Ottobrunnerin trauert um ihren Ehemann

Charly stirbt sieben Wochen nach der Hochzeit

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Ein glückliches Paar: Ulrike und Charly Kramer. 

Der Krebs hat Charly Kramer aus dem Leben gerissen, sieben Wochen nach der Hochzeit Ulrike. Seine Ehefrau trauert - und weiß heute: Sie wird nie mehr sein wie sie mal war. Denn Trauer verändert.

Ottobrunn – Noch immer sieht sie ihn am Küchenfenster winken, wenn sie von der Arbeit kommt. Und wenn sie nicht weiter weiß, hört sie seine Stimme: „Du machst das schon.“ Im September 2014 stirbt Ulrike Kramers Ehemann Charly an Krebs. Acht Jahre waren sie zusammen, gerade sieben Wochen verheiratet. „Ich bin so dankbar, dass ich die Zeit mit ihm erleben durfte“, sagt die 61-Jährige aus Ottobrunn. „Es war ein Geschenk, auch wenn es mir wieder genommen wurde.“

Mit 23 Jahren lernt sie Charly kennen, ihren damaligen Chef. „Ich habe schon damals gespürt, dass es die große Liebe ist. Aber die Zeit war nicht reif“, sagt sie. Beide sind anderweitig liiert, verlieren sich aus den Augen. An ihrem 50. Geburtstag beschließt Ulrike Kramer, damals bereits geschieden, alle einzuladen, die ihr in ihrem Leben etwas bedeutet haben, auch Charly. Er kommt – und geht nie wieder. Ein halbes Jahr später zieht er zu ihr. „Wir waren so eng miteinander, haben kaum etwas anderes als uns gebraucht“, sagt Ulrike Kramer.

Schockdiagnose Hirntumor

Im Februar 2014 dann die Schockdiagnose: Charly leidet an einem Glioblastom, einem bösartigen Hirntumor. Im März 2014 wird er im Klinikum Großhadern operiert, dann folgt die Chemo. „Die Chancen standen gut und wir haben gedacht: Jetzt heiraten wir erst recht.“ Am 24. Juli 2014 feiern sie eine riesige Hochzeitsparty.

Doch das Glück währt kurz. Nur ein paar Wochen später geht es Charly plötzlich schlechter. Im Krankenhaus wird ein zweiter Tumor an der Hüfte festgestellt, er ist inoperabel, hat schon gestreut. Charly wird in die Palliativstation Barmherzige Brüder in Nymphenburg verlegt. Auch hier weicht Ulrike ihrem Mann nicht von der Seite. „Wir haben einfach zwei Betten zusammengeschoben. Ich wollte jede Sekunde mit ihm verbringen.“ Zehn Tage sind sie gemeinsam dort. Am Morgen des 21. September 2014 stirbt Charly mit 65 Jahren in ihren Armen. „Dieser letzte Moment, der nur uns gehört hat, bedeutet mir sehr viel. Wir konnten nochmals eine unsagbare Nähe genießen.“

Unerträgliche Stille

Das Paar hatte sich so darauf gefreut, gemeinsam alt zu werden. Ein Wunsch, der nicht erfüllt werden konnte. Das Alleinsein schmerzt. „Ich habe sehr gelitten und tu’ es immer noch“, sagt die 61-Jährige. Vor allem die Stille ist für sie unerträglich. Zwei Jahre lang kann sie nichts kochen. Charly, ein brillanter Koch, hatte jeden Tag für sie Essen zubereitet. Auch die körperliche Nähe vermisst sie sehr. Vieles macht Ulrike Kramer in dieser schweren Zeit mit sich selbst aus. 

Trost findet sie auch in ihrem Job und bei ihren Kollegen und Freunden. Kurz nach Charlys Tod tritt sie einer Trauergruppe bei. „Es tat gut, mit anderen Trauernden zu sprechen. Hier hielt mich keiner für verrückt, weil ich jeden Abend eingewickelt in Charlys Schal schlief.“ Was ihr sehr hilft: „Ich habe schnell beschlossen, nur das zu tun, was mir gut tut und nicht, was andere Menschen für richtig halten.“ Erst kürzlich habe sie eine Bekannte gefragt, wann sie wieder so sei wie früher. „Da habe ich gesagt: Nie wieder. Die Trauer sitzt zwar tiefer als früher. Aber es stimmt nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt. Sie vernarben höchstens etwas.“

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