Eiskalt geplant, grausam vollendet

Das Notzinger Mord-Protokoll

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Hier kam es zu der Bluttat

Notzing - Eiskalt geplant, grausam vollendet: Die schockierenden Details zum Doppelmord von Notzing hat die Staatsanwaltschaft jetzt in der Anklageschrift gegen den mutmaßlichen Killer Christoph W. (22) zusammengefasst.

Erstochen und erschlagen, verbrannt und vergraben – wie grausam Franz (60) und Heidi R. (54) Ende März 2012 sterben mussten, hat die Staatsanwaltschaft Landshut jetzt in ihrer sechs Seiten umfassenden Anklageschrift gegen den mutmaßlichen Killer Christoph W. (22) zusammengefasst. Der Prozess gegen den Ex-Schwiegersohn des Ehepaars aus Notzing (Kreis Erding) beginnt am Dienstag. Die tz dokumentiert das grausame Mord-Protokoll:

Das Motiv: Zwei Wochen vor der Tat macht Cornelia R., die Tochter von Franz und Heidi, am Telefon mit ihm Schluss. Sie waren bereits verlobt. Christoph W. vermutet, dass die Eltern dahinter stecken. Dass er ihnen nicht gut genug ist.

Der Plan: Der Anlagenmechaniker will laut Anklage „beide Elternteile hierfür bestrafen“. Aus Wut und Rache. Christoph W. nimmt sich am 30. März frei. Gegen 7.50 Uhr kauft er Handschuhe, um Fingerabdrücke zu vermeiden. Anschließend bricht er über ein Kellerfenster in das Haus von Franz und Heidi R., holt sich ein 15 Zentimeter langes Messer aus der Küche und wartet im Wohnzimmer. Er weiß, dass beide um diese Zeit nicht da sind. Franz R. bringt Cornelia zur Berufsschule. Heidi R. arbeitet als Putzfrau.

Die Tat: Als Franz R. gegen 8.10 Uhr nichtsahnend heimkommt, hechtet Christoph W. aus seinem Versteck und sticht mehrmals auf ihn ein. So massiv, dass sogar das Messer abbricht! Der Frührentner will in den Keller flüchten, doch der Killer holt ihn auf der Treppe ein und traktiert ihn mit einem eisernen Kaminbesteck – bis Franz R. stirbt. Wie im Wahn versucht der 22-Jährige danach etwa zwei Stunden die Blutspuren zu beseitigen. Anschließend holt er sich ein zweites Messer aus der Küche und wartet auf Heidi R. Die kommt gegen 10.30 Uhr nach Hause. Mit Messer, Handbeil, Wetzstahl und einem Schürhaken quält der Täter sein zweites Opfer und schleppt ihre Leiche schließlich in den Partyraum. Wieder schnappt er sich einen Lappen.

Franz R. ist eines der Todesopfer

Das Wegschaffen der Leichen: Als Cornelia gegen 16.30 Uhr den Flur betritt und auf ihren Ex-Freund trifft, ahnt sie bereits Schlimmes. Christoph W. fesselt seine große Liebe mit Kabelbindern und Panzertape – und erzählt ihr, dass sie Eltern tot im Keller liegen. „Wenn du mir beim Wegschaffen nicht hilfst, kommt eine dritte Leiche hinzu“, droht der Doppelmörder. Anschließend beginnt eine nächtliche Odyssee durch den Landkreis. Erst schaffen sie die Leiche ihres Vaters in den Kofferraum und wollen sie im Keller seines Rohbaus ein paar Kilometer weiter verbrennen – vergeblich. Nach etwa zwei Stunden packen sie den toten Franz und wollen ihn am Notzinger Weiher begraben. Doch auch das scheitert wegen der vielen Wurzeln im Boden. Schließlich heben beide stundenlang etwa 50 Zentimeter tiefe Löcher im Garten des Elternhauses aus und werfen die Leichen hinein.

Der Prozess: Christoph W. steht ab Dienstag vor dem Landgericht Landshut. Bis 13. März sind zunächst zwölf Verhandlungstage mit rund 50 Zeugen angesetzt – als Nebenkläger treten der Sohn des getöteten Ehepaars und Cornelia auf. Sie wurde bereits in einem eigenen Verfahren zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, wegen Beihilfe zur Strafvereitelung.

Sebastian Arbinger

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