Tegernsees neuer DLRG-Chef im Interview 

„Wenn ein Kind ertrinkt, geht es klammheimlich unter“

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In Kursen wie diesem lernen die Kinder das sichere Schwimmen. Solche Ausbildungen bietet im Tegernseer Tal auch die DLRG an.

Der Fall schockte ganz Bayern: Ein Mädchen (8) ertrinkt beim Gruppenausflug. Die Betreuerin wurde jetzt schuldig gesprochen. Tegernsees DLRG-Chef über die Gefahren - und was man tun kann.

Tegernsee – Bei einem tragischen Badeunfall in einem Freibad in Oberfranken ist im Sommer 2014 ein achtjähriges Mädchen ertrunken. Der Fall sorgte jetzt noch einmal für Aufsehen, weil die Betreuerin der Kinderturngruppe, der das Mädchen angehörte, vom Gericht wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen wurde. Ist es für Jugendbetreuer schlichtweg zu riskant, einen solchen Badeausflug zu unternehmen? Wir sprachen mit Anton Staudacher (40), dem neuen Vorsitzenden der DLRG Tegernsee.

Herr Staudacher, Sie haben sicher von dem tragischen Fall im oberfränkischen Himmelkron gehört. Würden Sie Jugendbetreuern grundsätzlich davon abraten, einen Ausflug ins Schwimmbad oder an den See zu machen?

Staudacher: Nein, im Gegenteil. Solche Aktionen dienen ja auch dazu, dass die Kinder das Schwimmen lernen. Und das Schwimmen ist für Kinder und Jugendliche ein nicht zu ersetzendes Erlebnis. Allerdings müssen die Voraussetzungen für einen solchen Ausflug stimmen.

Und die wären?

Ganz wichtig ist, dass die Betreuer entsprechend ausgebildet sind. Bei Begleitpersonen ist die Mindestvoraussetzung das Rettungsschwimmabzeichen in Bronze, die Hauptaufsichtsperson muss auf jeden Fall den Rettungsschwimmer in Silber haben.

Das allein reicht aber noch nicht, oder?

Staudacher: Nein. Es kommt auch darauf an, wie die Badeaufsicht abläuft. Bei mehreren Betreuern ist oft die Gefahr, dass diese zu dritt oder viert zusammenstehen, sich unterhalten und abgelenkt sind. Stattdessen sollten die Betreuer verschiedene Plätze einnehmen und sich gut übersichtliche Stellen außerhalb des Wassers suchen, von wo aus sie die Kinder beobachten. Wenn ein Kind ertrinkt, schreit es nämlich nicht um Hilfe, sondern geht klammheimlich unter. Diese Anzeichen muss man sofort erkennen.

Der Betreuerin in dem tragischen Fall in Oberfranken wurde auch vorgeworfen, dass sie sich im Vorfeld nicht vergewissert hat, ob das Kind tatsächlich schwimmen kann.

Staudacher: Das müssen Betreuer auf jeden Fall vorher abchecken. Wenn ich mit Kindern in abgetrennten Bereichen zum Schwimmen gehe, sollten sie das Schwimmabzeichen in Bronze haben, bei Freigewässern würde ich sogar das Silber-Abzeichen empfehlen.

Man hört immer wieder, dass die Kinder heutzutage das Schwimmen nicht mehr richtig lernen. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Staudacher: Ich arbeite als Fachangestellter für Bäderbetriebe beim Badepark Bad Wiessee. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass vor allem die Kinder von unseren Gästen nicht oder nur schlecht schwimmen können. Wir selber leben hier im Tegernseer Tal dagegen in einer goldenen Blase. Wir haben noch Schwimmbäder in der Region, und sowohl die Kindergärten als auch die Schulen beteiligen sich stark an der Schwimmausbildung der Kinder und Jugendlichen. Das ist gut so, denn nicht alle Eltern empfinden das Schwimmen als wichtig. Und leider kommen die Kinder ja nicht mit einem Schwimmabzeichen auf die Welt.

Es heißt, Kinder sollten mindestens das Schwimmabzeichen in Bronze haben, wenn sie die Grundschule verlassen. Das Seepferdchen reicht nicht?

Staudacher: Nein, das Seepferdchen garantiert nicht für Wassersicherheit. Es ist lediglich ein Frühschwimmer-Abzeichen. In diesem Stadium werden die Kinder nur ans Wasser gewöhnt und herangeführt.

Und welche Möglichkeiten hat mein Kind, sich in Sachen Schwimmfähigkeit weiterzubilden?

Staudacher: Sowohl wir als DLRG als auch die Wasserwachten im Tegernseer Tal stehen mit Schwimmkursen für den Breitensport zur Verfügung. Ebenso die Bäderbetreiber. Da gibt es genügend Möglichkeiten für alle Kinder.

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