 0,5 Promille Alkohol im Blut haben dürfen, zeige Wirkung. Früher hätten sich manche „schon in der S-Bahn einen angedudelt und sind so auf den Fluss gegangen. Das sehe ich kaum noch“, sagt März.

Am Ickinger Wehr ist viel los: 244 Boote in wenigen Stunden

In anderen Bereichen müssen die Ranger noch oft Aufklärungsarbeit leisten. Dann erklären sie beispielsweise, dass es verboten ist, Glasflaschen mitzunehmen, weil Scherben gefährlich werden können. Es gehe darum, Verständnis zu wecken für die Isar und deren Belange, nicht darum, möglichst viele Bußgelder zu verhängen, da sind sich die elf Ranger einig.

Während einige Flussabschnitte ruhiger geworden sind, ist im Bereich des Ickinger Wehrs nahe der Landkreisgrenze und damit an der Grenze des Geltungsbereichs der Verordnung weiterhin viel los. An einem heißen Samstag im Juli zählten die Ranger dort 244 Boote an einem Vormittag. Wie viel Nutzung die Isar überhaupt verträgt, wird eine Monitoringstudie zeigen. An ihr beteiligt sich auch der Landkreis München. In zwei Jahren soll sie vorliegen. „Dann müssen wir schauen, ob unsere Ge- und Verbote wirklich passen“, sagte Niedermaier.

Bislang habe es „nicht viele Verstöße“ gegen die Bootfahrverordnung gegeben, sagt Landrat Niedermaier. „Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg. Die Isar kann ja eigentlich nicht sprechen. Aber ich glaube, ich habe sie Danke sagen hören.“

Lesen Sie auch:

Die Isar-Ranger sind ein Erfolgsmodell. Deshalb wird ihr Einsatz nun auch an anderen Orten gefordert. Er soll Ausflügler auf Fehlverhalten hinweisen: Ranger für den Walchensee gefordert

Die neue Bootfahrverordnung ist nicht unumstritten - vor allem nicht beim Kanuverband. Isarverordnung: Kanuten drohen mit Klage 

Auch interessant

Kommentare