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Flugzettel gegen Raser: Unbekannter erklärt Schilder neu – „heimlicher Promille-Weg“

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Von: Markus Schwarzkugler

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Dieser Flyer wurde in diverse Oberdinger Briefkästen geworfen.
Dieser Flyer wurde in diverse Oberdinger Briefkästen geworfen. © privat

Unerwartete Post lag in den Briefkästen zahlreicher Oberdinger: Flugzettel, auf denen Raser mit deutlichen und nicht ganz humorfreien Worten adressiert werden.

Oberding – Ins Visier genommen werden nicht nur ortsfremde Autofahrer, sondern gerade auch die eigenen Bürger. Die Gemeinde sieht das Ganze auf Nachfrage gelassen und verweist darauf, dass sich die Lage ohnehin längst verbessert habe.

Flugzettel in Oberding entdeckt: „Verkehrs-Knigge zur Auffrischung“

Der Handzettel spart nicht an markigen Worten. „Rücksichtnahme mutiert für viele Menschen leider immer mehr zu einer überflüssigen Tugend“, heißt es darin, gefolgt von dem etwas bösen Ratschlag: „Bitte lassen Sie sich den Flyer vorlesen, falls auch Sie das Lesen nach der Führerscheinprüfung verlernt haben.“ Der Verfasser dankt immerhin denjenigen, die sich bereits jetzt an die Verkehrsregeln hielten.

Im Folgenden werden drei Schilder erklärt und was diese auf keinen Fall bedeuten. Über das Oberdinger Ortsschild solle man nicht denken: „Basst äh koana auf und auf’m Land sigt ma des ois ned so eng.“ Oder bloß nicht: „Mindestgeschwindigkeit 50 km/h, auf keinen Fall langsamer. Hier bin ich zu Hause, hier mache ich die Regeln.“

Anonymer Verfasser warnt vor „Rennstrecke für hormongesteuerte Youngsters“.

„So a Schmarrn, do kannt i ja glei z’fuass geh“: Vor einem solchen Gedanken warnt der Verfasser hinsichtlich des Tempo-30-Schilds. Das bedeute übrigens nicht, dass dann alle anderen Regeln, wie etwa Rechts vor Links, aufgehoben seien.

Dem nicht ganz humorfreien Denkzettel-Schreiber zufolge sieht mancher Verkehrsteilnehmer nur für die Landwirtschaft zugelassene Feldwege als „heimlichen Promille-Weg“ oder als „Rennstrecke für hormongesteuerte Youngsters“.

Dieser Flyer wurde in diverse Oberdinger Briefkästen geworfen.
Dieser Flyer wurde in diverse Oberdinger Briefkästen geworfen. © privat

Es sei traurig, „dass nicht nur Ortsfremde, sondern sogar sehr viele Anwohner diese wirklich simplen Regeln immer wieder und immer häufiger missachten“, bedauert der Verfasser. Auch Parkverbote würden ignoriert. Fahrradfahrer und Fußgänger hätten meist das Nachsehen, „und die Hauptstraße wird immer öfter mit einer Schnellstraße verwechselt“. „Nur nebenbei“, so der Unbekannte, sei „das tägliche Eltern-Taxi-Verkehrschaos an der Schule“ erwähnt.

Gemeinde nimmt Meinungsäußerungen des Flugblatts gelassen auf

Das Fazit des Flugblatts: „Einen guten Autofahrer zeichnen nicht Geschwindigkeit und Lautstärke aus, sondern Vorausschau und Rücksichtnahme“ – auf Freunde, Nachbarn, Kinder und Tiere.

Unsere Zeitung hat im Oberdinger Rathaus nachgefragt, wie der Denkzettel dort aufgenommen wird. Josef Steinkirchner, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft, sieht’s recht gelassen und sagt, man habe den Zettel als freie Meinungsäußerung zur Kenntnis genommen. Auch eine Mitarbeiterin im Rathaus habe den Zettel im Briefkasten gehabt.

Inhaltlich sieht Steinkirchner die Lage nicht so eng wie der Verfasser. Zumal sich die Situation in der – vom Verkehr durchaus stark betroffenen Gemeinde – ohnehin verbessert habe. Steinkirchner verweist auf die Geschwindigkeitsanzeigen, die die Gemeinde in den größeren Ortschaften an den Ortseingängen aufgestellt hat. Viele, die zu schnell unterwegs seien, würden das ja nicht um des Rasens Willen tun. Da sei ein optischer Anreiz in Form der Geschwindigkeitsanzeige in den meisten Fällen schon hilfreich. Oberding ein Hort zahlreicher Verkehrssünder? Im Rathaus sieht man des definitiv nicht so.

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