Die große Hintergrund-Story

Partys, Promis, Presserummel: Wie sich der Tegernsee zum „Hot Spot“ gemausert hat

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So schee, der See: Der Tegernsee ist wieder hip

Immer mehr Millionäre und Promis begehren ihn, immer mehr Medien richten ihre Kameras auf ihn: den Tegernsee. Warum ist das Tegernseer Tal gerade so hip? Unsere große Hintergrund-Story:

Tegernseer Tal – Ob Busseln, Dabeisein und Gesehenwerden bei der Eröffnung des Wiesseer Hotels Bussi Baby, bei der Einführung des Sternekochs Thomas Kellermann in den Egerner Höfen, ob bei den Wald- und Seefesten oder der Verleihung des Bergsteigerdorf-Siegels an Kreuth: Die Gästelisten der Events werden länger, die Promidichte am Tegernsee steigt. 

„Sehnsuchtsort der Superreichen und Mächtigen“

Der Tegernsee ist angesagt. So schick, dass die Zeitschrift BUNTE in einem sechsseitigen Beitrag kürzlich den „Hotspot Tegernsee“ unter die Lupe nahm und ihn als „Sehnsuchtsort der Superreichen und Mächtigen“ bezeichnete, an dem sich „mehr Wohlstand ballt als irgendwo sonst im Land“.

Medien springen auf den Zug auf: Ob Blitzumfrage im Tegernseer Bräustüberl für das heute-journal, ein ProSieben-Beitrag über die Naturkäserei, Reportagen in Falstaff, Geo-Saison oder im französischen France 5. „Es tut sich was, wir sind international bekannt“, freut sich Claudia Mach, Pressesprecherin der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Sie sammelt fleißig Medienberichte und investiert viel Zeit und Mühe, das Interesse am Köcheln zu halten. Sei es mit Pressereisen mehrmals jährlich oder mit Werbung auf der ITB, der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin.

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Woran liegt es, dass der Tegernsee derzeit so angesagt ist? „Medien arbeiten sich gerne an Promis ab“, glaubt Mach. Und Urlaub zu machen, wo Promis leben, sei immer ein schöner Aufhänger. Mach ist überzeugt: „Die Marke ,Der Tegernsee‘ hat wieder eine ganz neue Wertigkeit erfahren.“ 

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Auf der Gästeliste: Olympiasieger Lars Riedel, der am See lebt, mit Familie beim AlpenHerz-Trachtenbrunch am Leeberg.

Nicht nur das Medieninteresse ist für die TTT messbar. Gäste- und Übernachtungszahlen dienen als Barometer. Heuer kamen im Vergleich zum Vorjahr bisher 3,25 Prozent mehr Urlauber ins Tal (in Zahlen: 161.550), die Übernachtungen stiegen um 2,83 Prozent (654.295).

St. Tropez, Capri, die Costa Smeralda, Kitzbühel oder St. Moritz - und der Tegernsee

BUNTE-Autorin Katrin Sachse kennt den Tegernsee seit Jahren, kommt oft hierher, wie sie sagt. „Wir schauen uns weltweit Hotspots an wie St. Tropez, Capri, die Costa Smeralda, Kitzbühel oder St. Moritz. Den Aufschwung im Tegernseer Tal in den vergangenen zwei bis drei Jahren verfolgen wir mit großem Interesse.“ 

Droht dem Tegernsee das Sylt-Schicksal?

Der Tegernsee, glaubt die Stellvertretende Chefredakteurin, habe immer mal Boomzeiten erlebt. Ihr sei klar, dass das zweischneidig sei, „schon allein wegen der Immobilienpreise, die Münchner Innenstadt-Niveau haben“. Lokalpolitiker müssten da schon gegensteuern „und tun das hoffentlich“, um Zustände wie auf Sylt zu vermeiden, dem Sommer-Domizil für Reiche, wo es inzwischen an Grundversorgung hapert.

Käfer: „Zutiefst demokratische Einstellung der Tal-Bewohner macht es aus“

Haus am Tegernsee: Edelgastronom Michael Kä- fer, der Gut Kaltenbrunn gepachtet hat, und seine Frau Clarissa.

Edelgastronom Michael Käfer, der mit seiner Frau Clarissa einen Wohnsitz am Tegernsee und Gut Kaltenbrunn gepachtet hat, erklärt sich die Sache so: „Die wunderschöne Lage unweit von München ist das eine, die zutiefst demokratische Einstellung der Bewohner, die kein Aufhebens um den Status ihres Gegenübers machen, das andere. Hier saß schon früher der Herzog mit seinem Jäger im gleichen Lokal, das macht den besonderen Charme aus.“ 

Viele der Promis, die nun regelmäßig in den Medien mit dem Tegernsee in Verbindung gebracht werden, lebten aber schon viele Jahre hier. Er habe nicht den Eindruck, dass sich da in letzter Zeit etwas signifikant geändert hätte. „Es kommt mir vielmehr so vor, als wären die großen Berichte über die Region beliebte Sommergeschichten, die mal vom einen Magazin, mal vom anderen aufgegriffen werden.“ Die Berichterstattung, glaubt Käfer, helfe vor allem dem Tourismus.

„Den Andrang verkraftet der See ganz gut.“

Oft zu Gast: Sonja Kiefer weilt mit Lebensgefährten Cedrik Schwarz gern in der Ferienwohnung in Tegernsee-Süd.

Wer (noch) nicht über eine Luxusvilla wie Fußballer Manuel Neuer verfügt, Ex-Fußballer Philipp Lahm, Schauspieler Fritz Wepper, Unternehmer Willy Bogner oder Oligarch Alischer Usmanow, der kommt zum Urlaub machen – wie Sonja Kiefer, Mode-Designerin aus München. Seit sechs Jahren hat sie mit ihren Eltern aus Frankfurt eine Ferienwohnung in Tegernsee-Süd gemietet, wo sie mit ihrem Lebensgefährten und den Söhnen gerne die Zeit verbringt. 

„Alle drei Wochen“, sagt Kiefer. „Und in den Ferien.“ Der „Riesen-Freizeit-Wert“, Wasser, Berge, die Nähe zu München und dem Flughafen seien „ganz wunderbar“. Zum Glück sei es noch nicht so überfüllt hier, findet Kiefer. „Den Andrang verkraftet der See ganz gut.“

Und wie beurteilen Alteingesessene den Boom? Franz Josef Maier (49) betreibt mit seiner Familie in sechster Generation das Gästehaus „Maier zum Kirschner“ in der Rottacher Seestraße. 

Alteingesessen: Franz Maier Kirschner betreibt in sechster Generation ein Gästehaus in der Seestraße.

Sein Anwesen war einst Lehenshof der Benediktiner-Abtei Tegernsee. Tradition ist hier mehr als ein gern strapazierter Begriff. „In jüngster Zeit wurde enorm viel investiert am Tegernsee“, sagt Maier. 

„Wir Einheimischen gehen am Wochenende sowieso nicht mehr auf die Straße.“

Gästehäuser und Hotels hätten ihre Standards weiter angehoben und die Qualität nach oben geschraubt. „Dass bei uns nichts gekünstelt wirkt, alles so gepflegt ist und die Traditionen lebendig gehalten werden, gefällt den Gästen“, glaubt der Rottacher, der in seiner Jugend noch mit der Harley unterwegs war und heute beim Trachtenverein Wallberger die neue Begeisterung der Jugend fürs Brauchtum und die Integrationsbemühungen zugezogener Familien verfolgt. 

„Der unsichere Frieden in einigen Ländern, wo man früher auf die Schnelle hingereist ist, mag auch eine Rolle spielen, warum viele Gäste kommen.“ 

Die Kehrseite der Medaille sei der zunehmende Verkehr: „Wenn man vier Stunden von Köln nach München braucht, und dann allein eine Stunde an den Tegernsee, dann verstehe ich die Klagen der Leute. Wir Einheimischen gehen am Wochenende sowieso nicht mehr auf die Straße.“ Maier ist überzeugt: „Der Verkehr steht kurz vor dem Kollaps.“ Wenn dann die Leute „angefressen“ seien, würden die schönsten Werbemaßnahmen nichts mehr bewirken.

gr

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