Fotografieren war sein Leben

Von Cabrio überrollt: Große Trauer um Leon

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Ottobrunn - Das unfassbare Drama um den 18-jährigen Leon, der vom Cabrio seines Freundes überrollt wurde und an einem Genickbruch starb: Ganz Ottobrunn steht unter Schock!

Am 17. Juli erst postete der 18-jährige Leon L. (Name verändert) aus Ottobrunn im Kurznachrichtendienst Twitter voller Begeisterung: „Jetzt das neue 1er Cabrio vom Kumpel ausfahren!“ Genau dieses BMW-Cabriolet war nur drei Wochen später der Auslöser einer Tragödie, die Leons junges Leben beendete und zwei Familien und einen großen Freundeskreis in unbeschreibliche Trauer stürzte.

Zusammen mit einem Freund untersuchte Leon am Freitag um 13.55 Uhr in Ottobrunn den Motor des BMW-Cabrios, der merkwürdige Geräusche von sich gab. Der Freund blieb am Steuer. Leon stellte sich vor die geöffnete Motorhaube und horchte. Aus Versehen ließ der Freund plötzlich die Kupplung los, obwohl der Gang noch eingelegt war. Der BMW sprang nach vorn. Leon stürzte und wurde fast komplett unter das Auto gezogen. Der 18-Jährige starb auf der Stelle – an den Folgen eines Genickbruchs, wie die Obduktion später ergab. Kein Arzt hätte ihm mehr helfen können.

In Gedanken sind in diesen Tagen viele Menschen bei Leon und seiner Familie. Und auch bei seinem Freund (18), der in so jungen Jahren schon mit einem solchen Schicksalsschlag fertig werden muss. Weiße Rosen stecken im Zaun und ein Grablicht brennt an der Stelle, an der Leon sein Leben verlor. Doch Leon ist auch so noch präsent. Der begeisterte Fotograf hat seinen Lieben eine Menge Fotos und selbst gedrehte Filme da gelassen.

Leon lebte mit und im Internet, war in nahezu allen Foren vernetzt und hielt selbst kleine Ereignisse in seinem Leben oft mit der Kamera fest. „Er war ein hilfsbereiter Mensch, der immer zur Stelle war, wenn es gebrannt hat. Er war auch bei vielen Partys und er hat fast alles fotografiert, was ihm vor die Linse kam. Er war ein totaler Apple-Fan und total fit in allen Technikfragen“, erzählte ein Bekannter traurig.

Und so hat Leon sein Leben in Bildern hinterlassen. Seine Freunde, seine Stars, witzige und auch ernsthafte Kommentare zu aktuellen Ereignissen daheim und in der Welt. Wunderschöne Landschaftsfotografien – oft leicht verfremdet in Farbe, Licht und Kontrasten. Dazu das ein oder andere Selfie. Leon im Fitnessstudio, Leon mit seinen Freunden. Leon an der Halfpipe. Seinen Lieblings-Burger mit viel Speck. Eine total verregnete Fahrstunde im letzten Herbst. Sein liebstes Bier, die interessantesten Apps, sein neuestes MacBook – und immer wieder Autos. Schnelle und schöne Flitzer. Am liebsten die neuesten BMW.

Leons Tod ist ein Drama, das die ganze Gemeinde bewegt. Im Sonntagsgottesdienst bat der Pfarrer um Fürbitte. In jungen Jahren war Leon dort Ministrant. Und die Gemeindereferentin hat extra ihren Urlaub abgesagt, um die Trauerfeier vorzubereiten. Ein Beerdigungstermin steht noch nicht fest. Leons Familie hat Ottobrunn für einige Zeit verlassen, will allein sein mit der Trauer um das geliebte Kind.

Diesen Einsatz werden die Retter nie vergessen

Der Feuerwehr-Seelsorger Hermann Saur war am Freitag an den Unfallort geeilt, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Auch dem erschütterten Freund des Verunglückten hilft ein Kriseninterventions-Seelsorger an der Unfallstelle: „Man kann kaum sagen, welche Familie es schlimmer getroffen hat“, sagt Saur, der auch Notfallseelsorger und Mitglied des Kriseninterventionsteams ist. „Die Kameraden haben vor Ort sehr professionell gearbeitet“, berichtete der 58-Jährige dem Münchner Merkur. Aber: „Die schrecklichen Bilder können in den nächsten Wochen wiederkommen.“

Erinnerungen, Gefühle und Körperreaktionen wie zittrige Knie, schweißnasse Hände oder ein Reinschießen im Magen, die die Helfer in der Stresssituation erlebt haben, können erneut aufsteigen. Sogenannte Flash-Blacks: „Sie werden in die Situation zurückgeschossen. Das ist die normale Reaktion auf einen nicht normalen Einsatz“, erklärt Saur.

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