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„Geburtstag im Himmel“: Freisinger Weggefährten würdigen verstorbenen Papst Benedikt

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Von: Manuel Eser

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Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist tot. Er starb am Samstag um 9.34 Uhr im Kloster Mater Ecclesiae. Freisinger Weggefährten würdigen den Verstorbenen.

Freising – In den letzten Lebensstunden des emeritierten Papstes Benedikt XVI. war Dekan Stephan Rauscher mit seinen Gedanken die ganze Zeit bei ihm. „Ich habe natürlich viel für Benedikt gebetet“, berichtet er dem FT. Dessen Tod sei ein trauriger Moment, aber auch ein feierlicher. „Denn für uns Christen ist der Todestag ja zugleich der Geburtstag im Himmel.“

Benedikt XVI. ist tot: Emeritierter Papst stirbt im Alter von 95 Jahren

Rauscher würdigt Benedikt, der im Alter von 95 Jahren gestorben ist, als „sehr bescheidenen, sehr wachen und sehr entgegenkommenden Menschen“. An einen Moment Ende 2016 mit dem damals schon emeritierten Papst erinnert sich der Freisinger Dekan besonders gern. „Ich und einige Hopfenbauern aus der Hallertau haben uns mit ihm in Rom getroffen“, berichtet er. Benedikt habe die Landwirte gefragt, wie die Ernte gelaufen sei, und die hätten ihm versichert, dass sie zufrieden seien. „Ich habe dann gescherzt, dass die Hopfenbauern mir gegenüber immer gern jammern, sich das aber beim Heiligen Vater dann doch nicht trauen.“

Dekan Stephan Rauscher erlebte mit dem emeritierten Papst einen besonderen Moment in Rom.
Dekan Stephan Rauscher erlebte mit dem emeritierten Papst einen besonderen Moment in Rom. © FT-Archiv

Papst Benedikt XVI.: Humorvoller Moment mit Hopfenbauern

Benedikts Antwort sei sehr humorvoll gewesen. „Er hat gesagt: Ich weiß, dass es den Hopfenbauern schon immer gut gegangen ist. Als ich noch mit einem Käfer herumgekurvt bin, haben die bereits Mercedes gefahren.“ Benedikt habe dann gelacht, so Rauscher. „Das habe ich lieb gefunden.“

Als zugänglichen Menschen hat auch Freisings Alt-Oberbürgermeister Dieter Thalhammer den Papst wahrgenommen. „Er war nie abgehoben, hat die Leute ernst genommen und ebenbürtig mit allen gesprochen.“ Er selbst habe einige „sehr berührende Momente“ mit Benedikt erlebt. In seiner Zeit als OB besuchte Benedikt 2006 als frisch gekürter Papst seine alte Wirkungsstätte Freising. „Das war einer der prägendsten Momente für mich“, berichtet Thalhammer.

Alt-OB Dieter Thalhammer übertrug Papst Benedikt
 die Ehrenbürgerschaft
 der Stadt Freising.
Alt-OB Dieter Thalhammer übertrug Papst Benedikt die Ehrenbürgerschaft der Stadt Freising. © FT-Archiv

Papst erhielt Ehrenbürgerwürde der Stadt Freising: „Dieses Erlebnis war nicht zu toppen“

Noch höher aber stellt der Alt-OB den Termin in Rom, als er Benedikt die Ehrenbürgerwürde der Stadt Freising verliehen habe. „Dieses Erlebnis war nicht zu toppen.“ Was Thalhammer besonders beeindruckte: „Dass sich der Heilige Vater für uns wirklich viel Zeit genommen hat.“

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Weihbischof Bernhard Haßlberger berichtet von Papst-Begegnungen

Für Weihbischof Bernhard Haßlberger war Joseph Ratzinger ebenfalls ein alter Weggefährte. „Ich war 1977 der Erste, den er damals als neuer Erzbischof zum Priester geweiht hat“, erinnert er sich. Er und der Heilige Vater hätten auch die gleichen Wurzeln. „Wir sind beide Chiemgauer, das verbindet schon“, sagt Haßlberger und lacht. „Immer, wenn ich ihn irgendwo getroffen habe, hat er gesagt: Aha, der Chiemgauer ist auch wieder da.“

Bernhard Haßlberger: Der Weihbischof wurde von Joseph Ratzinger zum Priester geweiht.
Weihbischof Bernhard Haßlberger wurde von Joseph Ratzinger zum Priester geweiht. © FT-Archiv

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Papst Benedikt XVI. - „Ich glaube, dass er immer etwas Heimweh gehabt hat“

Auch in trauter Runde sei die gemeinsame Heimat immer wieder Thema gewesen. „Ich glaube, dass er immer etwas Heimweh gehabt hat.“

Für Haßlberger war Benedikt nicht nur ein „sehr bescheidener Mensch“, sondern auch „blitzgescheit“. Zeitlebens sei er der Professor gewesen, der hervorragende Bücher geschrieben und mit berühmten Philosophen wie Jürgen Habermas auf Augenhöhe Dispute geführt habe. „Eigentlich ist er am Liebsten im Hintergrund gewesen, aber das Schicksal hat ihn als Papst in den Vordergrund gerückt.“

Benedikts Tod sei traurig, aber Haßlberger betont auch: „Im Alter von 95 Jahren darf man jemanden auch gehen lassen.“

In ganz Bayern herrscht nach dem Tod des Papstes Trauer. Auch Markus Söder hat sich geäußert: „Er gab vielen Menschen Kraft und Orientierung“, schrieb der CSU-Chef in einem Statement.

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