Mehr Flieger im Fünfseenland

Oberpfaffenhofen: Urteil schockt die Anwohner

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Der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen.

Oberpfaffenhofen - Der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen bleibt für Geschäftsreiseverkehr geöffnet. Das Urteil ist ein Paukenschlag für die Bürger im Fünfseenland, wie er lauter nicht mehr kommen konnte.

Der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen kann betrieben werden, wie es die Regierung vor vier Jahren genehmigt hat. Sämtliche Klagen vom Fluglärm betroffener Bürger sowie der Gemeinden Gilching und Weßling schmetterte der Verwaltungsgerichtshof am Donnerstag im Bausch und Bogen ab! Schon die Vorinstanz, das Verwaltungsgericht München, hatte im Oktober 2009 dem Freistaat und der Firma EDMO Flugbetrieb im Großen und Ganzen Recht gegeben. Genehmigt wurden jährlich 9725 Bewegungen des „qualifizierten Geschäftsreiseflugverkehrs“ sowie ein Abfluggewicht von maximal 25 Tonnen. Soviel wiegt ein Regionaljet mit rund 50 Sitzplätzen. Allerdings hatte das Verwaltungsgericht im Interesse der Bürger die Lärmschutzauflagen empfindlich verschärft. Diese wird es nach dem aktuellen Urteil nicht mehr geben. Auch der Helikopterverkehr wurde deutlich ausgeweitet.

VGH-Vizepräsident Erwin Allesch kritisierte in seiner Begründung das erste Urteil: „Das ist ein Eingriff in das Planungsermessen der Behörde.“ Der Richter weiter: „Ein Gericht muss den Planungsspielraum von Behörden achten.“ Während bei den Bürgerinitiativen die Enttäuschung groß ist (siehe rechts), jubelt man bei EDMO. „Das heutige Urteil gibt uns jetzt Planungssicherheit“, so Firmensprecher Thomas Warg zur tz. „Das sichert hochqualifizierte Arbeitsplätze und trägt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze bei.“ Eine Revision hat der VGH nicht zugelassen.

Die Enttäuschung der Bürger

„Ich bin enttäuscht, das ist jetzt der Einstieg in die Allgemeine Luftfahrt.“ Gilchings Bürgermeister Manfred Walter ist vor allem sauer, weil die kleinen Erfolge aus erster Instanz vom Verwaltungsgerichtshof zunichte gemacht wurden: „Wir kriegen keinen aktiven Schallschutz.“ Sein Kollege Michael Muther aus Weßling ist vor allem „wenig erfreut, dass mehr Hubschrauber-Verkehr zugelassen wurde“. Dass die im ersten Urteil festgelegten Lärmgrenzen von 60 Dezibel nicht mehr gelten, kann Gerhard Held von der Bürgerinitiative Fluglärm e. V. nicht verstehen: „Mit diesen alten Lärmgrenzen von 65 db(A) folgt der VGH vollumfänglich den privatwirtschaftlichen Interessen des Flughafen-Betreibers.“  Hans Helmrich aus Gilching, der als Betroffener geklagt hatte, ist resigniert: „Ich fürchte, wir müssen uns mit dem Fluglärm abfinden.“

E. Unfried

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