Flüchtlinge aus Afghanistan

Bundeswehr-Helfer brauchen Hilfe der Bundeswehr

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Mike Dulz betreut afghanische Ortskräfte der Bundeswehr, die nach Deutschland geflüchtet sind.

Neubiberg - Hunderte Einheimische haben in den vergangenen Jahren die Bundeswehr bei ihrem Einsatz in Afghanistan unterstützt. Viele von ihnen werden deswegen von den Taliban bedroht. Deutschland gewährt ihnen Zuflucht.

Übersetzer, Köche, Putzkräfte, Mechaniker, Fahrer oder Informanten - die Bundeswehr war bei ihrem jahrelangen Einsatz in Afghanistan auf die Unterstützung Hunderter Ortskräfte angewiesen. Immer öfter erhielten sie deswegen Todesdrohungen von den Taliban. Wenn es für sie und ihre Familien zu gefährlich wird, können sie nach Deutschland kommen. Hier sind sie in Sicherheit. Jedoch ist der Neustart nicht einfach.

Studenten der Bundeswehr-Universität in Neubiberg bei München übernehmen Patenschaften und helfen nun den Afghanen in Deutschland. „Das geht von Behördengängen bis zur Wohnungssuche“, sagt Universitätssprecher Michael Brauns. Für die Vermittlung ist die Koordinierungsstelle Patenschaft der Bundeswehr zuständig.

Behördengänge, Arztbesuche, Wohnungssuche

Der 23-jährige Leutnant Mike Dulz ist einer von aktuell zwölf Paten, die sich um ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr und deren Angehörige kümmern. Bis zu 50 Afghanen würden seit einigen Monaten in München betreut, sagt er. „Ein großes Problem ist die Sprache.“ Manche könnten zwar gut englisch oder ein bisschen deutsch, andere dafür gar nicht oder nur bruchstückhaft. Das erschwere vor allem Behördengänge, Arztbesuche oder die Suche nach einer Wohnung.

Nach ihrer Ankunft in Deutschland werden die ehemaligen Ortskräfte zunächst in Flüchtlingsunterkünften einquartiert. Sie bekommen nach Angaben des Bundesamtes für Migration in Berlin eine auf zunächst drei Jahre befristete Aufenthaltsgenehmigung sowie eine Arbeitserlaubnis. Nach acht Jahren können sie die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen, sofern sie unter anderem Deutschkenntnisse nachweisen können.

Genau hier setzt das ehrenamtliche Engagement der Studenten an. „Die Afghanen wollen sich integrieren“, sagt Dulz. Jedoch müssten sie sich erst einfinden und mit den kulturellen Unterschieden zurechtkommen. Dazu gehört auch die Bürokratie: „Anträge stellen, Kita-Platz suchen, Bewerbungen schreiben oder zu Sprachkursen anmelden.“ Auch Schulabschlüsse oder der Führerschein der Afghanen müssten hier erst anerkannt werden. Ohne Deutschkenntnisse ist das fast unmöglich.

400 Ortskräfte nach Deutschland geholt

Die ehemaligen Ortskräfte und ihre Familien seien dankbar, dass sie aus der Gefahr geholt und in Deutschland aufgenommen worden sind, sagt Dulz. Zwar lief der ISAF-Einsatz der Bundeswehr Ende 2014 aus - aber: „Die Bedrohungslage endet ja nicht mit dem Abzug der deutschen Truppen“, sagt Dulz. Etwa 400 Ortskräfte seien inzwischen nach Deutschland geholt worden. „Sie sehen das als Chance und sind froh, dass man ihnen hilft.“

Vom Leben in Deutschland hatten die Flüchtlinge vor ihrer Ankunft nur eine sehr vage Vorstellung, die Realität stellt für sie eine große Herausforderung dar. Von der Grundsicherung - 364 Euro monatlich je Person - lässt sich der Alltag in Deutschland nur schwer bestreiten. Zu den größten Problemen zähle die Wohnungssuche, gerade in einer Stadt wie München, berichtet Dulz.

Zwischen etlichen Flüchtlingen und ihren Paten hätten sich bereits Freundschaften entwickelt. „Ich wurde schon afghanisch bekocht. Oder wir unternehmen mal etwas zusammen.“ Dulz geht davon aus, dass noch etliche afghanische Ortskräfte nach Deutschland kommen werden. Hierfür werden auch wieder Paten gesucht.

dpa

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