Täter fesselte und bedrohte Tochter der Opfer

Notzing: So hat sich die Bluttat abgespielt

Notzing - Im Doppelmord von Notzing gibt es neue Erkenntnisse: Sie erklären nicht nur den Hergang der Bluttat am 30. März, sondern auch die Beteiligung der Tochter (17) an der Beseitigung der Leichen ihrer Eltern.

Aus enttäuschter Liebe wurde der 21 Jahre alte Christoph W. aus Freising zum mutmaßlichen Doppelmörder. Nachdem sich Cornelia R. zwei Wochen zuvor auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Eltern von ihm getrennt hatte, verschaffte sich der junge Mann Zutritt zum Haus der Familie und erstach zunächst ihren Vater Franz R. (60) und dann die später heimkehrende Mutter Heidi R. (54). Daraufhin wartete der junge Mann, bis Cornelia R. am Freitagnachmittag mit dem Bus von der Berufsschule aus Erding heim kam.

17-Jähriger wurde Gewalt angedroht

Ralph Reiter von der Staatsanwaltschaft Landshut bestätigte gestern Informationen unserer Zeitung, dass Christoph W. die Auszubildende im Obergeschoss des Hauses an der Schlossstraße in Notzing gefesselt und bedroht habe. „Die junge Frau hat das ausgesagt. Die Angaben klingen glaubwürdig, zumal wir vor Ort Fesselmaterial, darunter Kabelbinder gefunden haben“, so Reiter. Danach habe der Freisinger, der ursprünglich aus Lengdorf stammt, die 17-Jährige massiv unter Druck gesetzt. Reiter berichtet aus den Ermittlungsakten, dass Christoph W. dem Mädchen angedroht habe, ihr nach dem Leben zu trachten („Dir kann das selbe passieren wie deinen Eltern“).

Danach eröffnete er ihr, dass sie einige Jahre eingesperrt würde, sollte sie überführt und der Beihilfe zum Mord schuldig gesprochen werden. Laut Reiter benutzte Christoph W. die Fesseln kurzzeitig, um seine Ex an der Flucht zu hindern. Dieser „psychische und physische Druck“ auf der einen Seite und der Schock, die eigenen Eltern grausam ermordet im eigene Haus vorgefunden zu haben, auf der anderen sieht die Anklage als Grund für das absonderliche Verhalten nach der Tat.

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Bekanntlich wurde die Leiche von Franz R. ins Auto verladen, um sie im Rohbau des Tatverdächtigen in Lengdorf zu verbrennen. Weil das misslang, versuchten sie, den Körper am Notzinger Weiher zu verscharren. Das scheiterte am harten Boden und Wurzelgeflecht. Am frühen Samstagmorgen wurden Heidi und Franz R. schließlich im eigenen Garten vergraben – ein Zeitungszusteller der Heimatzeitung wurde Zeuge, ohne das in diesem Moment auch nur ahnen zu können.

Bekannt ist mittlerweile auch, wie das Paar ermordet wurde. „Der Täter nahm sich ein Messer aus der Küche der Familie“, berichtet Reiter. Weitere Tatwerkzeuge seien der Schürhaken des Kachelofens und ein Hammer gewesen, den Christoph W. ebenso in der Garage fand wie eine massive Eisenstange.

Doppelmord: Die Bilder vom Tatort

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Mittlerweile steht auch fest, wie Christoph W. und Cornelia R. das Wochenende verbracht haben. Denn erst am Sonntagabend stellte sich der 21-Jährige bei der Erdinger Polizei, nachdem ihnen Cornelia R.s Bruder auf die Schliche gekommen war. Die Fahndung hat nach Angaben Reiters ergeben, dass beide den Samstag nutzten, um die Tat zu verschleiern. Sie wollten Glauben machen, die Eltern seien überraschend verreist. Dazu fuhren sie mit dem Auto des Paares an den Erdinger S-Bahnhof und liefen zu Fuß nach Notzing zurück. Schließlich, so der Staatsanwalt, suchten sie einen Baumarkt auf, um Reinigungsmittel zu kaufen, mit denen der Tatort gereinigt werden sollte.

Christoph W. gilt als extrem eifersüchtig

Nachbarn fiel auf, dass am Samstag ein Hochdruckreiniger auf der Terrasse stand. Die Nacht auf Sonntag verbrachten sie in der Wohnung von Christoph W.s Mutter in Freising.

Ein Erklärung, wie es bei Christoph W. zu einem derartigen Ausbruch von Gewalt kommen konnte, dürfte in der Persönlichkeit des jungen Mannes zu finden sein. Reiter berichtet von Befragungen im Freundeskreis von Cornelia R. „Er war wohl extrem eifersüchtig und wollte das Mädchen für sich alleine. Er sah es nicht gerne, wenn sie Kontakt zu anderen Bekannten hatte. Nachdem sich die junge Frau von ihm getrennt hatte, sagt ihr Umfeld aus, habe sie einen gelösten Eindruck gemacht und sei regelrecht aufgeblüht. Möglichweise konnte Christoph W. mit dieser Schmach nicht leben.

Eigenen Vater und die Schwester attackiert

Auch in früheren Beziehungen sei sein Auftreten dominant gewesen, so der Ankläger. Gewalttätig soll er nicht nur seinem Vater entgegengetreten sein. Auch seine Schwester hat er schon attackiert. Dafür wurde er vor Gericht gestellt.

Das psychiatrische Gutachten steht noch aus. Reiter hat aber bereits das Signal erhalten, „dass Christoph W. in jedem Fall für die Tat verantwortlich zu machen, also nicht für unzurechnungsfähig zu erklären ist. Allenfalls könnte eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund psychischer Defizite vorliegen. Dann droht keine lebenslange, sondern eine maximal 15-jährige Haftstrafe.

Wie berichtet, will die Staatsanwaltschaft im August Klage einreichen. Im Herbst dürfte es dann in Erding und Landshut zu zwei Prozessen kommen – wegen Strafvereitelung gegen Cornelia R. und Doppelmordes gegen Christoph W. Die Jugendliche geht seit ihrer Entlassung aus der Psychiatrie in Taufkirchen wieder in einem Autohaus in die Lehre und lebt bei ihrem Bruder (29) in Hallbergmoos. Das Elternhaus steht leer.

Hans Moritz

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