Ein Held des Alltags

Busfahrer bringt kranke Frau bis vor die Haustür - und verspätet sich dafür massiv

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Busfahrer mit Weitsicht: Helmut Weißkopf erkannte, dass eine Frau Hilfe brauchte.

Busfahrer Helmut Weißkopf ist für seine Fahrgäste in Olching nicht nur hinter dem Steuer im Einsatz.

Olching – Der Bus war spärlich gefüllt, als Helmut Weißkopf sich an einem Samstag gegen 13 Uhr der Bushaltestelle Max-Reger-Straße näherte. Die Linie 834 fährt er häufig, deswegen habe er auch die ältere Dame gleich erkannt, die sich nun anschickte, den Bus zu verlassen. „Sie steigt öfter an dieser Station ein und aus und ich wusste, dass sie in der Nähe wohnt“, erzählt der Busfahrer. Als die Seniorin auf den Bürgersteig tritt, merkt er schnell, dass mit ihr etwas nicht stimmt. „Sie hat sehr unsicher gewirkt, etwas orientierungslos“, erinnert sich Weißkopf.

Auf seine besorgte Nachfrage habe die Frau über ein Schwindelgefühl geklagt und ihm mitgeteilt, dass sie nicht gut sehen könne. Der 62-Jährige entschied sich daraufhin schnell: Er begleitete die Rentnerin bis zu ihrer Wohnung. Alleine hätte sie das nicht mehr geschafft, ist er sich sicher: „Sie konnte ja nicht mal mehr die Straßenschilder erkennen.“ Zusätzlich hatte sich der Standort der Bushaltestelle durch eine Baustelle leicht geändert.

Seinen Bus ließ er mit dem einen verbliebenen Mitfahrer zurück und brachte die Rentnerin bis an die Haustür, dort habe sie wieder aufgeräumter gewirkt und ihm versichert, dass sie nun allein zurechtkommen werde.

Vor Kurzem hat Helmut Weißkopf auch ihre Schwiegertochter getroffen, die ihm versicherte, dass es der alten Dame wieder besser gehe.

Die anderen Fahrgäste hatten Verständnis

Als er nach 40 Minuten zu seinem Bus zurückkehrte, erwarteten ihn inzwischen zwei weitere Fahrgäste. Alle hätten Verständnis für die massive Verspätung gezeigt, sagt Weißkopf. „Schließlich hätten wir sowieso auf einen Krankenwagen warten müssen, das hätte auch lange gedauert“, gibt er zu Bedenken. Für den 62-Jährigen ist sein außerfahrplanmäßiger Einsatz in Olching eine Selbstverständlichkeit. „Für mich war es völlig klar, zu helfen. Wenn ich einmal in so eine Situation gerate, möchte ich ja auch, dass mir jemand zur Seite steht.“

Eine besondere Beobachtungsgabe

Seit zehn Jahren ist der Buchenauer Helmut Weißkopf nun schon Busfahrer. Seine Berufserfahrung hat ihm beim Meistern der besonderen Situation ungemein geholfen, wie er sagt. Und ganz offensichtlich hat er eine besondere Beobachtungsgabe, die ihn die Notsituation so schnell erkennen ließ. Der 62-Jährige erklärt: „Ich habe mich erinnert, dass die Dame sonst immer nach links von der Haltestelle weggeht. Dieses Mal ist sie nach rechts gegangen.“ 

Viel Empathie zeigte auch ein Busfahrer in Karlsfeld, als ein elfjähriger Flüchtlingsbub in den für ihn falschen Bus eingestiegen war, berichtete merkur.de

Gabriel Kroher

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