Brand an der Wiesn breitet sich aus - Spezialisten vor Ort

Brand an der Wiesn breitet sich aus - Spezialisten vor Ort

Ottobrunner bleibt auf Kosten sitzen

Unfall im Ehrenamt – und keiner zahlt

+
1200 Euro Schaden: Der Roller von Manfred Bock wurde bei seinem ehrenamtlichen Einsatz in einem Heim beschädigt. 

Während seiner Arbeit als ehrenamtlicher Betreuer ist der Elektroroller von Manfred Bock beschädigt worden. Nach zig Telefonaten, Mails und wochenlangem Papierkrieg wird der Ottobrunner auf den Kosten von rund 1200 Euro wohl sitzen bleiben.

Ottobrunn– An einem Vormittag im August macht sich Manfred Bock von seiner Wohnung in Ottobrunn zum Pflegeheim in Neubiberg auf – wie so oft. Denn der 70-Jährige arbeitet als ehrenamtlicher Betreuer: Bestellt vom Amtsgericht steht er drei Heimbewohnern als gesetzlicher Vertreter zur Seite, hilft ihnen im Umgang mit Behörden und unterstützt sie.

Nach Neubiberg fährt Bock mit seinem Elektroroller, den er vor dem Heim abstellt, wo er einen seiner Betreuten besucht. Als er danach wieder vor die Türe tritt, steht der Roller aber nicht mehr an seinem Platz, sondern liegt am Boden. Mit viel Mühe hievt Bock das knapp 150 Kilo schwere Gefährt wieder auf den Ständer – als plötzlich ein Heimbewohner im elektrischen Rollstuhl auf ihn zugerollt sei, erzählt er.

Der Mann sei sichtlich aufgeregt gewesen. Er habe erst auf den Roller und dann auf sich gezeigt. Ob er das Gefährt mit seinem Rollstuhl umgestoßen habe, fragt Bock. Hierauf habe der Mann heftig genickt, weiter aber nichts gesagt – „das konnte er wegen seiner Krankheit nicht“. Für den Ottobrunner ist der Fall jedenfalls klar – zumal der Mann später im Beisein eines Heimmitarbeiters erneut bestätigt habe, dass er den Roller umgeworfen habe. Was Manfred Bock zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Dieser vermeintlich kleine Vorfall wird ihn viel Zeit, noch mehr Nerven und am Ende eine Stange Geld kosten. Doch der Reihe nach.

Manfred Bock, darauf legt er Wert, engagiert sich seit Jahrzehnten im Ehrenamt. Er war Abteilungs- und Übungsleiter im Sportverein, bei der Feuerwehr aktiv, Vorsitzender des VdK-Ortsverbands, sitzt im Behindertenbeirat des Landkreises und und und. Kurzum: „Das Ehrenamt ist mir sehr wichtig. Mir ist es ein Anliegen, anderen Menschen zu helfen.“ Dennoch sei er nicht die Heilsarmee, fügt Bock an. Er habe natürlich versucht, den Schaden an seinem Elektroroller – laut eines Gutachtens fast 1200 Euro – erstattet zu bekommen.

Zunächst wendet er sich ans Heim. Das teilt ihm mit, dass „der Schaden durch unseren Bewohner verursacht wurde“, was dieser auch bestätigt habe. Aber: Der Mann habe keine Haftpflichtversicherung, und die Betriebshaftpflichtversicherung des Heims könne den Schaden nicht übernehmen. In einem nächsten Schritt schreibt Bock verschiedene Behörden an. Doch ob Bezirk Oberbayern, Sozial- oder Justizministerium: Alle danken ihm zwar für seinen ehrenamtlichen Einsatz, im Fall des Rollers könne man aber nicht helfen. Das Justizministerium verweist noch auf die Ehrenamtsversicherung. Diese greife aber nur, wenn der Ehrenamtliche einen Schaden verursache.

Auch seine eigene Haftpflichtversicherung winkt ab: „Für solche Fälle hätte ich einen Zusatzbeitrag zahlen müssen, aber das wusste ich vorher nicht“, sagt Bock. Und so wendet er sich schließlich direkt an den Heimbewohner und schaltet, nachdem dieser nicht antwortet, einen Anwalt ein. Der korrespondiert mit der Betreuerin des Manns, die nun angibt, dass dieser den Roller gar nicht umgestoßen habe. Nach einigem Hin und Her rät Bocks Anwalt letztlich von einer Klage ab. Denn: „Wir müssten beweisen, dass er den Roller umgestoßen hat. Und selbst wenn wir Recht bekämen, wären die Chancen, dass ich Schadensersatz sehe, sehr gering.“

Nun ist der Roller also weiter kaputt. Manfred Bock hat den Rabattschutz seiner Rechtsschutzversicherung verloren, und wie viel Zeit er in die zig Schreiben, Mails und Telefonate gesteckt hat, möchte er lieber nicht ausrechnen. „Und all das, weil ich mich ehrenamtlich engagiert habe“, zürnt der 70-Jährige, seine Augen blitzen. „Da kriege ich so einen Hals!“

Ob er sein Engagement infolge all des Ärgers aufgegeben habe? Doch da schüttelt Bock energisch den Kopf. Nur eines habe sich geändert, sagt er – und kann schon wieder lachen: „Wenn ich heute zum Heim fahre, dann stelle ich den Roller ganz am Rand an die Mauer des Nebenhauses. Damit so was nie wieder passieren kann.“

Auch interessant

Meistgelesen

Südkoreaner rast mit geliehenem Sportwagen über A95 und kracht neun Mal in Mittelleitplanke
Südkoreaner rast mit geliehenem Sportwagen über A95 und kracht neun Mal in Mittelleitplanke
Flaschensammlerin findet Berührendes in ihrem Briefkasten - dann schlägt das Schicksal erneut grausam zu
Flaschensammlerin findet Berührendes in ihrem Briefkasten - dann schlägt das Schicksal erneut grausam zu
VW-Fahrer übersieht Biker: Ungebremste Kollision endet tödlich
VW-Fahrer übersieht Biker: Ungebremste Kollision endet tödlich
17 Jahre Zank nehmen schmerzhaftes Ende: Mann geht auf Nachbarin los - „Kopf wie Fußball behandelt“
17 Jahre Zank nehmen schmerzhaftes Ende: Mann geht auf Nachbarin los - „Kopf wie Fußball behandelt“

Kommentare