Promi-Verteidiger legt Mandat nieder

Paukenschlag bei Prozess um Todesfahrer Tim P.

+
Sewarion Kirkitadse aus München

Dachau - Der Prozess gegen Tim P. wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis begann mit einem Paukenschlag. P.’s Verteidiger, Sewarion Kirkitadse aus München, legte sein Mandat nieder.

Denn während der Verhandlung kam heraus, dass er bereits die Eltern desjenigen Jugendlichen beraten hatte, an dessen Tod Tim P. Schuld ist.

Mutter in Tränen aufgelöst

Die Verhandlung gegen Tim P. begann am Montagnachmittag – und endete wenig später mit einer Überraschung. Bettina W., die Mutter von Christoph, der im Jahr 2009 in Tim P.’s Auto nach einem schweren Unfall gestorben war, hätte in dem Verfahren als Zeugin der Anklage auftreten sollen.

Unter Tränen erklärte die 50-Jährige, dass sie sich überhaupt nicht konzentrieren könne. Die Tatsache, dass der oft als Star-Anwalt bezeichnete Sewarion Kirkitadse die Sache Tim P.’s vertrete, würde ihr den „Boden unter den Füßen wegziehen“. Schließlich seien sie und ihr Mann kurz nach dem Tod ihres Sohnes in der Kanzlei Kirkitadses gesessen und hätten diesen um Beistand in der Sache gebeten!

Kirkitadse beantragte daraufhin eine Unterbrechung der Verhandlung. Er müsse die Aussage von Christophs Mutter erst prüfen. Sollte es zutreffen, dass „ich mit der Familie Beratungskontakt hatte“, kündigte Kirkitadse an, sein Mandat niederzulegen. Zu Tim P. gewandt meinte er: „Das geht dann leider nicht anders. Dann müssen wir die Pferde wechseln.“

Dass der mittlerweile 25-Jährige P., der seit seiner vorzeitigen Haftentlassung Anfang dieses Jahres wieder im Landkreis Dachau lebt und arbeitet, zumindest in Sachen Pferdestärken ein ausgewiesener Experte ist, stellte sich gestern schon nach wenigen Minuten Befragung heraus. Genauestens konnte er beispielsweise sagen, wie viele Kubik und PS das Kraftrad hatte, mit dem er vor Jahren immer durch den Landkreis gefahren war und mit dem ihn ein Zeuge auch an Weihnachten 2012 gesehen haben will. P.’s Verteidigungslinie wurde dabei schnell klar: Da es nur einen Zeugen für seine vermeintlichen Fahrten gibt, stritt er diese vehement ab. Somit steht Aussage gegen Aussage.

Allerdings passen die Fahrten, die ihm die Staatsanwaltschaft nun vorwirft, zeitlich sehr gut zu seinen Freigängen und Hafturlauben im vergangenen Dezember. Und dass er schon einmal ohne Führerschein unterwegs war, ist aktenkundig: Noch während die Verhandlung gegen ihn am Landgericht Landshut lief, an deren Ende er wegen fahrlässiger Tötung und Straßenverkehrsgefährdung zu 16 Monaten Haft verurteilt wurde, hatte ihn ein Polizist auf einem Kraftrad gesehen. P. hatte auch damals abgestritten, gefahren zu sein.

Als hilfreich könnte sich für ihn diesmal erweisen, dass der Hauptbelastungszeuge auch keine exakten Erinnerungen mehr daran hatte, wann und wo er P. einmal am Steuer eines Autos und einmal auf einem Kraftrad gesehen haben will: „Fakt ist, er war’s“, wiederholte der Zeuge immer wieder.

Für die Mutter von Tim P.’s totem Freund Christoph war der gestrige Termin in Dachau eine Qual: „Es war außerhalb meiner Vorstellungskraft, dass jemand, der ein Menschenleben auf dem Gewissen hat, in dem Fall von meinem Sohn, trotzdem noch weiter fährt.“ Umso schlimmer sei es nun für sie, dass sie P. noch ein weiteres Mal wird in die Augen sehen müssen.

Wen Bettina W. dagegen nicht wieder sehen muss ist Anwalt Kirkitadse. Der legte gestern Abend sein Mandat nieder. Telefonisch entschuldigte er sich bei den W.’s dafür, das Gespräch mit der Familie vergessen zu haben.

Stefanie Zipfer

Auch interessant

Meistgelesen

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Auf der A9 im Kreis Freising: Sehr seltener Goldschakal überfahren
Auf der A9 im Kreis Freising: Sehr seltener Goldschakal überfahren
55-Jähriger stirbt nach plötzlichem Sturz von Laderampe
55-Jähriger stirbt nach plötzlichem Sturz von Laderampe

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion