Zug fuhr ihnen vor der Nase weg

Panne beim Wandertag: BRB lässt Gymnasiasten stehen

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Christian Waldmann wurde in Peiting-Nord der Zustieg verwehrt.

Schongau/Peiting - Wandertag? Nix da! 25 Oberstufenschüler des Schongauer Welfen-Gymnasiums fährt die Bayerische Regio-Bahn (BRB) sprichwörtlich vor der Nase weg. 

Christian Waldmann, 17, wohnt in Peiting und besucht seit Mitte September die elfte Klasse des Schongauer Welfen-Gymnasiums. Auf den Donnerstag hatte er sich besonders gefreut: Wandertag. Doch aus dem erhofften Spaziergang von Hohenpeißenberg nach Schongau wurde nichts, weil ihm und einigen seiner Oberstufen-Kollegen die Bayerische Regio-Bahn vor der Nase weggefahren ist.

Um 7.45 Uhr versammeln sich rund 300 Gymnasiasten am Schongauer Bahnhof. Mit dem Acht-Uhr-Zug sollte es nach Peiting, Hohenpeißenberg oder gar München gehen. „Wir haben uns bei der Regio-Bahn im Vorfeld angemeldet“, sagt Schulleiter Wolfgang Gebler. Damit wollte man etwaigen Platzproblemen aus dem Weg gehen.

Alle 300 Kinder von der fünften bis elften Jahrgangsstufe steigen in Schongau in die Wagons, finden einen Sitz- oder Stehplatz. Die Wandertags-Reise kann losgehen. Allerdings sind die Klassen noch nicht komplett. Rund 25 Schüler der Oberstufe sollen in Peiting-Nord zusteigen. „Das ist von uns ein ganz normales Entgegenkommen, damit in diesem Falle die Peitinger Schüler nicht erst nach Schongau kommen müssen“, sagt Gebler.

Nach gut fünfminütiger Fahrt trudelt der Zug am Bahnhof in Peiting-Nord ein. Waldmann und seine Kollegen stehen schon mit Wanderucksack und bezahltem Ticket am Bahnsteig. Doch als sie einsteigen möchten, kommt ihnen ein aus dem Zug eilender Fahrzeugbegleiter der BRB zuvor und sagt: „Ihr dürft nicht einsteigen, weil der Zug sonst zu voll ist.“

Waldmann und Co. sind in diesem Moment sprachlos, wollen genau wissen, warum, wieso, weshalb – aber vergeblich. „Der Zug ist dann ganz flott weitergefahren“, sagt Waldmann, der schließlich über die WhatsApp-Gruppe der Oberstufenschüler erfuhr, dass er und seine zurückgebliebenen Mitschüler auf Anweisung ihres Lehrers nach Hause gehen dürfen – oder besser gesagt sollen, weil ihnen schlichtweg nichts anderes übrig bleibt.

Unterlassene Aufsichtspflicht der Lehrkraft? „Ganz sicher nicht“, sagt Gebler. Die Lehrkraft könne schließlich nicht aus dem Zug springen. Und da es sich ausschließlich um schon 16- und 17-jährige Schüler handelte, sei die Entscheidung absolut O.k. gewesen. „Ich glaube nicht, dass einer von den Schülern noch nie alleine vom Bahnhof nach Hause gegangen ist.“

Für Waldmann und Co. war der Wandertag also gestrichen. Und was sagt die BRB dazu? „Auf jeden Fall Entschuldigung“, so eine Sprecherin der BRB. Sie hielt Rücksprache mit dem Fahrzeugbegleiter und kann bestätigen, dass der Zug tatsächlich voll war. „Das ist dann eine Frage der Sicherheit, deshalb haben wir entschieden, die Fahrgäste nicht einsteigen zu lassen.“ Da der nächste Zug bekanntlich erst eine Stunde später kommt, kam ein Warten für die Gymnasiasten auch nicht in Frage.

Warum die BRB aber mit einer laut Sprecherin Einfachtraktion – 140 Sitz- und 105 Stehplätze – gefahren ist, obwohl sich die Schule laut Gebler mit diesen 300 Schülern angekündigt habe? „Angemeldet waren bei uns nur 100 Schüler“, sagt die BRB-Sprecherin weiter und versichert zugleich, dass dem Schongauer Welfen-Gymnasium trotzdem eine Entschädigung zusteht: „Wir werden der Schule die nächste Fahrt kostenlos anbieten.“ Und auch die bereits bezahlten Tickets von Waldmann und Co. werden „auf jeden Fall“ erstattet.

Johannes Schelle

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