Typisierungsaktion für Florian Kettner

Ohne Stammzellen gibt es keine Heilung

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Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Aber sie besteht: Jeder, der sich am Sonntag, 8. November, ab 13 Uhr in der Schule Fahrenzhausen typisieren lässt, könnte der genetische Zwilling von Florian Kettner sein. Wie es Kettner derzeit geht, was er denkt und hofft:

Wann haben Sie die Diagnose Blutkrebs bekommen?

Das war ein Montag, der 14. September 2015. Da wurde mir im Klinikum Dachau die 90-prozentige Diagnose einer Leukämieerkrankung gestellt.

Was haben Sie dabei gefühlt? Was war Ihre erste Reaktion?

Das war ein Schock. Das ist der richtige Ausdruck, der meine Gefühlssituation damals am besten beschreibt. Ich denke aber, für meine Freundin war dieser Augenblick allerdings noch intensiver und schockierender als für mich selbst.

Und wie geht es Ihnen jetzt?

Ich versuche halt, aus der Situation das Beste zu machen, obwohl ich schon zugebe, dass diese Herausforderung schwer zu meistern ist. Ich kämpfe hier mit starker Übelkeit und schlimmen Kopfschmerzen. Seitdem man mich in das Klinikum rechts der Isar aufgenommen hat – und das war am 15. September, einen Tag nach der Diagnose –, habe ich noch keine Nacht zu Hause verbringen können. Diese Situation ist für mich und auch für meine Freundin eine sehr starke Belastungsprobe.

Wie werden Sie derzeit behandelt? Welche medizinischen Maßnahmen sind seitdem ergriffen worden?

Ich bekomme eine Chemotherapie – und zwar als Infusion und in Tablettenform. Außerdem auch Bestrahlungen. Zusätzlich werden mir in das Nervenwasser am Rückgrat – also zwischen den Wirbeln – mittels Injektionen Chemoapplikationen gespritzt.

Wer besucht Sie denn im Krankenhaus? Und um was drehen sich dann die Gespräche mit Familie und Freunden?

Mich besuchen meine engen Freunde und selbstverständlich meine Eltern. Meist wird wenig über die Erkrankung selbst gesprochen. Die Gespräche drehen sich eher um andere Themen und um das, was draußen so los ist.

Wie groß sind Ihre Hoffnungen, dass sich für Sie ein genetischer Zwilling findet?

Meine Hoffnungen sind sehr groß, da ja ohne eine Stammzellenspende keine Heilung für mich möglich ist.

Was hat man inzwischen getan, um einen Stammzellenspender für Sie zu finden?

Kurz nach der Diagnose der Leukämiekrankheit bei mir wurden meine Gewebemerkmale in die zentrale Datenbank eingegeben. Und seitdem läuft der Spendersuchlauf.

Was sagen Sie dazu, dass Ihre Freunde jetzt diese Typisierungsaktion initiiert haben?

Ich bin wirklich sprachlos. Denn das schenkt mir jetzt weitere Kraft und Ausdauer für meine noch folgende Therapie.

Was sagen Sie zu all denen, die noch überlegen, ob sie sich typisieren lassen sollen?

Da in 80 Prozent der Fälle die Stammzellenspende über das Blut und deshalb sehr schonend durchgeführt wird, hoffe ich, dass für mich und auch für andere von Leukämie betroffene Patienten möglichst viele potentielle Spender gewonnen werden können. Es gibt da einen guten Spruch – auch wenn bei der Typisierungsaktion dem Spender fünf Milliliter Blut entnommen werden: „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein.“

Interview: Andreas Beschorner

Gut zu wissen

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich als potenzieller Spender in die Knochenmarkspender-Datei des DKMS aufnehmen lassen. Wer sich dabei nicht ganz sicher ist, ob er mit seiner persönlichen Geschichte als Spender in Frage kommt, kann sich im Internet bereits vorab unter www.dkms.de informieren. Menschen, die bereits bei der DKMS oder einer anderen Datenbank (wie beispielsweise die Aktion Knochenmarkspende Bayern) registriert sind, müssen sich nicht mehr aufnehmen lassen.

Am Aktionstag selbst werden dem Spender nach einer kurzen Aufklärung und dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung fünf Milliliter Blut abgenommen, damit seine Gewebemerkmale bestimmt werden können. Von der Datenerfassung bis zur Abgabe der Blutprobe dauert die Typisierung etwa 15 Minuten.

Bei der Registrierung am Sonntag, 8. November, von 13 bis 16 Uhr in der Grundschule Fahrenzhausen werden ehrenamtlich tätige Arzthelferinnen aus den Arztpraxen des AVZ Fahrenzhausen und Haimhausen, aus der Praxis Dr. Kraft aus Fahrenzhausen und aus der Praxis von Dr. Elsenberger in Hebertshausen die Aktion vor Ort unterstützen und die Blutabnahmen durchführen. Ärzte sind ebenfalls vor Ort.

Wer aufgrund seines Alters nicht mehr als Spender in Frage kommt, kann gerne mit einer Geldspende helfen: Empfänger ist das DKMS Spendenkonto, VR Bank Dachau, IBAN: DE86 7009 1500 0100 6068 80.

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