Makler kämpft um seinen Ruf

Sogar sein Foto wurde veröffentlicht! Polizei hält Unschuldigen für Bankräuber, weil er kein Geld abgehoben hat

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Prozess im Justizpalast: Jürgen Freiwald aus Erding (r.) und sein Verteidiger Hermann-Matthias Bröcker.

Einen Tag lang ist Immobilienmakler Jürgen Freiwald von der Polizei als Bankräuber verfolgt worden – völlig zu Unrecht, wie sich alsbald herausstellen sollte. 

München/Aufhausen – Die Geschichte hört sich nach gut erfunden an: Am Abend des 27. März 2016 betritt Jürgen Freiwald den Vorraum der HypoVereinsbank an der Berghamer Straße 8 in Aufhausen. Diese ist frisch saniert, der Immobilienmakler und Projektentwickler will sich ein Bild machen.

Zwei Nächte später wird auf das Institut ein Überfall verübt. Unbekannte Täter brechen den Geldautomaten auf und erbeuten 150.000 Euro. Die Polizei ermittelt.

Als sie nicht weiterkommt, sichten die Ermittler die Bilder aus der Überwachungskamera. Ein Mann kommt ihnen verdächtig vor: 15 Sekunden hält er sich im Vorraum auf und verlässt ihn dann unverrichteter Dinge. Die Kriminaler schließen daraus: Das muss einer der Täter gewesen sein, der die Örtlichkeit auskundschaftet.

Öffentlichkeitsfahndung nach Jürgen Freiwald

Vom Amtsgericht Landshut holen sie sich die Erlaubnis, mit dem qualitativ sehr guten Bild in die öffentliche Fahndung zu gehen. Am Vormittag des 21. April taucht es in den Online-Portalen mehrerer Zeitungen auf, auch im Erdinger/Dorfener Anzeiger. Es handelt sich um Jürgen Freiwald. Doch der hat rein gar nichts mit dem Verbrechen zu tun.

Es dauert nicht lange, und die ersten Kunden und Bekannten machen den Geschäftsmann auf das Foto aufmerksam. Freiwald geht sofort zur Polizei und stellt das Missverständnis klar. Noch am gleichen Tag widerruft die Polizei die Fahndung und bittet die Medien, das Foto zu löschen.

Dennoch kursiert es monatelang im Internet. Nun geht Freiwald rechtlich gegen den Freistaat Bayern vor. 10.000 Euro Schmerzensgeld fordert er. Immerhin sei sein Ruf erheblich beschädigt worden. Wer seinen Namen google, könne immer noch auf das Bild aus der Überwachungskamera stoßen. Das sei zudem geschäftsschädigend.

Gericht erkennt keinen „schwerwiegenden Eingriff in die Privatsphäre“

Gestern wurde der Fall vor dem Landgericht München I und dem Vorsitz von Richter Dr. Frank Tholl aufgerollt. Die mit drei Berufsrichtern besetzte Zivilkammer machte rasch deutlich, dass die Polizeibehörden Fehler gemacht hätten. Eine Funkzellenanalyse hätte Aufschluss liefern können, wer wann in der Bank war. Die Kammer erinnerte aber auch daran, dass sich die Polizei entschuldigt habe. Tholl machte Freiwald und seinem Verteidiger Dr. Hermann-Matthias Bröcker deutlich, dass er wenig Chancen sehe, dem Erdinger ein Schmerzensgeld zuzusprechen. „Das gibt es nur bei schwerwiegenden Eingriffen in die Privatsphäre.“ Im vorliegenden Fall erkenne er das aber nicht.

Rechtsanwalt Dr. Peter Ziegler, der den Freistaat Bayern vertritt, meinte: „Wer die Fahndung in der Zeitung gelesen hat, der hat auch den Widerruf mitbekommen.“ Zudem treffe die Rechteverletzung nur auf einen begrenzten Raum zu – Erding. Und die Medien hätten das Fahndungsfoto rasch gelöst. Bröcker wies hingegen darauf hin, dass sein Mandat nach wie vor darauf angesprochen werde.

Richter Tholl gab beiden Seiten bis 11. Mai Zeit, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Am Mittwoch, 13. Juni, um 11 Uhr will das Landgericht München I ein Urteil fällen. Im besten Fall erhält Freiwald eine Summe unter den geforderten 10.000 Euro. Es kann aber auch sein, dass die Klage abgewiesen wird.

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