Noch keine Klagen gegen Flughafenerweiterung

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Die 3. Startbahn, auf dem Luftbild zusammen mit möglichen Abfertigungsgebäuden und Vorfeldern orange eingezeichnet

München - Einen Tag nach Beginn der Klagefrist gegen den Bau der dritten Start- und Landebahn am Münchner Flughafen liegen bei Gericht noch keine Schriftsätze vor.

“Die Kläger hätten auch keinen Vorteil davon“, sagte eine Sprecherin des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes (VGH) am Donnerstag in München. Tags zuvor hatte die einmonatige Frist begonnen, innerhalb derer Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss für die Flughafenerweiterung und Anträge auf aufschiebende Wirkung des Sofortvollzuges eingereicht werden können. Sie endet am 4. November. Indessen scheint die dritte Startbahn deutlich teurer zu werden als bisher angenommen.

Mehrere Kommunen, der Bund Naturschutz in Bayern (BN) und Privatleute haben angekündigt, gegen das Projekt zu klagen. “Der Kampf gegen die dritte Startbahn geht jetzt in die entscheidende Phase“, sagte BN-Chef Hubert Weiger dem “Münchner Merkur“ (Donnerstag). Die Umweltschützer zielen auf den neuerdings gerichtlich einklagbaren Klimaschutz. Rechne man alle Flüge am Münchner Airport zusammen, entstünden dadurch zehn Prozent des gesamten Kohlendioxidausstoßes im Freistaat, sagte der Freisinger BN-Kreisvorsitzende und Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl.

Nach neuen Berechnungen der Flughafengesellschaft und der bayerischen Staatsregierung könnte der Bau der dritten Startbahn 1,2 Milliarden Euro kosten. Bisher war mit bis zu einer Milliarde gerechnet worden. Die Mehrkosten ergäben sich aus den behördlichen Auflagen, sagte Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) der Zeitung. “Das beinhaltet den Bau und alle Maßnahmen im Umland, um die Folgen für die Bevölkerung abzufedern.“ Fahrenschon verteidigte im “Merkur“ die Ausbaupläne: “Nur zwei Startbahnen zu haben, wirkt für den Flughafen wie ein Flaschenhals - den müssen wir beseitigen.“

Der Minister machte aber auch klar, dass die Bagger erst anrollen sollen, wenn der VGH den Vollzug der Baugenehmigung bestätigt hat. “Bevor nicht der Sofortvollzug gerichtlich bestätigt ist, wird es keinen Baubeginn geben.“ Dies sei für den Dialog mit den vom Ausbau betroffenen Menschen “sehr wichtig“, sagte Fahrenschon. Neben dem BN wollen auch die mehr als 45 000 Einwohner zählende Stadt Freising sowie die Gemeinden Berglern und Oberding gegen das Projekt klagen. Berglerns Bürgermeister Herbert Knur war aus Enttäuschung über die Haltung von Parteichef Horst Seehofer in der Frage der Airport-Erweiterung aus der CSU ausgetreten.

Für die Regierung von Oberbayern als Planfeststellungsbehörde ist der Bedarf für die dritte Startbahn gegeben. Der Ausbau gewährleiste langfristig die Funktion des zweitgrößten deutschen Flughafens als Drehkreuz. Mit der neuen 4000 Meter langen Piste sollen auf dem Airport künftig 120 statt bisher 90 Flugbewegungen stündlich möglich sein. Die Fertigstellung ist frühestens 2015 zu erwarten.

dpa

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