Tragische Namensgleichheit

Weil Notarzt die Straße verwechselt: Frau stirbt

Unterföhring - Eine tragische Verwechslung hat zum Tod einer Unterföhringerin geführt: Die Frau der Familie rief nachts den Notarzt über die 112 - doch der fuhr versehentlich erst nach St. Emmeram in Oberföhring.

Der Vorfall ereignete sich bereits im Januar, wurde aber erst jetzt publik. Denn die Nachbarschaftshilfe (NBH) hat bei ihrer Jaheshauptversammlung an die Verstorbene erinnert, die viele Jahre aktives Mitglied war.

So ereignete sich die tragische Verwechslung: Bis der Notarzt bei der Patientin eintraf, vergingen 25 Minuten. Wertvolle Zeit, während der die Angehörigen versucht hatten, die Mutter wiederzubeleben. Vergeblich. Die Frau starb. Dabei wäre Hilfe so nah gewesen, wenn die Adresse nicht verwechselt worden wäre: Die Feuerwehr Unterföhring feierte an diesem Abend im Januar 2015 Feuerwehrball und hätte in einer Minute bei der Patientin sein können.

Jetzt forderte Vorsitzende Susanne Vazzoler, dass der St.-Emmeram-Weg in Unterföhring umbenannt werden sollte: „Wir glauben, es reicht, wenn auch nur ein Mensch wegen eines Irrtums oder Hörfehlers sterben muss.“ Der St.-Emmeram-Weg könnte in „Herderweg“ umgetauft werden, so heißt die Straße nämlich auch in ihrer Verlängerung.

Die Rathaus-Mitarbeiter haben mittlerweile Erkundigungen eingezogen: Die Integrierte Leitstelle, die unter 112 im Kreisverwaltungsreferat in München zu erreichen ist, schätzt die Verwechslungsgefahr durch Namensgleichheit der Straßen als relativ hoch ein. Die Unterföhringer Feuerwehr dagegen erklärte, mit den örtlichen Straßennamen vertraut zu sein. Der Gemeinderat lehnte die Umbenennung einstimmig ab: „Es war sehr tragisch, was passiert ist“, sagte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU).

Trotzdem: Aus Sicht der Verwaltung ist der Aufwand zu groß, den die 217 Anwohner des St.-Emmeram-Wegs mit einer Adressänderung hätten. „Es zieht einen Rattenschwanz nach sich: Personenstandsdaten, Versicherungen, Verträge – alles müsste angepasst werden. Und wie wäre es dann mit der Johanneskirchner Straße?“, fragte Kemmelmeyer. Die gibt es auch doppelt, und die Münchner Straße sogar gleich 40-mal. 

SPD-Sprecherin Jutta Schödl bekräftigte diese Meinung, ebenso wie Franz Solfrank (CSU), der selbst im St.-Emmeram-Weg wohnt und mit vielen Nachbarn gesprochen hat: „So tragisch dieser Vorfall ist“, sagte er, „egal, was wir heute beschließen, kann es sein, dass wir das Falsche beschließen.“ Auch eine Umbenennung könnte in einer Stresssituation zur Verwirrung führen. „Dann gibt jemand vielleicht den alten Straßennamen an.“ Manfred Unterstein (SPD) regte an, zur besseren Orientierung für die Nothelfer am Brunnbachlweg und Vogelbachlweg auf den Hausnummer-Schildern auch die Straßennamen anzugeben. 

icb

Rubriklistenbild: © dpa

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