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Neun-Euro-Ticket: Angst vor dem „Overkill“ - BRB-Chef verrät, welche Strecken man meiden sollte

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Von: Andreas Höger

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9-Euro-Monatstickets in Bussen und Bahnen
Eine junge Frau hält ein 9-Euro-Monatsticket in der Hand. Der Vorverkauf hat begonnen. © Wolfgang Kumm / dpa

In gut einer Woche, ab 1. Juni, greift das Neun-Euro-Ticket. Die BRB sieht dem Experiment mit sehr gemischten Gefühlen entgegen - und hat Tipps auf Lager.

Holzkirchen - Werden überfüllte Züge noch voller, kommt es zum „Overkill“? Oder entdecken viele Menschen erstmals die Möglichkeiten, die ein Zug der BRB bietet? Der Verkauf hat begonnen, in wenigen Tagen ist das Neun-Euro-Ticket scharf. Die Ampel-Koalition will damit in den Sommermonaten Juni bis August den ÖPNV stärken und die Bürger bei den Mobilitätskosten entlasten. Für nur neun Euro im Monat deutschlandweit im Nah- und Regionalverkehr alle Regionalbahnen, Tram und Busse nutzen können - das dürften nicht wenige Bürger für einen Ausflug ins schöne Oberland nutzen.

9-Euro Ticket in Bayern: BRB gibt Infos zum besten Gebrauch

Die Bayerische Regiobahn (BRB), die ihren Sitz in Holzkirchen hat, rechnet mit einem heißen Sommer. „Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommt“, sagt Geschäftsführer Arnulf Schuchmann, „aber wir sind gut vorbereitet.“ Man werde die Pfingsttage abwarten, die erste große Bewährungsprobe des Systems im „Neun-Euro-Modus“, danach könne man „bedarfsbezogen noch nachsteuern“, so Schuchmann.

Ab dem 1. Juni gilt das Neun-Euroticket für Bus und Bahn. Ein Experte aus dem Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen klärt letzte Fragen.

9-Euro-Ticket im Regionalverkehr: BRB-Chef sieht „Dilemma“

Wie Schuchmann geht es vielen Verantwortlichen von Regionalbahnen in Deutschland, die attraktive touristische Ziele im Angebot haben. „Wir stecken in einem Dilemma“, sagt der BRB-Chef. Einerseits sei der Versuch der Politik zu begrüßen, für finanzielle Entlastung der Bürger zu sorgen und mehr Menschen auf die Schiene zu bringen. „Aber die Herausforderung für die BRB ist groß.“ Denn die Hotspots an Bergen, Seen und Küste sind auch schon bisher begehrt, viele Züge schon jetzt übervoll.

Sorge wegen 9-Euro-Tickets: Mehr Züge einzusetzen, das geht oft technisch gar nicht

Hinter den Kulissen wurde lange am Angebot und der Umsetzung gefeilt. Der Teufels steckt im Detail. Mit Verbundpartnern waren Absprachen zu treffen, Automaten waren umzustellen, die Webseite ständig zu aktualisieren. Kunden fragten nach der Regelung mit ihren Abonnements. Und immer wieder die Frage, ob Züge öfter fahren können oder Zugteile angehängt werden können.

„Wir fahren die Züge, die wir haben“, erklärt Arnulf Schuchmann in einer Pressemitteilung der BRB. Wenn allerdings die Bahnsteiglänge für einen weiteren Zugteil zu kurz sei, könne keiner angehängt werden. „Wir können unsere Fahrgäste nicht im Gleisbett aussteigen lassen.“ Das Problem auf den Oberland-Strecken: Sie sind meist eingleisig und bieten keine Ausweichmöglichkeiten für Züge aus beiden Richtungen. Damit ist es unmöglich, engere Takte zu fahren.

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Auswirkungen des 9-Euro-Tickets bereitet BRB Kopfzerbrechen

Das könnte gerade am bevorstehenden Pfingstwochenende ein Problem werden, fürchtet man im BRB-Hauptquartier in Holzkirchen. „Seit Wochen sitzen viele BRB-Mitarbeiter einen Großteil ihres Arbeitstages über den Auswirkungen des Neun-Euro-Tickets“, sagt Schuchmann. Die endgültige politische Entscheidung eine Woche vor dem geplanten Start zu treffen, „knapper geht es bald nicht mehr“, so der BRB-Chef.

Mehr Infos zum Thema 9-Euro-Ticket in Bayern finden Sie hier.

9-Euro-Ticket fürs bayerische Oberland.: Diese Strecken und Zeiten sollte man meiden

Klar ist: Wer sein Neun-Euro-Ticket clever ausspielt, kann nicht nur günstig, sondern auch entspannt an Schliersee, Tegernsee oder in den Isarwinkel rollen. Die BRB hat auf ihrer Webseite die wichtigsten Fragen beantwortet. Und mit etwas Humor haben Schuchmanns Kollegen sogar flotte Sprüche zur Lenkung der Fahrgastströme formuliert, etwa „Wenn alle fahren, fahr ich nicht“, „Auf neuen Wegen wandeln statt auf ausgelatschten Pfaden“, „Wanderschuhe schnüren statt den Drahtesel satteln“. Ganz wichtig auch: „Nicht auf den letzten Zug am Abend spekulieren“.

Für unbeschwerte Ausflüge am Wochenende sollte das Neun-Euro-Publikum unbedingt vermeiden, an folgenden Zeiten in BRB-Züge zu steigen: Richtung Oberland: 8 bis 10 Uhr. Richtung München: 16 bis 18 Uhr. Im Netz Chiemgau-Inntal raten die Verantwortlichen: Züge vermeiden in Richtung Salzburg von 8 bis 9 Uhr, in Richtung Kufstein von 10 bis 11 Uhr und in Richtung München von 16 bis 18 Uhr.

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