Weil Menschen zusammenhalfen

Erst droht der Mähtod, dann wird die Mutter totgefahren: Rehkitz wird zweimal gerettet

Das Rehkitz aus Pasenbach wächst und gedeiht in Paterzell. Es fühlt sich in Haus und Garten seiner Pflegerin wohl.

Ein Rehkitz wird bei Pasenbach von Jägern, Landwirten und Bürgern vor dem Mähtod gerettet. Danach wird seine Mutter überfahren. Und wieder greifen engagierte Menschen ein.

Vierkirchen/Pasenbach – Zweimal kurz hintereinander ist ein kleines Rehkitz bei Pasenbach gerettet worden – weil viele Menschen zusammengeholfen haben: Landwirte, Jäger und Bürger bewahrten das Kitz vor dem Mähtod, und als eine Woche später seine Mutter bei einer Kollision mit einem Auto starb, suchten sie es – und retteten ihm erneut das Leben.

Ludwig und Ingrid Müller aus Pasenbach sind seit vielen Jahren Pächter der Pasenbacher Jagd. Für die passionierten Jäger wie auch ihre engagierten Mitjäger steht seit jeher nicht der Abschuss, sondern die Hege und Pflege des Wildes im Vordergrund. 

Rehkitz gerettet: Jäger und Engagierte suchen Wiese ab - und werden fündig 

Den Müller Luggi, wie ihn viele nennen, freut es, dass die Zusammenarbeit mit den Landwirten immer besser geworden ist. So informierte ihn Landwirt Peter Großmann etwa kürzlich darüber, dass er eine Wiese mähen will, um eine Grassilage zu erzeugen. Müller und seine Mitjäger suchten die Wiese daraufhin zusammen mit Ortsansässigen mit einer Drohne und zu Fuß ab, weil sie von Anwohnern wussten, dass sich darin mindestens ein Rehkitz befand. Und tatsächlich wurde das etwa zweieinhalb Wochen alte Kitz glücklicherweise bald gefunden. Jäger Ferdl Rabl hob es ohne Berührung mit den Händen und eingehüllt in viel Gras hoch und legte es in das angrenzende Weizenfeld, wo die Geiß ihren Nachwuchs schon ganz aufgeregt übernahm.

Tragischerweise wurde das Muttertier eine Woche später auf der Straße von Pasenbach nach Indersdorf von einem Auto überfahren. Der Jagdpächter wurde zu dem Unfall gerufen und erkannte, dass es sich um eine Muttergeiß handelt – womöglich die Mutter des kürzlich geretteten Kitzes. „Für das alleingelassene Kitz und uns Jäger begann nun ein Wettlauf mit der Zeit“, berichtet Müller.

Rehkitz verliert Mutter bei Unfall: Jäger suchen sofort nach hilflosem Tier 

Unter Mithilfe der rührigen Anwohner konnte das Kitz nach ausgiebiger Suche nach eineinhalb Tagen nochmal gefunden werden. Ingrid Müller, von Beruf Tierärztin, gab dem völlig entkräfteten Tier zur Erstversorgung eine Traubenzuckerlösung. Nun stellte sich die Frage, wer das Kitz aufziehen kann. „Zwei Stunden haben wir herumtelefoniert“, erzählt Müller, „bevor wir endlich jemanden gefunden haben, der Erfahrung mit einer artgerechten Aufzucht von Rehkitzen hat, die nur ein spezielles Futter bekommen dürfen.“

Das Rehkitz aus Pasenbach wächst und gedeiht in Paterzell. Es fühlt sich in Haus und Garten seiner Pflegerin wohl.

Er brachte das Tier nachts mit seinem Auto, gebettet auf Gras, nach Paterzell bei Wessobrunn (Landkreis Weilheim-Schongau), zu einer tierlieben Rentnerin, die sich auf die Aufzucht von Kitzen spezialisiert hat. Inzwischen ist das Pasenbacher Kitz wieder bei Kräften und wohlauf. Luggi Müller besuchte es schon und stellte glücklich fest, dass es ihm dort gut geht. Zusammen mit einem weiteren Rehkitz und einem Hirschkalb fühlt es sich in der Wohnung und im Garten der Pflegerin recht wohl.

Wenn es ausgewachsen ist, das steht fest, kommt es in Freiheit und wird im angrenzenden Wald und den weiten Wiesenflächen der Natur übergeben.

Rehkitz vor Mähtod gerettet: Es klappt, wenn alle zusammenhelfen

Ludwig Müller und sein Jagdspezl Fridolin Merz, betonen unisono: „Mit dieser Kitzrettung zeigt sich die mittlerweile positive Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jägern.“ Sie hoffen, dass das so bleibt: „Wichtig für die Rettung des Niederwildes ist wie hier die rechtzeitige Ankündigung an die Jäger über eine anstehende Mahd. Nur so ist es möglich, durch Aufstellen von Scheuchen und Wildrettern dem Mähtod vorzubeugen.“ Und wenn alle zusammenhelfen, kann so ein kleines Kitz auch zweimal gerettet werden.

Heinz Nefzger

Traurige Geschichten über verunglücktes oder gerissenes Wild gibt es immer wieder. Zum wiederholten Mal wurde zum Beispiel in Bad Kohlgrub ein toter Rehbock entdeckt. Der Vorsitzende der Jagdgenossen wählt drastische Worte. Zuvor ist ähnliches in Murnau passiert: Wieder hat ein wildernder Hund ein Reh gerissen. Diesmal in der Nähe des Murnauer Ortsteils Moosrain.

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