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Ärger wegen neuer Steuersatzung

Zweitwohnsitze am Tegernsee werden teurer: „Offenbar will man uns vertreiben“

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Das Leben in Tegernsee lässt sich in vollen Zügen genießen. Wer hier eine Zweitwohnung hat, muss künftig aber tiefer in die Taschen greifen. 

Mit ihrer neuen Zweitwohnungssteuer-Satzung macht sich die Stadt Tegernsee nicht nur Freunde: Kaum waren die Bescheide versandt, gab es Beschwerden.

Tegernsee – Eigentlich ist Hochschullehrer Christian Stangl (53) in Haimhausen (Landkreis Dachau) beheimatet. Seine Familie besitzt aber seit drei Generationen auch eine Zwei-Zimmer-Ferienwohnung am Bahnhof in Tegernsee. Vor einigen Tagen flatterte dem Juristen nun der aktuelle Bescheid für die zu entrichtende Zweitwohnungssteuer ins Haus. Statt bislang 450 Euro jährlich soll er nun nach eigenen Angaben 1104 Euro bezahlen.

„Diese Steigerung um mehr als 145 Prozent ist dreist, geradezu unverschämt und beabsichtigt offenbar, langjährige Eigentümer wie mich aus dem Tal zu vertreiben“, erbost sich der Professor – zugleich FDP-Kreisvorsitzender in Dachau – in einem Schreiben an das Tegernseer Rathaus. Stangl hat umgehend Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt.

Christian Stangl ist empört über die satte Steuer-Erhöhung.

Und er ist nicht der Einzige. Wie Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) auf Nachfrage erklärt, sind nach dem Verschicken der Bescheide Ende Mai bereits mehrere Beschwerden bei der Stadt eingegangen. Für Hagn keine Überraschung. „Wir haben mit Einsprüchen gerechnet“, sagt er. Schließlich hat Tegernsee in Sachen Zweitwohnungssteuer eine forsche Gangart gewählt: Während sich die anderen Tal-Gemeinden bei der Neuberechnung der Abgabe dazu entschieden haben, künftig zwölf Prozent der Nettokaltmiete zu verlangen, stimmte der Stadtrat in Tegernsee geschlossen für 20 Prozent.

Auch jetzt steht Hagn voll und ganz hinter dieser Entscheidung. Die Situation auf dem Wohnungsmarkt habe sich speziell in Tegernsee in jüngster Vergangenheit massiv verschärft, vor allem kleinere Wohneinheiten seien kaum noch zu bekommen. Tegernsee betrachtet daher die Steuer weniger als willkommene Einkommensquelle, sondern vielmehr als Steuerungsinstrument, um die Flut der Zweitwohnungen einzudämmen. Mit Blick auf den Fall Stangl meint Hagn: „Wer es sich leisten kann, eine Wohnung zum Plaisir überwiegend leer stehen zu lassen, der kann es sich auch leisten, 1100 Euro Steuer zu bezahlen.“ Wenn nicht, solle er die Wohnung doch bitteschön der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, fordert der Bürgermeister. „Wir wollen keine Syltisierung von Tegernsee“, hatte Hagn schon bei der Entscheidung im Stadtrat betont.

Auch in Bad Wiessee gab‘s schon Ärger wegen der neuen Satzung: „Höchst unseriös“: Besitzer von Zweitwohnung empört sich über Steuerbescheid

Bürgermeister Johannes Hagn will die Flut der Zweitwohnsitze eindämmen.

Sätze wie diese sind es, die Zweitwohnungsbesitzer Stangl besonders ärgern. „Es gibt ja noch so etwas wie Grundrecht auf Eigentum“, erklärt er gegenüber unserer Zeitung. Im Übrigen lasse seine Familie bei ihren Aufenthalten in der Ferienwohnung jedes Mal viel Geld am Tegernsee. „Hier werden alle Zweitwohnungsbesitzer verunglimpft“, zürnt der 53-Jährige. Aus psychologischer Sicht finde er es ungeschickt, die Erhöhung der Zweitwohnungssteuer so zu begründen, aus juristischer Sicht halte er die neue Satzung für „grenzwertig“.

Ob er am Ende auch vor Gericht ziehen und gegen den Bescheid klagen würde, ließ Stangl gestern offen. „Aber ich behalte mir das vor“, meinte er. Hagn seinerseits sieht den Einsprüchen gelassen entgegen und geht sogar noch einen Schritt weiter. „Sollte sich die Anzahl der Zweitwohnungen in zwei bis drei Jahren nicht deutlich nach unten bewegen, werden wir die Steuer weiter nach oben anpassen“, kündigte der Bürgermeister an.

Hier lesen Sie, warum ein Neuerlass der Steuersatzungen überhaupt notwendig wurde.

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