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Partnachklamm: Eiserne Brücke nach Sturmschäden nicht mehr zu retten - sie hat zwei Weltkriege überlebt

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Von: Josef Hornsteiner

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Einsturzgefährdet ist die Eiserne Brücke über der Klamm, seit ein Baum auf das Gerüst fiel. 
Einsturzgefährdet ist die Eiserne Brücke über der Klamm, seit ein Baum auf das Gerüst fiel.  © Privat

Die Stahlkonstrukt über der Partnachklamm aus dem Jahr 1914 muss einem Neubau weichen. Sie wurde bei einem Unwetter unwiederbringlich zerstört.

Garmisch-Partenkirchen – Wer sie gebaut hat, weiß niemand mehr so genau. Das Gemeindearchiv hat Rudolf Achtner schon akribisch durchstöbert – und nichts gefunden. Sicher ist nur, dass die Eiserne Brücke über der Partnachklamm bereits als hölzerne Variante im Jahr 1864 stand: Damit Holzfäller in das Gebiet vorrücken und ihrer Arbeit nachgehen konnten, lange bevor die darunter liegende Partnachklamm touristisch erschlossen wurde. Das passierte erst ab 1910. Und kurz darauf, 1914, ist die Eiserne Brücke von Unbekannten in ihrer heutigen Form errichtet worden – bis ein Sturm im Februar das Bauwerk zerstörte. Ein Baum krachte darauf.

Partnachklamm: Brücke zerstört - „Zu retten ist da nichts mehr“

Nun muss es abgerissen werden, weil die 108 Jahre alte Brücke einzustürzen droht. Seit dem 7. Februar ist sie bereits gesperrt. Nun soll sie im besten Fall vor dem G7-Gipfeltreffen im Schloss Elmau Ende Juni wieder ertüchtigt werden – oder zumindest ein provisorisches Gerüst über die Klamm führen. Achtner präsentierte im Garmisch-Partenkirchner Haupt- und Finanzausschuss die Zeit- und Finanzierungspläne.

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Mit Abbruch, Ersatzbau und Fertigstellung der neuen Brücke wird das Gesamtpaket etwa 300 000 Euro kosten, die so nicht im Haushalt vorgesehen sind. Doch an Sanierung ist nicht mehr zu denken: „Zu retten ist da nichts mehr“, versichert Achtner. Die Brücke muss weg, nur das Fundament aus dem Jahr 2014/2015 kann stehen bleiben.

Partnachklamm: 80 Prozent Förderung für neue Brücke dank gutem Verhandlungsgeschick

Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) hat sich bei der Beschaffung von Fördergeldern mächtig ins Zeug gelegt. Im Zuge zahlreicher Gespräche rund um den G7-Gipfel in Elmau hat sie die große Politik davon überzeugen können, den Neubau der Brücke tatkräftig zu unterstützen. Unterm Strich werden jetzt satte 80 Prozent der Kosten vom Freistaat Bayern übernommen. Doch müssen auch die restlichen 20 Prozent finanziert werden.

Deshalb gibt es gewisse Einsparungen, wie Achtner erklärt – indem man anvisierte, aber nicht dringend benötigte Projekte auf nächstes Jahr verschiebt. Beispielsweise die Anschaffung eines Solar-Press-Mülleimers, das Pflastern vor dem Kassenhaus, die Wegänderung an der Madonna sowie der Eisfallschutz am Nordeingang der Partnachklamm. Auch für das geplante Mehrgenerationenspielgerät lässt sich Achtner 2023 ein neues Angebot machen. „Es wurde heuer wegen des Ukraine-Kriegs fast um 30 Prozent teurer“, bedauert er.

Des Weiteren fallen Kosten weg für den Neubau eines Schuppens für den Radlader im Bauhof, da das Wasserwirtschaftsamt im Januar ein Bebauungsverbot ausgesprochen hat, sowie für einige Wegebaumaßnahmen, die aufgrund der Zusatzbelastung durch den G7-Gipfel heuer nicht umsetzbar sind.

Eiserne Brücke in Partnachklamm hat sehr wichtige Aufgabe im Fußwegenetz

Achtner unterstrich dabei einmal mehr die wichtige Aufgabe der Brücke. Sie ist als zentrale Verbindung im Fußwegenetz ein bedeutender Baustein im Gesamtspektakel Klamm. Deshalb soll die Erneuerung schnellstmöglich über die Bühne gehen. Ein Hubschrauber, der sogenannte „Super-Puma“, wird das 3,6 Tonnen schwere Stahlkonstrukt in vermutlich zwei Flügen aus der Schlucht bergen. Koch hätte die Brücke danach gerne als bauhistorisches Denkmal irgendwo in der Marktgemeinde positioniert – ähnlich wie die blaue Lok der Bayerischen Zugspitzbahn am Rathaus-Platz. „Schließlich hat die Brücke zwei Weltkriege überlebt.“

Doch scheint dieser Traum zu platzen: Laut Bürgermeisterin ist das Konstrukt nicht im Ganzen transportierbar, sondern muss vermutlich zerschnitten werden. Das habe sie bereits geprüft, sagt sie. „Nicht, dass wieder ein Auswärtiger auf die Idee kommt, sie sofort unter Denkmalschutz stellen zu wollen.“ Damit spielt die Rathauschefin auf die aktuelle Debatte rund um das Haus Hohenleitner in Garmisch-Partenkirchen an, wo bekanntlich die Denkmalschützer unerwartet auf den Plan gerufen wurden und sich der Abriss des Gebäudes enorm in die Länge zieht.

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