Ermittlungen sind abgeschlossen

Notzinger Doppelmord: So geht es weiter

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In diesem Haus wurde das Ehepaar ermordet

Notzing - Fünf Monate nach dem Notzinger Doppelmord sind die Ermittlungen abgeschlossen. Nun sollen die Tochter und deren Ex-Freund angeklagt werden. Doch die Rolle des Mädchens ist noch immer rätselhaft.

„Anfang dieser Woche wird Anklage gegen die Tochter der Opfer und den Ex-Freund des Mädchens erhoben“, sagte der Landshuter Oberstaatsanwalt, Ralph Reiter, der Nachrichtenagentur dpa. Der 21-Jährige ehemalige Freund der damals 17-Jährigen ist für die Ermittler der Haupttäter und soll sich wegen zweifachen Mordes vor dem Landgericht Landshut verantworten. Der Heizungsmonteur soll das Ehepaar im Alter von 60 und 54 Jahren Ende März erstochen haben, weil die Eltern die Beziehung zwischen den beiden nicht wollten. Das junge Paar hatte sich wenige Wochen zuvor getrennt.

Die Bluttat hatte die Idylle in dem beschaulichen Notzing erschüttert. Laut Anklagebehörde hatte der 21-Jährige zunächst dem 60 Jahre alten Vater im Haus aufgelauert und ihn erstochen. Als auch die Mutter Stunden später nach Hause kam, stach er wie wild auf sie ein und schlug sogar mit einem Beil und einer Stange zu. Danach soll er im Haus auf seine Ex-Freundin gewartet haben.

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Vor allem die Rolle des Mädchens, das bei den Eltern wohnte, blieb lange im Dunkeln und ist für die Ermittler bis heute rätselhaft. Sie war bei der Heimkehr von ihrem Ex-Freund im Haus überrascht worden. „Er fesselte sie und erzählte ihr von der Bluttat“, erläuterte Reiter. Anschließend hätten sie jedoch über zwei Tage lang gemeinsam versucht, die Leichen verschwinden zu lassen und die Blutspuren im Haus zu entfernen. „Anfangs war sicherlich eine Bedrohungssituation für die Tochter gegeben. Später gab es für sie aber genügend Möglichkeiten zur Flucht oder Dritte zu informieren“, betonte der Oberstaatsanwalt.

Zunächst versuchten die beiden die Leiche des Vaters in einem Rohbau, an dem der 21-Jährige gearbeitet hatte, zu verbrennen. Als dies jedoch scheiterte, brachten sie die halb verkohlte Leiche zurück in den Wagen und fuhren am Abend an einen kleinen Weiher. Die Toten dort zu verscharren, gelang wegen des dichten Wurzelgeflechts nicht. „Dann machte die Tochter den Vorschlag, die Leichen im Blumenbeet des eigenen Gartens zu vergraben“, sagte Reiter. Danach kauften sie in einem Baumarkt Reinigungsmittel, Pinsel und Wandfarbe, um die Spuren im Haus zu entfernen. Die folgende Nacht verbrachten die beiden in der Wohnung des 21-Jährigen.

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Der 24 Jahre alte Sohn der Eheleute entdeckte schließlich zweieinhalb Tage nach der Tat Blutspuren im Elternhaus. „Er stellte die Schwester zur Rede und erfuhr so von der Tat und alarmierte die Polizei“, erläuterte Reiter.

Die heute 18 Jahre alte Tochter der Opfer soll sich vor dem Jugendrichter am Amtsgericht Freising wegen Strafvereitelung verantworten. Laut Gutachten ist sie voll schuldfähig. Laut Jugendrecht ist eine Ermahnung, Jugendarrest oder gar eine Jugendstrafe möglich. Sie habe zwar nichts mit der Tat zu tun, betonte Reiter. „Aber es gibt kaum was Schlimmeres, als den Doppelmord an den eigenen Eltern zu vertuschen.“

dpa

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