Die Odyssee eines Dackels

Wurde "Schnuffi" nach Österreich entführt?

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Glücklich vereint: Anita und Alexander Großmann mit „Schnuffi“.

Grünwald - Niemand weiß, was „Schnuffi“ erlebt hat vom 22. auf den 23. September - in der Nacht, die der Anfang seiner neun Wochen dauernden Odyssee war.

Seit kurzem ist der Dackel wieder daheim in Grünwald. Eine Geschichte vom Verlieren und Wiederfinden.

Als aus dem Herbst langsam der Winter wird, haben Alexander Großmann (84) und seine Frau Anita (80) beinahe jede Hoffnung verloren. Seit dem 22. September vermissen sie ihren Dackel „Schnuffi“. Am frühen Abend verschwindet der Hund spurlos aus dem eingezäunten Garten.

Die Großmanns schalten damals die Polizei ein, verteilen Flugblätter, wenden sich auch an den Münchner Merkur. Die Möglichkeit einer Hunde-Entführung schließt die Polizei nicht aus, betont aber, dass es auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür gibt.

Zu dieser Zeit ist eines noch nicht bekannt: „Schnuffi“ wird bereits am Tag nach seinem Verschwinden im österreichischen Achenkirch eingefangen, wo er auf einem Volksfest herumstreunt. Ihr Dackel soll also in einer Nacht alleine einen Weg von mindestens 80 Kilometern zurücklegt haben? Für Anita und Alexander Großmann schwer vorstellbar. Das Ehepaar glaubt an eine Entführung, bis heute.

Nachdem die Österreicher „Schnuffi“ dingfest gemacht haben, kommt er ins nahe Tierheim Wörgl. Die nächsten vier Wochen lebt der Hund dort. Seine Herrchen können die Österreicher nicht ausfindig machen. Der Hund hat zwar einen Chip, der Züchter hat ihn aber nicht registriert, auch die Großmanns nicht, die nicht wussten, dass das notwendig war. Somit war „Schnuffi“ nicht zuzuordnen.

Währenddessen leidet das Ehepaar Großmann. „Es war, als wäre ein Kind entführt.“ Mit jeder Woche, die verstreicht, schwindet die Hoffnung. Alexander und Anita Großmann wollen nach einiger Zeit nicht einmal mehr über ihren Hund sprechen. Zu schmerzhaft ist die scheinbare Gewissheit, dass sie ihn nie wieder sehen würden.

„Schnuffi“ hingegen findet neue Freunde. Auf ein Inserat des Tierheims hin interessiert sich ein österreichisches Paar für den Dackel, holt ihn zum Spazierengehen regelmäßig ab, und nimmt ihn nach vier Wochen bei sich auf. Seine neuen Besitzer bringen den Hund zum Tierarzt. Der Mann erledigt das in Detmold in Nordrhein-Westfalen. Er arbeitet dort.

Der Mann erlebt in der Praxis ein große Überraschung - für ihn vermutlich keine schöne: Da Alexander Großmann „Schnuffis“ Chip mittlerweile registrieren lassen hat, fällt dem Tierarzt auf, dass der Dackel eigentlich nach Grünwald gehört.

„Ich dachte ich träume“, erinnert sich Alexander Großmann heute an den Moment, als „Schnuffis“ neue Besitzer sich bei ihm melden. Doch die Sache ist kompliziert. Auch sie haben den Hund liebgewonnen, wollen ihn gerne behalten. Die Großmanns aber lassen da nicht mit sich reden, das andere Paar gibt nach, als Alexander Großmann mit rechtlichen Schritten droht. „Schnuffi“ kehrt nach neun Wochen nach Hause zurück.

Die Großmanns - und besonders auch ihre Enkel Anton (6) und Greta (4), „Schnuffis“ Spielkameraden - sind überglücklich. Das kommt auch dem Heimkehrer zugute: Früher hat der Dackel immer nur eine halbe Dose Hundefutter bekommen. Doch um das Wiedersehen zu feiern, rutscht der Inhalt einer ganzen Konserve in den Napf. Das andere Ehepaar sei ja „eher vegetarisch orientiert“ gewesen, erzählt Alexander Großmann. „Da gab’s nur gelbe Rüben für den Hund.“ Der Dackel sei deshalb so abgemagert, dass er die Extra-Ration nun gut gebrauchen könne. „Mich wundert’s, dass es ihn nicht zerrissen hat“, sagt Alexander Großmann. Er lacht. Endlich ist alles wieder wie früher.

Sebastian Horsch

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