Patientin (80) halbnackt entlassen

Dachau - Mit nur einem Hemdchen und ihren Schuhen bekleidet ist eine 80-Jährige aus der Dachauer Amperklinik entlassen worden. „Eine Katastrophe“, gibt auch Vorstandsvorsitzender Bernward Schröter zu.

Die 80-jährige Rosemarie S. aus Bergkirchen war nach einem Sturz in die Amperklinik eingeliefert worden. Als sie der Fahrdienst zurück nach Hause brachte, waren die Angehörigen geschockt: Die alte Dame trug bei nasskaltem Wetter nur einen hinten offenen Krankenhauskittel und Schuhe. Zudem war das Gebiss der 80-Jährigen während des Aufenthalts zeitweise verschwunden.

Auch die Amperklinik reagierte entsetzt auf den Vorfall. „Das ist eine Katastrophe. Durch so etwas wird viel kaputt gemacht“, erklärte Vorstandsvorsitzender Bernward Schröter gestern in einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch. „Das darf nicht passieren. Die Mitarbeiter engagieren sich ohne Ende, und so etwas bringt uns natürlich in Misskredit.“ Deswegen sei es das Beste, das Thema offen anzugehen und mit den Betroffenen aufzuarbeiten.

Michael Weber, Chefarzt der Kardiologie und Ärztlicher Direktor, hat Rosemarie S. selbst kennengelernt. Und er weiß, dass hier etwas falsch gelaufen ist. „Das war nicht korrekt.“ Doch er versucht auch zu erklären, dass die Patientin beispielsweise nicht halbnackt im Wagen des externen Fahrdienstes saß. „Die Dame wurde liegend auf einer Trage transportiert, und sie war mit einer Decke zugedeckt.“ Doch auch das dürfe nicht passieren. „Sie hatte Kleidung dabei, die man ihr hätte anziehen müssen.“

Ein Grund für die Nachlässigkeit sei gewesen, dass der Fahrdienst nach Bergkirchen bereits eine halbe Stunde früher als geplant erschien. „Da war die Schwester gerade auf Visite im Zimmer nebenan.“ Der Fahrer des Wagens konnte zu dem Fall noch nicht befragt werden, da er derzeit im Urlaub weilt.

Das kurzzeitig fehlende Gebiss sei leider ein häufig in Krankenhäusern auftretendes Problem. „Es gibt einen mit Namen beschrifteten Becher mit Deckel, da kommt das Gebiss rein. Dann wird es beispielsweise aufs Essenstablett gelegt und versehentlich mit abgeräumt“, so Dr. Weber.

Doch es wird versucht, Lösungen zu finden, damit so etwas wie bein Rosemarie S. nicht noch einmal passiert. Zwei erste Ansätze: Die Klinik will 100 Bademäntel anschaffen, für den Fall, wenn Patienten keine Kleidung für die Entlassung dabei haben. Und: Es soll ein neuer Leitfaden für die Mitarbeiter erstellt werden. Thema: Einweisung und Entlassung der Patienten.

Seit Jahren verfügt die Klinik über eine Abteilung für Qualitätsmanagement, unter das auch der Umgang mit Beschwerden fällt. Drei Mitarbeiter beschäftigen sich mit den Unmutäußerungen oder auch den Dankesschreiben, wie Schröter betont. Rund 50 000 Menschen werden in der Dachauer Amperklinik im Jahr ambulant und stationär betreut. Im Jahr 2010 gingen 146 Beschwerden ein, in gleicher Anzahl Dankesschreiben. In den knapp zehn Monaten dieses Jahres sind bislang 83 Beschwerden und mehr als 100 Dankeschreiben verzeichnet worden, berichtet der Vorstandsvorsitzende.

„Die Zahl der Beschwerden ist also erheblich zurückgegangen“, erklärt Schröter. Das hänge vor allem damit zusammen, dass die Klinik den Vorwürfen immer sofort nachgehe. (sue)

Rubriklistenbild: © dpa

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