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Das teuerste Objekt auf dem Markt: Luxuriöser Berghof „vor den Toren Münchens“ für 16,5 Millionen Euro

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Von: Tanja Brinkmann

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Ein Screenshot eines Immobilienangebots.
So wird das „Haus Wildwiesen“ im Ortsteil Schlattan im Internet zum Verkauf angeboten. © Screenshot: GAP-Tagblatt

Bei Garmisch-Partenkirchen steht derzeit ein Berghof für rund 16,5 Millionen Euro zum Verkauf. In dem Luxus-Anwesen gingen einst die Stars ein und aus.

Garmisch-Partenkirchen – Es ist das wohl teuerste Anwesen, das aktuell im Raum Garmisch-Partenkirchen auf dem Markt ist. Für 16,5 Millionen Euro wird das Haus Wildwiesen samt elf Hektar Grund zum Verkauf angeboten. Damit verbunden: eine spannende Geschichte. In dem Anwesen tummelten sich einst Maler und Filmstars.

In märchenhaft idyllischer Lage liegt auf der Sonnenseite Garmisch-Partenkirchens Haus Wildwiesen. Ein Anwesen, um das sich – so steht es in der Winterausgabe der Zeitschrift GaPa von 1954/55 – „nun beinahe unmerklich ein gewisser Schleier des internationalen Interesses gelegt hat“. Dort behandelte ein renommierter Mediziner ausgelaugte Manager.

Luxus-Anwesen für 16,5 Millionen Euro bei Garmisch: Ein Haus mit Geschichte

„Ein Versuch, das Haus zu beleben, etwas Neues zu schaffen“, weiß Florian Lange aus Erzählungen seiner Großeltern Walter und Gitta Schnackenberg. Der Maler und seine Frau hatten das Haus 1937 in Schlattan bauen lassen. 18 Jahre später verkauften sie es samt fast elf Hektar Grund. „Ohne Wasserleitung konnten sie’s nicht länger halten“, erinnert sich Lange.

Unterm Dach befand sich damals ein Wasserspeicher, der von der Partenkirchner Feuerwehr immer wieder aufgefüllt wurde. Keine Lösung auf Dauer. Auch ein 100 Meter tiefer Brunnen im Wald oberhalb des Gebäudes brachte keine Abhilfe. Für 500 000 Euro wechselte das Haus Wildwiesen schließlich den Besitzer.

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Luxuriöser Berghof mit knapp elf Hektar Grund - „alpines Leben vor den Toren Münchens“.

Jetzt wird es wieder verkauft: für 16,5 Millionen Euro. Auf Immobilien-Seiten im Internet ist von einem luxuriösen Berghof in exklusiver Alleinlage die Rede und von „alpinem Leben vor den Toren Münchens“. Auch Bilder, wie es in dem Haus mit 800 Quadratmetern Wohnfläche ausschaut, finden sich im Netz.

Die Maklerin, die damit betraut ist, will sich allerdings aus Gründen der Diskretion nicht äußern. Experten gehen davon aus, dass dieses Objekt das aktuell teuerste dieser Art ist, das rund um Garmisch-Partenkirchen angeboten wird. Vor einigen Jahren hatte die so genannte Villa Glory, ein Luxus-Anwesen an der Klarweinstraße (wir berichteten) dieses Prädikat inne. 18 Millionen Euro wollte der Bauherr, ein schwerreicher Unternehmer aus der Ukraine, 2017 dafür haben.

Dass diese Summe nicht realisiert werden kann, war schnell klar. Schon ein Jahr später wurde es für nur mehr 12,8 Millionen Euro angeboten. Mittlerweile ist das Objekt offenbar verpachtet. Wo sich der millionenschwere Manager mittlerweile aufhält, dem zuletzt in seiner Heimat sieben bis zwölf Jahre Haft drohten, ist unklar. In Garmisch-Partenkirchen kursieren unter anderem Gerüchte, dass der Mann, dem die Veruntreuung von umgerechnet 100 Millionen Euro vorgeworfen wurde, in Sibirien untergetaucht ist.

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Ein historisches Bild von einem Mann vor einer Bergkulisse.
Der Maler Walter Schnackenberg und seine Frau Gitta ließen das Haus 1937 in Schlattan bauen. © privat

Von der Pension zum Luxus-Berghof: Elf Hektar Anwesen bei Garmisch

Derart dunkle Verstrickungen gibt es beim Haus Wildwiesen nicht. Schnackenberg, der sich als Maler, Illustrator, Plakatkünstler und Satiriker einen Namen gemacht hatte, war schon in den 1920er Jahren auf Schlattan aufmerksam geworden. Richard von Below, ein Maler wie er, hatte das Areal mit der Nummer 1a gekauft. 1922/23 lebten unter anderem dieser und der norwegische Maler Olaf Gulbransson, dem in Tegernsee ein Museum gewidmet ist, dort – in einer Art Hütte.

„Über diese Verbindung, Gulbransson und mein Großvater haben beide für den Simplicissimus gearbeitet, ist er wohl nach Schlattan gekommen“, vermutet Florian Lange. Offenbar faszinierten ihn die Lage und sicher auch der einmalige Blick aufs Wettersteinmassiv derart, dass er 1932 das gut elf Hektar große Grundstück unterhalb erwarb, dort zunächst ein kleines Häuschen – das heutige Einfahrtsgebäude – und später dann Wildwiesen errichten ließ. Während der Künstler weiterhin überwiegend in seinem Münchner Atelier wirkte, betrieb seine Frau dort eine kleine, exklusive Pension.

Die Stars gingen ein und aus: Luxus-Berghof steht zum Verkauf

„Nach dem Krieg kam viel Prominenz zu ihr“, weiß der Enkel. Und eben die gestressten Manager, die an „diesem entzückend gelegenen Ort im Kreise internationaler Gesellschaft Ruhe und Erholung“ fanden, wie in der GaPa, der Zeitschrift Gastliches Garmisch-Partenkirchen, zu lesen ist.

Prominente Gäste gingen auch nach dem Verkauf in Schlattan ein und aus. „Die Hautevolee des deutschen Films, wie Ruth Leuwerik oder Heinz Rühmann“, weiß Bürgermeisterin Elisabeth Koch aus Erzählungen ihrer Mutter Rosemarie Rieß. Konsul Waldfried Barthel, der Chef von Constantin-Film, hatte das Haus gekauft und es innen komplett umbauen lassen. In einem Kinosaal wurden immer die neuesten Filme gezeigt, die Barthel dann kaufen oder verleihen wollte.

16,5 Millionen für einen Berghof: Chef von Constantin-Film ließ hier ein Kino errichten

Kochs Mutter trat 1957 eine Stelle als Wirtschafterin und Köchin „in dem hochherrschaftlichen Haushalt“ an. In dem Erzählband „Ein Rucksack voll Geschichten“, den das Katholische Kreisbildungswerk 1997 herausgegeben hat, erinnert sich Rieß daran. Ausgerechnet an ihrem ersten Arbeitstag stand in Schlattan eine große Einladung auf dem Programm. „Da hat es Hummer gegeben. Um Gottes Willen, hab’ ich mir gedacht.“

Mit dieser Spezialität, die lebend in kochendes Wasser geworfen werden musste, hatte die gebürtige Walchenseerin zuvor nie zu tun gehabt. Kein Wunder, dass sie anfangs dachte, dass sie nicht lange in diesem noblen Haus bleibt. Tatsächlich wurden gut vier Jahre daraus, die sie in sehr guter Erinnerung behielt. Vor allem das Schwimmbad im Freien, das auch im Winter wohltemperiert war, genoss die junge Frau in vollen Zügen. „Damals hat das Öl ja nicht viel gekostet.“

Ein historisches Bild von einem Haus.
Idylle pur: das Haus Wildwiesen in Schlattan. © Sammlung Josef Ostler

Vierzehn Zimmer und zehn Stellplätze: Luxus-Berghof bei Garmisch wird für 16,5 Millionen Euro verkauft

Bis Mitte der 1970er Jahre gehörte das Anwesen Barthel, dann wurde es verkauft. An wen, lässt sich nicht feststellen. „Es war aber meines Wissens nach danach nie mehr durchgehend bewohnt“, sagt Lange. Botschafts-Angehörige wurden dort oben vermutet, auch von einem Juwelenhändler aus Düsseldorf ist die Rede. Genaues weiß allerdings niemand. Nachdem das Objekt zuletzt 1981 saniert und modernisiert wurde, ist anzunehmen, dass der Käufer auch dafür noch Geld einkalkulieren muss.

Dafür verfügt er dann über 14 Zimmer mit insgesamt 800 Quadratmetern Wohnfläche, 10 Stellplätze in der Garage und ein knapp elf Hektar großes Grundstück, auf dem er sich gut von neugierigen Blicken abschirmen kann. Lange hofft, dass er nach dem Verkauf mal wieder einen Blick in das Haus werfen kann, das seine Großeltern gebaut haben. „Von außen schaut’s noch weitgehend so aus wie zu ihren Zeiten.“

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