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„Passt nicht zu unserem Leitbild“: Bayerische Gemeinde ächtet Feuerwerke

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Von: Christine Merk

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Ab sofort unerwünscht: Feuerwerke wie hier 2019 beim Seefest in Tegernsee will die Gemeinde Weyarn nicht mehr haben, kann sie aber auch nicht verbieten.
Ab sofort unerwünscht: Feuerwerke wie hier 2019 beim Seefest in Tegernsee will die Gemeinde Weyarn nicht mehr haben, kann sie aber auch nicht verbieten. © tp

Gewerbliche Feuerwerke sind in Weyarn künftig geächtet. Eine rechtliche Konsequenz hat das nicht. Die Ächtung soll eine Grundhaltung der Kommune ausdrücken.

Weyarn – Wenn in oder um Weyarn herum an einem Wochenende ein Feuerwerk gezündet wird, dann kann Bürgermeister Leonhard Wöhr am Montag darauf warten, dass telefonische Beschwerden eintreffen. Sogar im Urlaub habe ihn schon jemand wegen eines Feuerwerks zuhause angerufen. So schilderte es der Bürgermeister in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Er wolle deshalb den politischen Willen des Gremiums erkunden und zur Diskussion stellen, ob die Gemeinde gewerbliche Feuerwerke künftig ächten wolle.

Weyarn ächtet Feuerwerke: Meinungen im Gemeinderat gehen auseinander

Verbieten könne die Gemeinde diese nicht. Gewerbliche Feuerwerke müssen nicht genehmigt werden, erklärte Wöhr. Lediglich angemeldet, und das auch nicht im Rathaus, sondern bei der Regierung von Oberbayern. Eine Ächtung habe also keine rechtliche Konsequenz, aber die Verwaltung könnte mit einer solchen Aussage des Gemeinderats zumindest die Unterstützung für gewerbliche Feuerwerke ablehnen.

Die Meinungen im Gremium gingen auseinander. Albert Zinsbacher (CSU), Angelika Viellechner (FW) und Martin Fertl (UWG) fanden die Anzahl von Feuerwerken in Weyarn überschaubar und hielten eine Ächtung deshalb nicht für notwendig. Zweiter Bürgermeister Franz Demmelmeier (SPD) meinte, die Gemeinde solle kundtun, dass sie Feuerwerke nicht wolle.

Seine Fraktionskollegin Betty Mehrer sah die Gemeinde – auch mit Blick auf den Umweltschutz – in der Pflicht, mit Vorbildfunktion voranzugehen und zu sagen, „dass es uns wichtig ist, keinen Feinstaub hochzublasen und keine Tiere zu erschrecken“.

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Philipp Eikerling (Grüne) schließlich betonte das, was der Bürgermeister schon eingangs angesprochen hatte: den politischen Willen. „Es geht ja nicht allein um Feuerwerke, sondern um die politische Haltung des Gemeinderats“, sagte er. Feuerwerke seien nicht zeitgemäß und würden auch nicht zum Leitbild der Gemeinde passen, fand Eikerling.

Anton Zwickl (CSU) sah sich hin- und hergerissen. „Ich mag keine Feuerwerke, aber ich bin auch dagegen, alles gleich zu verbieten“, erklärte er. „Wenn die Gesellschaft das braucht, dann ist das so.“ Anian Rutz (UWG) widersprach. „Eine Gesellschaft braucht manchmal Regeln.“ Bei privaten Feuerwerken stelle sich auch die Frage: „Wie viele profitieren davon?“ Das sei ja etwas anderes als beispielsweise die Raketen zu Silvester oder Feuerwerke bei einem Volksfest.

Keine Feuerwerke mehr in Weyarn? Grünen-Gemeinderat plädiert für Ächtung

Anschie Hacklinger (Grüne) plädierte für eine Ächtung, denn ein Gemeinderat sei eben auch dazu da, „eine Meinung kundzutun“. Und Florian Holzmann-Penzenstadler (CSU) fand, dass Feuerwerke in einer Gemeinde in freier Natur und mit viel Wild nicht sein müssten.

Nach der Diskussion war nicht klar, in welche Richtung eine Entscheidung fallen würde. Wöhr schlug deshalb drei Alternativen vor: dass die Gemeinde neutral bleibe oder gewerbliche Feuerwerke nicht unterstütze oder gegen alle Feuerwerke sei. Demmelmeier plädierte für eine schnelle Entscheidung und stellte Alternative zwei als Antrag. Der wurde vom Gemeinderat schließlich mit neun zu fünf Stimmen befürwortet.

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