Funktionäre ziehen Konsequenzen

Tribünen-Schlägerei bei U14-Turnier: Jetzt reagiert das Orga-Team

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Weil das Organisationsteam zurückgetreten ist, wird es die Dachauer Hallenfußballmeisterschaft der Junioren in Zukunft wohl nicht mehr geben. 

Das Organisationsteam der Dachauer Hallenfußballmeisterschaft der Junioren ist geschlossen zurückgetreten. Ein Grund dürfte die Schlägerei bei einem Vorrundenturnier in Günding sein.

Dachau – Es lief am vergangenen Sonntag gerade die Siegerehrung für die U 12- und U 14-Junioren-Bewerbe am zweiten und letzten Finaltag, als Bernd Battermann vom Organisationsteam der 13. Dachauer Hallenfußballmeisterschaft der Junioren das Mikrofon ergriff. Nach ein paar Sätzen zu den beeindruckenden Zahlen rund um das größte private Turnier in Süddeutschland, meinte Battermann: „Die Dachauer Hallenmeisterschaft ist jetzt Geschichte!“ – was heißen sollte: Das Organisationsteam tritt zurück. Gründe nannte Battermann nicht. Doch die Demission dürfte (auch) die Konsequenz aus der üblen Schlägerei beim Vorrunden-Turnier der U 14 in der Gündinger Sporthalle am 12. Januar sein. Wie berichtet, waren dort Väter aneinandergeraten. Den Organisatoren der „DAH-HM 2018“ wird vorgeworfen, zum blutigen Handgemenge nicht öffentlich Stellung bezogen zu haben. Erst nach Recherchen der Dachauer Nachrichten war der Eklat ans Licht gekommen.

Fest steht, dass bei der Rauferei damals ein Vater einen Nasenbeinbruch erlitt, ein anderer eine Verletzung am Schienbein. Nicht fest steht hingegen, wer wen wie attackiert und traktiert hat. Diese Fragen müssen nun Polizei und Staatsanwaltschaft zweifelsfrei klären. Und das wird zweifelsohne schwer. Zunächst gab es zwei Versionen, was während der für die Tabelle bedeutungslosen Partie SC Maisach gegen den TSV 1865 Dachau auf den Rängen geschah. Nun kam sogar eine dritte Darstellung der Dinge hinzu.

Diese Versionen kursieren

Version 1: Ein Karlsfelder Vater habe einen Dachauer Kicker auf dem Feld beschimpft. Der Vater und der Bruder des jungen Dachauer Spielers hätten den Karlsfelder zur Rede gestellt und sofort zugeschlagen.

Version 2: Der Karlsfelder habe den Schiedsrichter darauf hinweisen wollen, dass der Dachauer Spieler foul spiele und vom Platz gehöre. Daraufhin sei er von dem Dachauer Vater beleidigt und angegriffen worden. Gegen die Balustrade der Halle gedrängt, habe der Karlsfelder aus Notwehr ausgeholt und dem Dachauer die Nase gebrochen.

Version 3: Nach jüngsten Ermittlungen der Polizei Dachau sollen zwei Väter von Spielern des SC Maisach mit Wohnsitz in Odelzhausen einen Dachauer Vater, der etwas reingerufen haben soll, angegriffen haben.

Welche Version ist nun die richtige? Was sagen die Vereine heute? Beim SC Maisach wehren sich die Verantwortlichen vehement gegen die Darstellung der Ermittler. „Wir waren nullkommanull beteiligt“, so der U 14-Trainer des SCM, Ralf Kiebele. Und Fußball-Jugendleiter Thomas Puhl ergänzt: „Wir haben keinen Vater, der in Odelzhausen wohnt oder gewohnt hat. Nach Rücksprache mit unseren Trainern und Betreuern kann ich zudem sagen, dass kein Maisacher in die Schlägerei involviert war.“

Stangl: „Wir distanzieren uns von den Vorgängen“

Der TSV Eintracht Karlsfeld möchte „nicht weiter Öl ins Feuer gießen“ und die Ergebnisse der Polizei abwarten, so Jugendleiter Gerhard Stangl. Er selbst war nicht in Günding, habe aber gehört, dass drei Dachauer auf einen Karlsfelder Jugendtrainer, dessen Sohn mitkickte, los gegangen seien. Der Karlsfelder habe sich gewehrt. „Wir distanzieren uns von den Vorgängen“, so Stangl. Sein Verein habe den Jugendtrainer „derzeit auf Eis gelegt“.

65-Abteilungsleiter Marcel Richter sagt klipp und klar: „Alles, was öffentlich gesagt wird, ist eine Zeugenaussage.“ Daher: kein Kommentar.

„Wir müssen insgesamt 13 Zeugen vernehmen, von denen welche in München wohnen – und das dauert“, so der Pressesprecher der Polizei Dachau, Stefan Hocke. Als die vier Streifen in Günding ankamen, die erste übrigens bereits sechs Minuten nach der Alarmierung, sei der Tumult bereits beendet gewesen und alle Beteiligten seien vor der Halle gestanden, so Hocke. Und: „Jeder hat behauptet, der andere habe angefangen.“

Funktionäre haben Verständnis für die Rücktritte

Die Nachforschungen der Ermittlungsbehörden sind also noch im Fluss. Der Rücktritt des gesamten Organisationsteams hingegen ist „endgültig“, so Mitorganisator Thomas Schüßler. Zu den genauen Gründen wollte sich Schüßler auch gestern nicht äußern. Man wolle sich am Mittwoch noch einmal zusammensetzen, ein Resümee ziehen und möglicherweise eine Erklärung abgegeben. „Weiter versuchen wir, Nachfolger für uns zu finden“, so der Mitorganisator. Schüßler weiß natürlich, dass dies unglaublich schwer werden wird. 

Das beweisen die Fakten rund um die „DAH-HM“: Rund 250 Mannschaften von der U 7 bis zur U 19 nahmen heuer teil. In den 13 Jahren ihres Bestehens strömten mehr als 60 000 Zuschauer in die Hallen. Für Organisatoren bedeutet dies Schwerstarbeit. „Die Dachauer Hallenmeisterschaft gehört zum Dachauer Land einfach dazu“, sagt Eintracht-Abteilungsleiter Stangl. Sein Dachauer Amtskollege Richter meint: „Ich habe Verständnis für die Rücktritte. Was können die Organisatoren dafür, wenn sich auf der Tribüne jemand prügelt? Und warum sollten dann ausgerechnet sie den Fall öffentlich machen?“

Thomas Zimmerly

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