Klage gegen den Wohn-Riesen

Nicht renoviert trotz Leichenfund: Ärger um GBW-Appartement

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Bettina M. in ihrer Wohnung – derzeit lebt sie hier nicht.

Fürstenfeldbruck - Ihr Appartement wurde trotz eines Leichenfunds nicht renoviert: Jetzt verklagt Bettina M. den Wohn-Riesen GBW.

Jetzt wird’s ernst! Bettina M. (46, Name geändert) zieht vor Gericht, um endlich normal wohnen zu können. Am Amtsgericht hat sie Klage gegen ihren Vermieter, die Wohnbaugesellschaft GBW, eingereicht. Hintergrund: In M.s kleiner Wohnung in Fürstenfeldbruck lag vor ihrem Einzug wochenlang eine Leiche (was die Frau nicht wusste) – und die Wohnung wurde nicht grundlegend saniert, sondern nur gestrichen. M. will erreichen, dass die Sanierung eben doch stattfindet, zudem geht’s ihr um eine Mietminderung um 20 Prozent sowie den Ersatz ihrer Einrichtungsgegenstände, die sie wegen des Leichengeruchs nicht mehr weiterbenutzen will. Bereits seit August hat sie die Miete von knapp 400 Euro gemindert – die GBW schickte ihr deshalb bereits mehrere Mahnungen und behielt die Nebenkostenrückzahlung in Höhe von 80 Euro ein.

„Wenn man sich vorstellt, dass es so gestunken hat, dass die Feuerwehr in Schutzkleidung und mit Atemmasken die Wohnung aufbrechen musste, ist es unglaublich, dass die GBW die Wohnung nach dem Leichenfund nicht sanierte“, sagt Bettina M. Sie hat sich auch bei Fachleuten erkundigt und dabei erfahren, dass in solchen Fällen normalerweise Putz und Estrich ausgetauscht werden müssten, weil sich dort Flüssigkeit und Gase festsetzen. Die GBW, mit rund 30 000 Wohnungen einer der größten Vermieter Süddeutschlands, stand dagegen auf dem Standpunkt, dass es reicht, die Wohnung lediglich zu streichen. Hausmeister und andere Personen hätten keinen besonderen Geruch festgestellt. Auch der Jahrzehnte alte Linoleumfußboden müsse nicht ausgetauscht werden. Der tz schrieb das Unternehmen zunächst: Bettina M. solle den Boden doch selbst auswechseln und die Kosten hierfür von ihrer Krankenkasse erstattet verlangen. Sie sei ja nachgewiesenermaßen allergisch auf Linoleum …

Jetzt heißt es von der GBW allerdings, man habe „Kontakt mit dem Anwalt der Mieterin aufgenommen und angeboten, einen weiteren externen Gutachter für Geruchsemissionen einzusetzen. Wie bereits angeführt, ist es für uns als Vermieter sehr wichtig, mit unseren Mietern in einem fairen und partnerschaftlichen Verhältnis zu arbeiten. Der Termin kann Anfang Januar 2017 stattfinden, momentan befinden wir uns in der Terminabstimmung. Wir sind überzeugt, so eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden.“

Bettina M. bleibt so lang auf Distanz. Sie sagt: „Ich habe heuer nichts dekoriert, sondern mir eine Auszeit von meinem Appartement genommen.“ Sie ist zu einer Bekannten gezogen, der Christbaum steht in der Wohnung ihrer Eltern. Denn in ihrer eigenen Wohnung hält Bettina M. es nicht mehr aus.

tz-Stichwort: GBW

Vor rund vier Jahren verkaufte die Bayerische Landesbank (BLB) die GBW (eigentlich: Gemeinnützige Bayerische Wohnungsgesellschaft) an ein ­Konsortium um die Augsburger Patrizia AG. Der Grund: Der ­Freistaat musste die BLB nach ihrer Milliardenpleite retten. Auch Städte und Kommunen waren an Wohnungen der GBW interessiert – sie kamen aber nicht zum Zug, was bis heute kritisiert wird. Die BLB verkaufte das ganze Unternehmen als Block. Finanzminister Markus Söder (49, CSU) erklärte 2013, die EU-Kommission habe der Landesbank vorgeschrieben, die Bilanzsumme fast zu halbieren, weshalb die GBW verkauft werden musste. Das EU-Wettbewerbskommissariat wies diese Darstellung zurück.

Susanne Sasse

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