"Würde es gerne rückgängig machen"

+

Notzing – Warum mussten Heidi und Franz R. aus Notzing sterben? Diese Frage scheint nicht einmal der des Doppelmordes dringend tatverdächtige Christoph W. (21) beantworten zu können.

Winfried Folda, Strafverteidiger aus Weilheim, wird Christoph W. (21) im Schwurgerichtsprozess vor dem Landgericht Landshut vertreten. Seit der grausamen Tat am 30. März – die Leichen wurden am späten Abend des 1. April gefunden, nachdem sich der junge Mann bei der Kripo Erding gestellt hatte – hat sich Folda mehrmals mit dem jungen Lengdorfer, der zuletzt in Freising lebte, unterhalten.

„Er kann sich die Tat nicht erklären, er weiß nicht, warum er das getan hat“, versichert der Jurist im Gespräch mit dem Münchner Merkur/Erdinger Anzeiger. Christoph W. könne sich noch nicht einmal erklären, warum er am Tattag überhaupt zu dem Haus der Eltern seiner Ex-Freundin Cornelia R. (17) gefahren ist.

Der mutmaßliche Mörder Christoph W.

Bekanntlich lauerte er nach dem Einstieg durch ein Kellerfenster zunächst dem Vater und dann der Mutter auf. Beide tötete er mit roher Gewalt. Franz R. (60) wurde mit fünf Messerstichen ums Leben gebracht, Heidi R. (54) wurde mit über 30 Stichen, Axthieben und Schlägen mit einer Metallstange regelrecht hingerichtet. „Rache an den Eltern, die gegen die Beziehung waren, war nicht das Motiv, auch wenn das naheliegend erscheint“, erklärt Folda, der weiter berichtet, dass sich der mutmaßliche Täter im Blutrausch selbst nicht unerhebliche Schnittverletzungen an den Armen sowie am Oberkörper zugefügt hat.

Alles zum Mord in Notzing lesen Sie hier

Heidi R. wurde erstochen.

Ein Urteil traut sich der Verteidiger noch nicht zu. Ich hatte erst zum Teil Akteneinsicht. Mir fehlen noch allerhand Unterlagen.“ Ziemlich sicher ist er sich, „dass die Tat mit psychiatrischen Störungen meines Mandanten zu tun hat.“ Deswegen warte er auch auf das Gutachten des renommierten Analytikers Norbert Nedopil, der Christoph W. begutachtet. Bekanntlich wurde der 21-Jährige kurz nach der Tat von der Justizvollzugsanstalt Landshut nach Straubing verlegt. „Er hat sehr ernst zu nehmende Suizidabsichten geäußert“, sagt Folda. Wegen ähnlicher Ankündigungen habe sich sein Mandat bereits in Behandlung in den Bezirkskrankenhäusern Haar und Taufkirchen/Vils aufgehalten. „Was mir bisher bekannt ist, leidet Christoph W. an einer Art Borderline-Syndrom.“ Bei ihm sei bereits eine Impulskontrollstörung diagnostiziert worden. Aufgrund seiner bisherigen Krankenakte geht Folda von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit aus. „Ich hoffe, dass das von Professor Nedopil bestätigt wird“, sagt Folda. Sein Mandat habe ihm versichert, dass er das Geschehene gerne rückgängig machen würde, „gerade weil es für ihn selbst unerklärlich ist“.

Franz R. ist eines der Todesopfer

Als wahrscheinlich gilt, dass das Verfahren gegen Cornelia R., die beim Wegschaffen der Leichen durch den halben Landkreis Erding und am Eingraben im elterlichen Garten beteiligt war, abgekoppelt wird. Gegen die Jugendliche steht in erster Linie der Vorwurf der Beihilfe zur Strafvereitelung im Raum.

Hans Moritz

auch interessant

Meistgelesen

Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
14-Jährige von acht Männern vergewaltigt?
14-Jährige von acht Männern vergewaltigt?

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion