Urteil für skurrile Tat in Bergkirchen

Er aß Nutella und trank Prosecco: Einbrecher muss in die Psychiatrie

Einen außergewöhnlichen Einbrecher hat das Landgericht München verurteilt. Der 56-jährige Angeklagte, der an Schizophrenie leidet, war in ein Haus in Bergkirchen eingedrungen, hatte dort Sekt getrunken und Nutella genascht. Er muss nun in die Psychiatrie.

Bergkirchen/München – Ein Einbrecher, der durch die skurrile Ausführung seiner Tat für Aufsehen sorgte, muss zwangsweise in die Psychiatrie. Für das Münchner Landgericht war der Fall am Ende klar: Der Obdachlose Felix S. (alle Namen geändert) brach in der Nacht vom 16. Mai auf den 17. Mai 2017 in das Wohnhaus einer Familie in Bergkirchen ein. Dort entwendete der 56-Jährige nach Überzeugung des Vorsitzenden Richters Martin Hofmann nicht nur diverse Wertgegenstände – er machte es sich im Erdgeschoss der vierköpfigen Familie auch gemütlich, trank eine Flasche Prosecco, aß Nutella-Brote und Eierpfannkuchen. Unweit des Kamins zündete er Teelichter an und lackierte seine Fingernägel, rauchte und drückte eine der Zigarettenkippen auf dem Boden aus. Es sei „reines Glück“ gewesen, dass kein Feuer ausbrach und der oben im Haus schlafenden Familie nichts passiert sei, sagte Hofmann am Donnerstag in seiner Urteilsbegründung.

„Die Familie war fassungslos, als sie erfuhr, dass jemand im Haus gewesen war“, berichtete eine Polizeibeamtin als Zeugin. Der Einbrecher verschwand schließlich mit dem Handy des Hausherrn und der Designer-Tasche der Ehefrau, gefüllt mit Make-up, Besteck, einer TV-Fernbedienung, Schnorchel und Badeschuhen sowie Schmutzwäsche in einem Wäldchen. Dort konnte er durch das Handy geortet werden.

Es war nicht die erste spektakuläre Tat, die sich der an Schizophrenie erkrankte Mann aus München geleistet hatte. Einmal schlug er sein Lager auf der Terrasse einer ihm völlig fremden Frau auf, ein anderes Mal brach er in Anlehnung an den Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ in einer Arrestzelle einen Waschtisch aus der Wand. 40 Mal schon befand sich der 56-Jährige in psychiatrischen Krankenhäusern, floh vor der Obdachlosigkeit nach Thailand. Er überlebte einen Suizidversuch und wurde erwischt, wie er nur mit Damenunterwäsche bekleidet herumlief.

In das Haus in Bergkirchen war der Mann über eine Terrassentür eingebrochen, die er angeblich aufhebelte. Das bestritt er lautstark. Die Tür habe einen Spalt aufgestanden, überhaupt hätten die dort „Terrassentüren zum Saufuadan“ gehabt. Sonst wäre er doch gar nicht eingestiegen. „Andere klingeln, bevor sie einbrechen, das sagt mir meine langjährige Berufserfahrung“, warf der Vorsitzende Richter Martin Hofmann ein. Der Angeklagte erwiderte, dass er niemals in das Haus gegangen wäre, hätte er gewusst, dass oben eine Familie schläft.

Zwar sei S. wegen seiner psychischen Erkrankung nicht schuldfähig, so der Vorsitzende Richter. Da von dem Angeklagten nach Auffassung des Gerichts jedoch „auch künftig erhebliche Taten mit erheblichen Schäden zu erwarten sind“, müsse dieser in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden. S. weigert sich bislang, Medikamente zu nehmen. Er leidet Psychiatern zufolge unter einer paranoiden Schizophrenie. Man könne nicht prognostizieren, „was passiert, wenn er aus der Klinik rauskommt“, sagte ein medizinischer Gutachter.

Das Gericht verwies darauf, dass S. bereits in der Vergangenheit immer wieder aggressiv gewesen sei. Einmal soll er einen anderen Mann mit Pfefferspray angegriffen haben. Sein Verteidiger hatte dagegen argumentiert, S. sei nicht gefährlich – auch sein Betreuer hatte dies ausgesagt. Nachdem die Polizei S. mit Teilen der Beute auf einer Wiese erwischt hatte, war er in der Psychiatrie untergebracht worden – nun sei es an S., sich behandeln zu lassen, so das Gericht. So lange jedoch keine Fortschritte erzielt werden, sei an ein Leben in Freiheit nicht zu denken.

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