„Ich will darüber nichts sagen“

Blutige Schlägerei unter Eltern bei U14-Turnier: Vorfall wird verschwiegen

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Transparenz oder Schweigen? Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe (vorne, mit Mikro) ist klar gegen Gewalt auf und um den Fußballplatz. Das Orgateam der Dachauer Jugendfußballmeisterschaften mit (von links) Bernd Battermann, Thomas Schüssler, Jürgen Salaj sowie (verdeckt) Peter Prunitsch wollen das Thema lieber nicht öffentlich thematisieren.

Bei einem Hallenfußball-Qualifikationsturnier der U14-Junioren ist es zu einer Schlägerei gekommen. Statt aufzuklären bemühen sich Organisatoren und Vereine darum, die Angelegenheit vertuschen.

Bergkirchen – Wer wissen will, was sich am Abend des 12. Januar in der Sporthalle des SV Günding zugetragen hat, muss viele Telefonate führen und eine hohe Frustrationstoleranz gegenüber Sätzen wie „Ich will darüber nichts sagen“, „Ich kann darüber nicht sprechen“ oder „Ich darf mich nicht dazu äußern“ mitbringen.

Wilde Schlägerei ruft Polizei auf den Plan

Fest steht, und so bestätigt es auch die Polizei, dass vier Streifen der Dachauer Polizei am 12. Januar gegen 22 Uhr in die Gündinger Halle gerufen wurden. Dort war eine wilde Schlägerei im Gange, zwei Männer waren verletzt. Die Ermittlungen in dem Fall seien noch nicht abgeschlossen, bekräftigt PI-Sprecher Roland Itzstein. Und: „Wir versuchen noch, den Sachverhalt aufzuklären.“ Aktuell gebe es zwei Anzeigen wegen Körperverletzung.

Etwas konkreter beschreiben die Aussagen von Augenzeugen den Sachverhalt, wobei keiner dieser Zeugen seinen Namen öffentlich lesen will. Demnach lief gerade das letzte Spiel des Abends, der SC Maisach gegen den TSV 1865 Dachau. Es war ein „belangloses Spiel“, erinnert sich einer der Vereinsvertreter, als Gruppenerste waren längst die Teams des TSV Eintracht Karlsfeld und des TSV 1865 Dachau qualifiziert für die Endrunde der Dachauer Hallenfußballmeisterschaften,

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Version 1: Karlsfelder Vater soll „heftigste Beschimpfungen“ gerufen haben

Dass Maisach das Spiel gegen Dachau 2:0 gewann, wurde jedoch zur Makulatur. Denn während des Spiels rief – und das ist Version 1 des Geschehens – ein Karlsfelder Vater „heftigste Beschimpfungen“ in Richtung eines Dachauer Kindes auf dem Feld. Der Vater und der Bruder des jungen Dachauer Spielers saßen zufällig ebenfalls auf der Tribüne und stellten den Karlsfelder zur Rede. Doch anstatt eine Antwort abzuwarten, sollen sie sofort zugeschlagen haben. Während andere Karlsfelder den Attackierten beschützten, stand dessen Sohn in unmittelbarer Nähe – und weinte bitterlich, wie ein Augenzeuge berichtete.

Version 2: Aggression ging von einem Dachauer Vater aus

Version 2 geht folgendermaßen: Der Karlsfelder – andere Quellen nennen ihn Co-Trainer – habe von der Tribüne aus lediglich den Schiedsrichter darauf hinweisen wollen, dass der Dachauer Spieler aufgrund seiner foulen Spielweise vom Platz gestellt werden müsse. Daraufhin sei er von dem Dachauer Vater beleidigt und angegriffen worden. Gegen die Balustrade der Halle gedrängt – „die haben oben auf ihn eingeschlagen und unten getreten“ – habe der Karlsfelder aus Notwehr ausgeholt und dem Dachauer die Nase gebrochen. Im Gegenzug sollen die Dachauer dem Karlsfelder noch Todesdrohungen hinterher geschickt haben.

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Niemand will Stellungnahmen abgeben

Das Orgateam der sogenannten „DAH-HM 2018“, wie sich das Turnier offiziell nennt, sowie die beteiligten Vereine haben seitdem jedoch wenig Anstalten unternommen, den Sachverhalt aufzuklären beziehungsweise daraus Konsequenzen zu ziehen. Im Gegenteil: Trotz wiederholter Versuche ist Turnierleiter Bernd Battermann für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Schiedsrichter-Koordinator Willi Schuster betont: „Ich bin nur für Regeln und Schiedsrichterwesen zuständig.“ Heiko Krüger, Vorsitzender des Ausrichters SV Gündung, sieht die Sache so: „Wir haben nur die Halle zur Verfügung gestellt und unsere Sorgfaltspflicht erfüllt, indem wir Polizei und Notarzt alarmiert haben.“ 

Immerhin: Im Nachgang dieses blutigen Abends soll es, so ein Vereinsvertreter, zu einer Aussprache zwischen Turnierleitung und Vereinen gekommen sein. Ergebnis: „Es gibt kein Problem unter den Vereinen. Und wir kommunizieren den Vorfall auf keinen Fall nach außen!“

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„Die Väter machen Ärger“

Polizeisprecher Roland Itzstein mag ein Vorgehen wie dieses nicht mehr verwundern. „Das kommt immer wieder vor. Die Kids vertragen sich und spielen einfach nur Fußball. Nur die Väter machen Ärger.“

Der Schirmherr des Turniers, Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe, hatte die Halle zwar zwei Stunden vor der Prügelei verlassen. Dennoch hat er zu dem Thema eine klare Meinung: „So etwas kann man nicht gutheißen! Eltern sollten eine Vorbildfunktion haben. Was sollen denn Kinder von solchen Erwachsenen lernen?“

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