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„Es ist Wahnsinn im Moment“: Neujahrsvorsätze sorgen für volle Fitnessstudios nahe München

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Von: Dominik Stallein

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Cleverfit-Chef Florian Baier in seinem Fitnessstudios in Wolfratshausen
Kurze Atempause: Das Cleverfit-Fitnessstudio in Wolfratshausen erhält im Januar ungewöhnlich viele Anmeldungen. Freitagmittag hat der Chef Florian Baier aber kurz Zeit für ein Foto. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Weniger essen, weniger trinken, mehr Bewegung: Diese Unternehmen im Landkreis merken die Neujahrsvorsätze ihrer Kunden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es gibt Zeiten, in denen kann man sich im Fitnessstudio frei entscheiden, an welchem Gerät man trainieren will. Und es gibt die ersten Januar-Wochen. „Es ist Wahnsinn im Moment“, sagt Florian Baier. Der Chef des Cleverfit in Wolfratshausen kennt das Phänomen seit Jahren: Zu keiner Zeit im Jahr bringen so viele Menschen ihre Anmeldungsunterlagen vorbei wie kurz nach dem Jahreswechsel.

Sportliches Arbeitspensum im Fitnessstudio

Die sportlichen Vorsätze vieler Menschen bescheren Baier und seinem Team ein durchaus sportliches Arbeitspensum. „Die Check-ins liegen deutlich, deutlich höher als noch im Dezember“, sagt er. Das wird – so vermutet der Fitnessstudio-Leiter aus Erfahrung – auch noch eine ganze Zeit lang so bleiben. „Ab Ende März ungefähr wird’s in der Regel immer wieder ruhiger.“ Über die Gründe dafür kann Baier nur spekulieren. „Vielleicht liegt es daran, dass das Wetter dann besser ist und die Leute wieder draußen Sport machen.“ Option zwei: Die Neujahrsvorsätze beschränken sich auf den Verlust von ein paar Kilo, und die Jahresanfangssportler sind mit dem Erreichten zufrieden.

Wenn man sich das Jahr über schon anständig aufgeführt hat, braucht’s keine guten Vorsätze.

Markus Orterer, Getränkehändler aus Königsdorf

Auf die körperliche Gesundheit zu achten, ist ein recht beliebter Neujahrsvorsatz. Stefan Gritzbach vom Tölzer Biodelikat-Markt hält es noch für zu früh, von einem Neujahrsboom im Geschäft an der Badstraße zu sprechen. „Der Markt für Biolebensmittel wächst aber schon seit Jahren.“ Der Geschäftsführer glaubt, „es wird sich noch stärker etablieren“. Aktuell würden die überall steigenden Preise für eine kleine Delle bei der Bio-Begeisterung sorgen. Ob gute Vorsätze zu Lebensmittelherkunft und -qualität daran etwas ändern, möchte Gritzbach nicht prognostizieren. Der Tölzer selbst hat sich keine Ziele zum Jahreswechsel gesetzt: „Wenn ich eine Idee im Kopf habe, dann versuche ich, sie lieber sofort umzusetzen. Alles andere sind nur Strohfeuer.“

Kurse werden im Vitalzentrum über das ganze Jahr gebucht

Vielleicht aus diesem Grund hält sich im Januar auch der Ansturm auf das Tölzer Vitalzentrum in Grenzen. „Unsere Kunden, die meisten davon sind Einheimische, sind ganzjährig an Gesundheit interessiert“, sagt Maren Merklinger, die im Gesundheitsmanagement der Stadt Bad Tölz arbeitet. Kurse werden im Vitalzentrum über das ganze Jahr angeboten und gebucht. „Unsere Angebote sind auf eine langfristige Lebensstiländerung ausgelegt“, weswegen spezielle Januar-Kurse eigentlich nicht stattfinden würden. Diesen Monat gibt es einen Kochworkshop zum Thema „Stille Entzündungen – Abnehmbremsen verstehen und beheben“. „Darüber hinaus gibt es im Vitalzentrum ganzjährig diverse Ernährungsworkshops, Kräuterwanderungen und Kurse“, erklärt Merklinger. Ein Blick auf die Buchungszahlen zeigt, dass Neujahrsvorsätze bei den Teilnehmern kaum eine Rolle spielen: Zwischen März und Oktober kommen die meisten Anmeldungen.

Markus Orterer, Getränkehändler aus Königsdorf
Markus Orterer, Getränkehändler aus Königsdorf © privat

Viele Anmeldungen in der Volkshochschule

In der Volkshochschule (Vhs) Geretsried ist das anders: Vor allem im Januar erreichen die städtische Einrichtung viele Buchungen. Das kann daran liegen, dass sich die Menschen für 2023 Ziele gesetzt haben. „Oder es hängt damit zusammen, dass im Dezember das neue Programm online erschienen ist und jetzt an die Haushalte verteilt wurde“, mutmaßt der Sprecher der Stadt Geretsried, Thomas Loibl. Schon kurz vor dem Jahreswechsel habe es viele Neuanmeldungen gegeben. „Immer wenn das Programm noch recht frisch ist, nimmt das Ganze Schwung auf.“ Besonders beliebt sind aktuell Gymnastik- und Wassergymnastik-Kurse. Außerdem melden sich viele Menschen für Pilates-, Yoga- und Zumba-Stunden bei der Vhs an. Back-Angebote seien in der Geretsrieder Erwachsenenbildung traditionell ebenfalls schnell ausgebucht. Bei Sprachkursen hingegen gebe es derzeit eine Flaute – auch, weil Dozenten fehlen.

Jüngere Menschen verzichten im Januar auf Alkohol

Nach Glühwein auf Christkindlmärkten, feuchtfröhlichen Weihnachtsessen und einer ausschweifenden Party zu Silvester verzichten vor allem jüngere Menschen momentan auf Alkohol. Der „dry january“ (zu deutsch: trockener Januar) ist eine Gesundheitskampagne, die inzwischen auch in Deutschland einschlägt. Markus Orterer merkt von einer Neujahrs-Trockenheit jedoch recht wenig: „Die Leute kaufen eigentlich genauso ihr Bier ein, wie sonst das ganze Jahr auch.“ Der Königsdorfer Getränkehändler betrachtet Vorsätze zum Jahreswechsel ohnehin mit einer gewissen Skepsis – und kommentiert mit einem Augenzwinkern: „Wenn man sich das Jahr über schon anständig aufgeführt hat, braucht’s keine Vorsätze.“

dst

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