1. tz
  2. München
  3. Region

Böse Überraschung bei Bergung von Eiserner Brücke in Partnachklamm - Helikopter reicht nicht aus

Erstellt:

Von: Katharina Brumbauer

Kommentare

Der „Super Puma“ der Firma Heli Tirol
Zu schwach: Der Helikopter „Super Puma“, der nur vier Tonnen trägt. © Peter Krinninger

Die Bergung selbst wäre schon spektakulär gewesen. Doch als ein Schwerlast-Helikopter die nach einem Sturm beschädigte Brücke aus der Partnachklamm fliegen wollte, kam ein ganz neues Problem auf.

Garmisch-Partenkirchen – Die Piloten haben gezogen und gezogen. Doch nicht einen Millimeter hat die Eiserne Brücke bei Garmisch-Partenkirchen nachgegeben. Der Schwerlast-Helikopter, der den nach einem Sturm unrettbar beschädigten Übergang aus der Partnachklamm wegfliegen sollte, war für den Koloss zu schwach. Der „Super Puma“ der engagierten Spezialfirma Heli Tirol ist darauf ausgelegt, eine Last von knapp vier Tonnen zu tragen. „Wir sind im Vorfeld von einem Gewicht ausgegangen, das darunter liegt“, erklärt Klammwart Rudolf Achtner. „Offensichtlich war die Brücke aber schwerer.“

Der Versuch, die Eiserne Brücke anzuheben, scheitert
Kompliziertes Manöver: Die Eiserne Brücke soll per Hubschrauber abtransportiert werden. © Peter Krinninger

Bei in die Jahre gekommenen Konstruktionen passiere es leider häufiger, dass das Gewicht falsch ermittelt wird. „Die Brücke ist über 100 Jahre alt, keiner weiß, welcher Stahl verwendet wurde, es gibt auch keinerlei technische Unterlagen.“ Nur so kann sich Achtner die statische Fehlrechnung erklären. Die sommerlich warmen Temperaturen bereits zum Einsatzbeginn am Mittwoch um 8 Uhr morgens und die Höhe taten ihr Übriges. „Das bringt natürlich auch einen ,Super Puma‘ an seine Belastungsgrenze.“ Zumal man sich auch das erste Mal daran gewagt hat, eine Brücke im hochalpinen Gelände auf 900 Metern Höhe auf diese Weise abzutransportieren.

„Wir haben uns im Vorfeld natürlich verschiedene Möglichkeiten überlegt, wie wir die Brücke wegbekommen“, sagt Achtner. Auch sie zu zerschneiden und in zwei Etappen wegzufliegen, stand zur Debatte. Weil aber dann die Einzelteile wiederum irgendwo hätten angehängt werden müssen, wurde diese Option nicht weiter verfolgt. „Wir müssen die Brücke in einem Stück bergen“, betont Achtner.

(Unser GAP-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Video: Unwetter in Bayern lösen Erdrutsche und Überflutungen im Alpenraum aus

Gesucht: eine schwerere Maschine

Damit dies noch in den nächsten Tagen über die Bühne gehen kann, laufen die Telefon-Drähte heiß. „Wir suchen nach einem Helikopter, der noch eine Nummer größer ist.“ Damit meint der Klammwart das Modell „Kamov“. „Aber die wachsen natürlich auch nicht auf Bäumen.“ Soll heißen: Wie es weitergeht, ob und wann die Marktgemeinde eine solche Maschine bekommt, war am späten Mittwochnachmittag noch unklar.

Zu diesem Zeitpunkt verhandelte die Rathausverwaltung noch mit verschiedenen Firmen über die Anmietung des schweren Geräts. „Wir hängen jetzt natürlich alle ein bisschen in der Luft“, sagt Achtner. Für den kommenden Samstag hat er ursprünglich geplant, die Klamm für Besucher wieder zu öffnen. „Das wollen wir eigentlich auf jeden Fall machen“, sagt der Wart. Nicht nur den Touristen, auch seinen Mitarbeitern zuliebe, die freilich ihrer Arbeit wieder nachgehen möchten. „Die Klamm wäre ja grundsätzlich begehbar.“

Das war sie auch nach dem Sturm vom 6. Februar. An diesem Tag fiel bekanntlich ein Baum auf das Stahlgeländer der Eisernen Brücke und beschädigte diese stark. Seitdem ist sie einsturzgefährdet (wir berichteten). Der Überweg war nicht mehr zu betreten. An Ort und Stelle steht bereits ein Ersatz-Konstrukt, das bis zur Errichtung einer neuen Eisernen Brücke über die Klamm führen soll. „Dieses Provisorium wartet jetzt genau so auf seinen Einsatz wie wir“, sagt Achtner.

(Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.)

Einsatzkräfte besichtigen die Eiserne Brücke
Schwer beschädigt: Vor der geplanten Abtransport besichtigen Einsatzkräfte die Eiserne Brücke. © Peter Krinninger

Für einen neuen Flug: Klammwart und Einsatzkräfte stets in Bereitschaft

Für das gesamte Projekt Abbruch, Errichtung des Provisoriums und Neubau einer Brücke über der Partnachklamm hatte die Rathausverwaltung im Vorfeld rund 300 000 Euro einkalkuliert. Der Freistaat Bayern hatte zugesichert, das Vorhaben mit Zuschüssen zu unterstützen. „Was der Flugeinsatz, der nicht geklappt hat, noch mal extra gekostet hat, können wir noch nicht sagen“, erläutert Achtner. „Das schreiben wir jetzt alles zusammen und prüfen, ob eine Haftpflichtversicherung dafür aufkommen kann.“

Mehr als die Kosten beschäftigt den Fachmann, der die Partnachklamm betreut, der enorme Arbeitseinsatz, den Mitarbeiter des Bauhofs, der Wasserwacht, zweier Bauunternehmen und der Bayerischen Staatsforsten letztendlich vergeblich geleistet haben. Dass es vorerst gescheitert ist, die Eiserne Brücke zu bergen, sei natürlich unangenehm. „Aber das Wichtigste ist, dass niemandem etwas passiert ist.“ Achtner ist jetzt stets in Bereitschaft, wartet nur auf das Kommando, dass ein nächster Flug starten kann. „Wenn wir die ,Kamov‘ am Donnerstag oder Freitag bekommen, ziehen wir den Abbruch sofort durch.“

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen finden Sie auf Merkur.de/Garmisch-Partenkirchen.

Auch interessant

Kommentare