Bauer gegen Olympia: Warum ich mein Land nicht hergebe

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Ignaz Streitel sagt: „Mir geht’s nicht ums Geld, mir geht’s um meine Heimat!“

Garmisch-Partenkirchen - Er ist einer der Wortführer der Olympia-Gegner: Ignaz Streitel. In der tz erklärt er, warum er seine Grundstücke nicht für die Winterspiele abtreten will.

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Der 80-jährige Landwirt war 22 Jahre Vorsitzender der einflussreichen Weidegenossenschaft, 30 Jahre saß er im Marktgemeinderat von Garmisch-Partenkirchen und 24 Jahre im Kreistag. Auf einigen seiner Grundstücke sollen Parkplätze für die Olympiabesucher entstehen, andere werden möglicherweise für die Halfpipe am Hausberg gebraucht. Doch Streitel denkt gar nicht daran, sein Eigentum für die Olympische Spiele abzutreten.

Herr Streitel, warum sind sie gegen die Olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen?

Streitel: Das ist alles eine Nummer zu groß für uns. Das wär’ der Todesstoß für die Gemeinde. Es reicht, dass wir im Februar die Ski-Weltmeisterschaft hier haben. Mehr verkraftet das Tal nicht.

Was macht Sie da so sicher?

Streitel: Bis heute ist immer noch unklar, wie groß der tatsächliche Flächenbedarf wirklich ist. Die Wahrheit – zum Beispiel, dass die massiven Zäune vier Meter hoch werden sollen– erfährt man höchstens scheibchenweise. Und wir wissen doch auch, dass die großen Skinationen Trainingsstrecken brauchen. Wo sollen die denn sein?

Viele glauben, dass die Bauern und Grundstückseigentümer einfach nur mehr Geld wollen.

Streitel: Das war der Trugschluss vom Bogner und vom Neureuther. Die waren so arrogant und haben sich gedacht, die paar Quertreiber kriegen wir schon. Aber keinem von uns kommt’s aufs Geld an. Mir geht’s nur um meine Heimat. Und die lass’ ich mir von niemandem kaputt machen. Denken’s doch nur an den Kommerz bei Olympia oder die Sponsoren.

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Was meinen Sie?

Streitel: Na, da gehört jetzt auch Dow Chemical dazu. Das sagt doch alles. (Der US-Konzern stellte chemische Waffen für den Vietnamkrieg her, darunter auch Napalm, Anm. d. Red.) Wir haben ja eine Pension, und meine Stammgäste haben mir schon signalisiert, dass sie bei dem Rummel für ein paar Jahre einen Bogen um Garmisch-Partenkirchen machen.

Was hat denn Staatsminister Siegfried Schneider zu ihren Argumenten gesagt

Streitel: Der hat mir Recht gegeben! Wissen Sie, der Schneider ist ein sympathischer Mann. Aber der haut doch jetzt auch ab! (Schneider soll im Februar Präsident der Landeszentrale für neue Medien werden , Anm. d. Red.). Und wie soll’s jetzt weitergehen?

Streitel: Unser Anwalt wird schon etwas aushandeln.

Wie könnte denn ein Kompromiss aussehen?

Streitel: Das weiß ich momentan ehrlich gesagt selbst nicht so genau.

Fürchten Sie eine Enteignung?

Streitel: Das ist auch wieder so eine Sache. Der Schneider hat uns versprochen, dass es keine temporären Enteignungen geben wird. Aber noch als er das sagte, ist einer meiner Kollegen aufgestanden und hat gesagt, dass er die Enteignung für die WM im Februar ja schon auf dem Tisch liegen habe …

Können Sie sich irgendeine Form von Entschädigung vorstellen?

Streitel: Ich brauch’ kein Entschädigung.

Und ihre 58 Kollegen, die ihre Grundstücke auch nicht hergeben wollen?

Streitel: Ich kann nur für mich sprechen, aber soweit ich weiß, geht’s keinem um Geld.

Und was passiert, wenn man Sie für die Olympischen Spiele wirklich enteignet?

Streitel (lacht): Dann wandere ich aus.

WdP

Problematische Grundstücke

Gudiberg: Im Schatten der Schanze

Am Gudiberg, der im Schatten der Skisprungschanze liegt, sollen die olympischen Slalomwettbewerbe stattfinden. Das Ziel liegt im Skistadion. Das letzte Weltcuprennen an dieser Stelle hat der Garmischer Lokalmator Felix Neureuther gewonnen. Nach tz-Informationen haben mindestens zwei Olympiagegner am Skistadion Grundstücke.

Halfpipe Hausberg

Am Fuße des 1360 Meter hohen Hausberg soll u. a. die Halfpipe für die Wettkämpfe der Skiakrobaten errichtet werden. Außerdem soll hier auch der ParallelRiesenslalom stattfinden. Normalerweise tummeln sich hier vor allem Familien beim Skifahren. Nach tz-Informationen haben hier mindestens vier Olympiagegner Grundstücke.

Kandahar: Wie im freien Fall

Auf der 3000 Meter langen Kandahar-Strecke sollen die meisten Skirennen stattfinden. Die Piste zählt nach dem Umbau zu den spektakulärsten der Welt und verfügt mit dem „Freien Fall“ über die steilste Stelle im Weltcup-Zirkus. Nach tz-Informationen haben mindestens vier Olympiagegner entlang und an der Strecke Grundstücke.

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