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Fünf von neun Erzieherinnen krank gemeldet: Kita bei München stellt Betrieb ein - Hintergrund ist verzwickt

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Von: Marc Schreib

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Die Villa Kunterbunt ist außer Betrieb.
Die Villa Kunterbunt ist außer Betrieb. © Marc Schreib

Wenn der Kindergarten von einem auf den anderen Tag vollständig ausfällt, ist das für viele Eltern ein wahrer Albtraum. Genau dieses Szenario spielte sich jetzt in der Ottobrunner „Villa Kunterbunt“ ab.

Ottobrunn - Am Freitag, 6. Mai, bekamen die Eltern die Mitteilung, dass vorerst keine Kinder mehr betreut werden können. Drei Tage lang mussten sie sich um ihre Kinder selbst zuhause kümmern. In der „Villa Kunterbunt“ sind eine Kindergarten- und zwei Hortgruppen untergebracht, insgesamt 75 Kinder. Der Betrieb kann dort bis auf Weiteres nicht aufrechterhalten werden.

Wie Bürgermeister Thomas Loderer auf Nachfrage des Münchner Merkur mitteilt, „sind momentan fünf von neun Erzieherinnen im Krankenstand. Dabei handelt es sich um Fachkräfte, die laut Schlüssel notwendig sind, damit der Betrieb laufen kann“. Darunter auch die beiden Kita-Leiterinnen. Es ist laut Bürgermeister kein Geheimnis, dass die beiden sich mit der Geschäftsführerin der Kita Ottobrunn GmbH nicht gut verstehen. „Fakt ist, dass es schon ungewöhnlich ist, wenn fünf Kräfte gleichzeitig fehlen, und es auch eine Auseinandersetzung gibt, die in ein gerichtliches Verfahren gemündet ist.“

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Kita bei München muss schließen: Notlösung gefunden

Daher war die Gemeinde Ottobrunn gezwungen, schnell zu handeln. Die Geschäftsführerin der Kita Ottobrunn, Kerstin Patel, Bürgermeister Loderer und Hauptamtsleiter Wolfgang Walter suchten fieberhaft nach einer Notlösung. Das Ergebnis mildert das Problem für die Eltern etwas ab. Die 25 Kindergartenkinder werden im Bereich der Schule III an der Albert-Schweitzer-Straße betreut: im Haus für Kinder „Die Strolche“. Dort war eine Gruppe aus Personalmangel nicht geöffnet, aber mit einer geschickten Umverteilung ist jetzt ein Betrieb wieder möglich. Die Ergänzungskräfte der Villa Kunterbunt werden bei den „Strolchen“ eingesetzt und erfüllen in Kombination mit den dortigen Fachkräften die Voraussetzungen für einen Betrieb. Ideal sei diese Lösung zwar nicht aufgrund der längeren Fahrtwege und kürzeren Öffnungszeiten, aber zumindest gebe es eine Betreuung bis 14 Uhr. Die restlichen Stunden des Arbeitstages müssen die Eltern überbrücken.

Kita geschlossen: 34 Kinder ohne Platz - „wären schon zufrieden, wenn sich Quereinsteiger melden“

Aber da sind noch die 50 Hortkinder. 15 von ihnen, die meisten aus den ersten und zweiten Klassen, kommen ebenfalls bei den „Strolchen“ unter. Für sie ist ein Fahrdienst organisiert worden, damit sie vom Unterricht in der Schule II in den Hort der Schule III gelangen. Die restlichen Kinder haben keinen Platz, und ihre Eltern müssen sich anderweitig umsehen. Aktuell hat Bürgermeister Loderer erfahren, dass ein Kind im Hort von St. Magdalena untergekommen ist.

Eine Ausnahme. In Absprache mit den übrigen Trägern sucht die Gemeinde für die übrigen Kinder eine Notfall-Betreuung. Auf der Seite www.kita-ottobrunn.de wird um Hilfskräfte geworben. Bürgermeister Loderer: „Wir wären schon zufrieden, wenn sich Quereinsteiger melden würden. Sie müssen keine abgeschlossene pädagogische Ausbildung haben.“

Kita ist zu: Eltern verzweifelt - Bürgermeister sieht Angelegenheit als Chefsache

Dass eine solche Situation für die Eltern eine Katastrophe ist, kann der Bürgermeister nachvollziehen. Man plane sein Berufsleben, und im Familienalltag müsse man sich auf die Buchungszeiten verlassen können. Er versteht alle, die die Lage als existenzgefährdend erachten. Daher sieht er die Angelegenheit auch als Chefsache an und hat vergangene Woche das Gespräch mit den Eltern bei einem Informationsabend gesucht.

Wie es in der Villa Kunterbunt weitergeht, ist unklar. Der Ausgang des arbeitsrechtlichen Prozesses bleibt abzuwarten. Loderer: „Ziel ist es aber, die Einrichtung so schnell wie möglich wieder zum Laufen zu bringen.“

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