Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine

Notfallplan am Flughafen: Was passiert, wenn der Flieger nie ankommt

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Auf Anzeigetafel des Flughafen in Düsseldorf ist der abgestürzte Germanwings-Flug 9525 aus Barcelona verzeichnet.

München/Flughafen - Flughäfen in aller Welt sind auf Notfälle und schreckliche Unglücke vorbereitet. Auch der Flughafen München. Wenn eine Katastrophe eintritt, dann gibt es einen detaillierten Plan, wer wann was macht.

Ein Flugzeugabsturz wie in Frankreich, ein Brand, ein schwerer Unfall auf dem Rollfeld: Auch der Flughafen München muss auf alle Unglücke vorbereitet sein. Für Notfälle gibt es deshalb einen Flughafenalarmplan, der regelmäßig in der Praxis getestet wird, zuletzt im Herbst 2014.

Aber was passiert, wenn der Flieger gar nicht ankommt? Wenn unterwegs ein Unglück geschieht und die Angehörigen am Flughafen warten? So wie jetzt beim Germanwings-Flug 4U 9525. In München ist es so geregelt, dass die katholischen und evangelischen Flughafenseelsorger, die sowieso immer da sind, sofort Verstärkung bekommen.

Viele Fluggesellschaften, auch die Lufthansa, haben so genannte SAT (Special-Assistant-Teams, deutsch besonderes Hilfsteam). Diese Helfer stehen den Angehörigen nach Flugtragödien bei. Weitere Kriseninterventionsteams können hinzugezogen werden. „Es wird auf jeden Fall so sein, dass es genügend Helfer gibt. Da lässt jeder alles stehen und liegen“, sagt Christine Rattenhuber vom Kriseninterventionsteam Erding und Freising, das in Notfällen zum Flughafen gerufen wird. In abgeschotteten Räumen werden die Angehörigen dann betreut. Aber Rattenhuber sagt auch: „So einen Großeinsatz kann man nicht so einfach üben.“

Auch für die Helfer selbst ist ein Flugzeugunglück belastend, sagt Flughafenseelsorger Franz Kohlhuber. Er hofft, die Situation für die Angehörigen trotzdem ein wenig leichter machen zu können. In solchen Ausnahmesituationen ist immer jemand für die Menschen da, als Ansprechpartner, als Seelentröster, als Helfer. „Alles, was wir an Informationen bekommen“, sagt Kohlhuber, „stellen wir ihnen sofort zur Verfügung.“

Unterstützt werden die Seelsorger dabei von der Polizei. Die Beamten am Flughafen München kümmern sich um die „Gemeinsame Auskunfts- und Vermisstenstelle“. Unter einer Telefonnummer können sich besorgte Angehörige erkundigen. Die Polizeiinspektion am Münchner Flughafen hat die Nummer auch für das Flugzeugunglück in Frankreich freigeschaltet (0800 77 66 35 0).

Im Katastrophenfall übernimmt die Polizei viele weitere Aufgaben, sie hilft zum Beispiel bei Bergungs- und Rettungsarbeiten. „Es ist immer bloß eine Verwaltung der Katastrophe, so gut wie es geht“, sagt Markus Privinsky von der Polizeiinspektion am Flughafen München.

Aber Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte und Seelsorger sind auch vorbereitet, wenn sie sich im Ernstfall um hunderte Verletzte, Tote und trauernde Angehörige kümmern müssen. Kommt es direkt am Flughafen München zu einem Notfall, wird sofort die Flughafenfeuerwehr alarmiert. „Die Feuerwehr muss nach internationalen Vorgaben innerhalb von 180 Sekunden nach der Alarmierung an jedem Ort der Startbahn löschbereit sein“, sagt Robert Wilhelm vom Flughafen. Tag und Nacht stehen mindestens 42 Einsatzkräfte bereit. Die Helfer haben Spezialgeräte zur Verfügung. Bei Katastrophen werden zur Unterstützung Feuerwehren aus den umliegenden Kreisen, vor allem aus Freising und Erding, alarmiert. Bis zu 44 Fahrzeuge und rund 240 weitere Helfer können ausrücken.

Bei einem Notfalleinsatz müssen alle Feuerwehrleute flexibel sein: „Wir haben verschiedene Alarmstufen, je nach dem, was passiert“, erklärt der Erdinger Kreisbrandrat Willi Vogl. Stürzt ein Flugzeug beispielsweise in einen Ort, müssen die Helfer anders darauf reagieren, als wenn es auf die Wiese stürzt. Zur Versorgung der Verletzten hat der Münchner Flughafen ein medizinisches Zentrum. „Es ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr immer mindestens ein Notarzt vor Ort“, sagt Robert Wilhelm. Wenn nötig werden sofort weitere Ärzte hinzugezogen.

Von Claudia Schuri

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