“Ich bring dich um!“

19-Jährige bittet arbeitslosen Nachbarn (49) um Ruhe - der antwortet mit Todesdrohungen

Streitereien unter Mietern sind keine Seltenheit. Der Bogen wurde jetzt in Oberammergau aber eindeutig überspannt. Auch dem Richter wurde es zu bunt! 

Oberammergau – Es ging gelegentlich ziemlich lautstark zu in einem Oberammergauer Haus mit fünf Mietsparteien, das jetzt im Mittelpunkt einer Strafverhandlung des Amtsgerichts stand: Ein 49-jähriger Bewohner, ein Freund besonders lautstarker Musik, soll nämlich, warf ihm die Anklage vor, in stark angetrunkenem Zustand eine 19-jährige Mitbewohnerin des Gebäudes, die eine Reduzierung der Lautstärke verlangte, erst am Hals gepackt und ihr anschließend eine Ohrfeige verpasst haben. Schließlich habe er dem Mädchen auch angedroht, sie umzubringen. 

Mann verpasst der Nachbarin eine kräftige Watsch‘n

Die Freundin (48) des Angeklagten soll der jungen Frau, nachdem sie Strafanzeige erstattet hatte, wiederum angedroht haben, nicht mehr lang in dem Haus zu wohnen, falls sie die Anzeige nicht bald zurücknehme. Gleich ein paar Delikte also – vorsätzliche Körperverletzung, Bedrohung sowie versuchte Nötigung –, die Richter Dr. Benjamin Lenhart konsequent ahndete: Das Verfahren gegen die Freundin stellte er zwar ein, jedoch muss sie 500 Euro Geldauflage berappen. Ihr Bekannter indes darf ordentlich zahlen: 1800 Euro. Die Staatsanwältin hatte 3850 Euro beantragt.

Wie sich während der Verhandlung herausstellte, hatte der 49-jährige arbeitslose Angestellte der 19-Jährigen, die sich am späten Abend des 4. Januar 2017 über die laute Musik in der Wohnung des Mannes beschwert hatte, eine kräftige Watsch’n verpasst – die Folge waren eine starke Rötung der rechten Backe bei dem Opfer sowie anhaltende Schmerzen. Im weiteren Verlauf des Abends sowie an einem der nächsten Abende kündigte der Angeklagte dann noch an: „Ich bring’ dich um, ich bring’ euch alle um“. Die 19-Jährige, die im übrigen auch ein kleines Kind zu versorgen hatte, fühlte sich von dem 49-Jährigen bedroht.

„Ein bisserl Schnaps getrunken“

Der Angeklagte, der zugab, an jenem Tag Bier „und ein bisserl Schnaps“ getrunken zu haben, verteidigte sich mit dem Argument, die junge Frau und einer oder zwei ihrer Freunde seien „gewaltmäßig“ in seine Ein-Zimmer-Wohnung eingedrungen, doch eine Ohrfeige habe er ihr keinesfalls gegeben. Und an die Drohungen könne er sich gar nicht erinnern. Die Freundin des Mannes ergänzte, sie habe die 19-Jährige und ihre zwei Spezis „nur harmlos gefragt“, ob sie die Anzeige nicht zurückziehen könnten.

Richter: „Das wird ja alles immer abenteuerlicher“

Schließlich trat als weitere Zeugen noch ein älteres Ehepaar auf, das schon seit Jahrzehnten in dem Gebäude wohnt. Die Senioren erklärten, dass es in dem Haus schon seit jeher sehr laut zugehe. Ein Spezl des Angeklagten berichtete, sein Kumpel sei mal von ein paar Unbekannten, die plötzlich in die Wohnung eingedrungen seien, getreten und geschlagen worden. Die Identität dieser mysteriösen Leute konnte freilich nicht aufgeklärt werden. Kommentar des Richters: „Das wird ja alles immer abenteuerlicher.“ Schließlich verhängte er gegen den Angeklagten wegen der Ohrfeige und zweier Todesdrohungen eine Geldstrafe von 1800 Euro (entspricht 120 Tagessätzen mal 15 Euro).

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa / Oliver Berg

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