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„Zweischneidiges Schwert“: Hornissennest entfernt – Bürgermeister spricht von „Fehler“

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Von: Roland Lory

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Eine Hornisse (Vespa crabro) steht auf einem Stein in einem Garten.
Streng geschützte Art: Eine Hornisse auf einem Stein in einem Garten. ©  Patrick Pleul/dpa

Ein Gemeindemitarbeiter veranlasste die Entfernung eines Hornissennests am Schwimmbad in Ohlstadt. Dies teilte Bürgermeister Christian Scheuerer am Freitag mit.

Ohlstadt – Erboste Anrufe haben in den vergangenen Tagen das Schwimmbad in Ohlstadt erreicht. Der Grund: Dort wurde ein Hornissennest zerstört. „Die Leute sollen sich bei der Gemeinde melden“, sagt Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei).

Mitarbeiter entscheidet über Hornissennest-Entfernung

Der Rathauschef hat sich mittlerweile schlau gemacht, was vergangene Woche am Schwimmbad vorgefallen war. Es habe „verschiedene Meldungen besorgter Eltern gegeben“, die sich ans Bad wandten. Kinder seien auf die Straße gelaufen, „weil sie Angst vor den großen Brummern hatten“. Zudem gebe es unter Badegästen Allergiker.

Ein Mitarbeiter der Gemeinde wurde laut Scheuerer über das Nest informiert. Dieser habe dann abgewogen – und entschieden, dass das Gebilde entfernt wird. Ohne Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Garmisch-Partenkirchen. „Das war ein Fehler“, sagt Scheuerer. Der Bürgermeister teilt mit, er selbst habe erst von dem Vorfall erfahren, als das Nest schon beseitigt war. Der Mitarbeiter war am Freitag nicht erreichbar.

Hornissen sind streng geschützt. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet es, die Tiere zu verletzen oder zu töten. Es ist darüber hinaus untersagt, deren Nester zu beschädigen oder zu zerstören. Verstöße können mit einer Geldbuße bis zu 50 000 Euro geahndet werden.

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Reith: „So etwas darf keine Schule machen“

Mirjam Reith, Vorsitzende des Murnauer Imkervereins und Hornissen- und Wespenberaterin für den Landkreis, hat die Untere Naturschutzbehörde über den Fall informiert. „So etwas darf keine Schule machen, sondern muss als Negativbeispiel öffentlich bekannt gemacht werden und zur Aufklärung dienen“, schreibt Reith in einer E-Mail an die Naturschutzbehörde. „Denn man hätte hier wunderbar am lebenden Beispiel die Bevölkerung aufklären können, wie es um die friedlichen Hornissen und deren Lebenszyklus steht.“

Das Nest war laut Reith „riesig“. Es sei daher davon auszugehen, „dass es schon länger dort oben gebaut wurde und bisher keinerlei Gefahr für die Besucher bestand“. Das Hornissen-Domizil befand sich auf der nordöstlichen Seite des Schwimmbadgebäudes unterm Dach.

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Aus Sicht des Tierschutzes „nicht richtig“: Tiere auch im Fitnessstudio

Scheuerer macht deutlich, dass es sich um ein öffentliches Gebäude handelt. „Da muss ich manche Dinge kritisch betrachten.“ Teilweise seien 700 bis 800 Besucher auf dem Gelände. „Viele wissen nicht, mit den Brummern umzugehen.“ Hornissen sind laut Scheuerer auch ins Fitnessstudio eingedrungen, dass sich im Obergeschoss befindet. Der Gemeindemitarbeiter habe entschieden, „dass Gefahr im Verzug“ gewesen sei. Scheuerer spricht von einem „zweischneidigen Schwert“. „Aus Sicht des Tierschutzes war es nicht richtig, aus Sicht des Schutzes der Gäste war es richtig.“

Reith zeigt sich in ihrer E-Mail an die Untere Naturschutzbehörde dagegen „zutiefst entsetzt, dass in einer Gemeinde, die mit ihrer Naturverbundenheit Werbung macht, so etwas geschehen kann, quasi in einer Nacht- und Nebel-Aktion“. Etliche der Hornissen lagen ihr zufolge am Boden, „teilweise lebten sie noch. Was für ein Frevel und Missachtung an dieser besonders geschützten Art“.

Nun ist das Landratsamt am Zug. Voraussichtlich in der kommenden Woche will die Kreisbehörde Betroffene anhören. „Der Verursacher ist dem Landratsamt noch nicht bekannt“, sagt Sprecher Stephan Scharf. Ungenehmigte Zerstörungen sind im Landkreis ihm zufolge heuer bisher nicht bekannt geworden. Allerdings wurden „fünf Umsiedlungen oder Entfernungen jeweils aus begründetem Anlass genehmigt“.

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