1. tz
  2. München
  3. Region

Böse Überraschung für Anwohner: Freistaat verkauft Parkplätze - plötzlich kosten sie 40 Euro im Monat

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Kathrin Böhmer

Kommentare

Diese Parkplätze gegenüber der Bernhard-Rößner-Schule standen lange für alle frei zur Verfügung.
Diese Parkplätze gegenüber der Bernhard-Rößner-Schule standen lange für alle frei zur Verfügung. © GAR

Böse Überraschung für Anwohner einer Hochhaussiedlung in Gröbenzell: Plötzlich hatten sie einen Zettel an ihrem Auto, der sie informierte, dass der bislang freie Parkplatz jetzt 40 Euro im Monat kostet.

Gröbenzell – Richard Böhm hat gerade einige Fragen zu beantworten. Vor wenigen Wochen hatte seine Münchner Firma ein Gröbenzeller Grundstück ersteigert. Darauf befinden sich etwa 46 Parkplätze, die bislang jeder nutzen konnte. So etwa die Mitarbeiter und Besucher der gegenüberliegenden Grundschule oder Teilnehmer von Sportkursen in der Turnhalle, aber auch die Anwohner der sogenannten Wagner-Hochhäuser.

Bislang brauchte es nicht einmal eine Parkscheibe, jeder durfte auf die Fläche, mit Mopeds, Anhängern, Autos und so weiter. Ab sofort kostet der Stellplatz 40 Euro im Monat. „Das Angebot richtet sich vorrangig an die Bewohner der Hochhäuser“, erklärt Böhm.

Parkplätze kosten Anwohner plötzlich 40 Euro im Monat - Komplexer Inhalt

Wie es genau zu dieser für viele überraschenden Veränderung kommen konnte, ist von offizieller Seite bislang schwer in Erfahrung zu bringen. Die Gemeinde Gröbenzell spricht von einem komplexen Inhalt und prüft noch, bevor sie eine Stellungnahme abgeben will. Als sehr wahrscheinlich gilt, dass das Grundstück nach einer Insolvenz in den Besitz des Freistaats gelangte. Dieser hat es nun bei einer Zwangsversteigerung weiter verkauft.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen FFB-Newsletter.)

So schildert es jedenfalls der aktuelle Besitzer, Richard Böhm, wenn ihn Anwohner fragen. Um das Investment wieder hereinzubekommen, muss die Firma Gebühren von den Autofahrern verlangen. Zur Information hat die „Böhm & Böhm Immobilien GmbH“ einen Zettel an die Windschutzscheiben der Autos gehängt. Hierauf ist zu lesen, dass die Stellplätze nun in privater Hand seien. Und dass man einen Parkplatz mieten muss, wenn man ihn weiter belegen will.

Parkplätze kosten nun 40 Euro im Monat - Kontrollen wohl notwendig

Dann gibt es ein offizielles Schild, auf dem das Kennzeichen zum jeweiligen Auto gedruckt ist. „Wir haben noch andere Objekte, da funktioniert das sehr gut. Da stellt sich dann kaum jemand anderes hin“, berichtet Böhm. Aber Kontrollen werden wohl dennoch nötig werden.

Der große Aufschrei bei den Anwohnern sei allerdings ausgeblieben, sagt zumindest der Münchner Geschäftsmann. Ein Bewohner habe sich „bisserl aufgeregt“. Aber die Hälfte der Parkplätze sei bereits vermietet.

Neue Parkplatzkosten für Anwohner - Unmut gegenüber Gemeinde oder Freistaat

Allerdings: „Der Unmut richtet sich weniger gegen uns, als zum Beispiel gegen den Freistaat oder die Gemeinde.“ Viele fragen sich, wie es sein kann, dass der öffentlich nutzbare Grund, an den sich schon alle gewöhnt hatten, nun in Privathänden landet, und dies diesmal auch durch die Miet-Gebühren spürbar sei. Oder zum Beispiel, warum nicht die Gemeinde die Parkplätze erworben hat.

Der Gröbenzeller Wohnungsbau- und Sozialreferent Peter Falk (SPD) spricht in einem offenen Brief sogar von einem „quasi-öffentlichen Verkehrsgrund“. Er will nun einige Antworten vom Rathaus. So zum Beispiel auf die Frage: „Warum wurde die Angelegenheit vor dem Gemeinderat abgeschirmt?“

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck finden Sie auf Merkur.de/Fürstenfeldbruck.

Auch interessant

Kommentare