So war es, als mich ein Einbrecher überraschte

Pullach - Nach Einbrüchen quälen sich die Opfer oft noch lange mit dem Gefühl der Unsicherheit in ihren eigenen vier Wänden. Stefan Müller (43) aus Pullach schreckt immer wieder nachts im Schlaf hoch.

Seit vielen Jahren wohnt Stefan Müller (43) in seiner Erdgeschoss-Wohnung in Pullach. Die Fenster ließ er oft gekippt, auch nachts oder wenn er nicht zu Hause war. „Heute würde ich das nicht mehr tun, ich kontrolliere mittlerweile ganz genau, ob auch alles zu ist, wenn ich das Haus verlasse“, sagt er. Nachts schreckt er immer wieder hoch, getrieben von einem mulmigen Gefühl. Auslöser war der 1. Dezember, ein Datum, das Müller so schnell nicht aus seinem Gedächtnis löschen wird. Der Tag, an dem der 43-Jährige von einem Einbrecher heimgesucht wurde.

„Ich hatte die Nacht davor nicht gut geschlafen“, erinnert sich Müller. Deshalb legte sich der 43-Jährige für einen Mittagsschlaf hin. Kurz nach 12 Uhr klingelte es plötzlich an der Tür. „Ich glaubte, es wäre die Post und dachte mir, ich bleibe einfach liegen und mache jetzt nicht auf.“ Doch als der Besucher vor der Tür nicht aufhörte Sturm zu klingeln, wollte Müller doch nachsehen. „Ich habe die Tür aufgemacht, aber da war niemand.“ Also ging er, nur mit einem Handtuch bekleidet, zurück ins Schlafzimmer. Dann der Schock: Er sah, wie durchs Schlafzimmerfenster gerade ein Mann versuchte, in seine Wohnung einzusteigen. „Er hing noch mit den Armen und Beinen halb in den Jalousien“, erinnert sich Müller. Alles was der 43-Jährige vor Schreck sagen konnte, war ein lautes „Heee!“. Genauso verdutzt war der Einbrecher angesichts der Tatsache, dass trotz seines Klingeltricks jemand zu Hause war. „Er hat nur die Augen weit aufgerissen und ist dann abgehauen“, sagt Müller. Sofort rief der Pullacher die Polizei, die den 26-jährigen Dieb kurze Zeit später festnehmen konnte.

Dass der Einbrecher dingfest ist, ist nur ein schwacher Trost für Müller. Zwar nimmt er es mit Humor, wie er sagt, lacht auch, wenn er über das Erlebte spricht. Aber er gibt auch zu: „Ich bin ein Meister im Verdrängen.“ Schlaflosigkeit und ein ungutes Gefühl begleiten ihn seitdem, muss er sich eingestehen. Und die Fage: „Was hätte der denn bei mir klauen können? Höchtens meine Gitarren.“

Dass der Einbrecher im Fall Stefan Müller gefasst werden konnte, ist ein glücklicher Zufall für die Ermittler. Oft haben es die Beamten nicht so einfach. Im vergangenen Jahr konnten von 183 Wohnungeimbrüchen im Landkreis 23 Delikte aufgeklärt werden. „Im Durchschnitt liegen wir bei einer Aufklärungsquote zwischen 15 und 16 Prozent“, sagt Peter Anderl, Leiter des Kommissariats 51, zuständig für Bandendelikte und Einbruchskriminalität. Das höre sich gering an, aber, so betont Anderl, diese Quote liege im bundesweiten Vergleich noch hoch. „In den meisten Fällen haben wir es beim Wohnungseinbruch mit Reisenden zu tun, die überregional tätig sind und nur zum Zweck des Einbruchs herkommen.“ Die Täter setzen sich sehr schnell wieder ins Ausland ab. „Das macht es für uns sehr schwierig, was die Ermittlungen angeht“, sagt Anderl.

Gerade der Raum München sei ein Paradies für solch meist professionell agierende Banden, die überwiegend aus dem süd- und osteuropäischen Raum kommen. „Von hier ist man schnell in Tschechien oder Österreich. Bis der Einbruch dann entdeckt wird, sind die Täter schon über alle Berge“, erklärt der Chef von K 51. Gerade wenn die Beute auch im Ausland verkauft werde, hätten die Beamten schlechte Karten.

Trotzdem ist die Zahl der Einbrüche im Landkreis in den vergangenen Jahren gesunken: 2004 zählt die Statistik 360 Delikte, 2009 waren es noch 206. Anderl führt das nicht nur auf die bewährte Arbeit der Schleierfahnder zurück, die „in grenznahen Gebieten einfach einen guten Riecher beweisen“. Auch die Polizei vor Ort stelle sich zwischen Oktober und März, wo Dämmerungswohnungseinbrüche Hochsaision haben, verstärkt auf. Außerdem würde die Präventionsarbeit viel dazu beitragen, dass Wohnungs- und Hausbesitzer sich des Risikos bewusst sind und ihr Eigentum mit Vorsichtsmaßnahmen schützen (siehe Kasten).

Mit den Einbruchsopfern haben die Ermittler manchmal sogar noch lange Zeit nach dem Einbruch Kontakt, ist Peter Anderls Erfahrung. „Manche sind teilweise wirklich traumatisiert, schließlich ist man hier in ihr privatestes Leben eingedrungen“, weiß Anderl. Der Ermittler kennt Beispiele, bei denen die Betroffenen sogar die Wohnung aufgegeben haben, weil sie wegen der Tat im eigenen Heim massiv psychisch geschädigt waren.

Auch Stefan Müller geht aus Pullach weg. Das hatte er zwar schon vor dem Einbruch geplant. Jetzt aber kann er es kaum erwarten, die Koffer zu packen. Ins Erdgeschoss wolle er jedenfalls nie wieder freiwillig ziehen. „Ich gehe zu meiner Freundin nach Erfurt, die wohnt Gott sei Dank im sechsten Stock.“

Patricia Kania

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