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„Riesenproblem“ Personalmangel: Traditionsbäcker macht samstags zu - „Fiel uns nicht leicht“

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Von: Andreas Steppan

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„Würde alles einstellen, was zwei Hände hat“: Die Personalnot in der Bäckereibranche zeigt in Bad Tölz erste konkrete Auswirkungen.
„Würde alles einstellen, was zwei Hände hat“: Die Personalnot in der Bäckereibranche zeigt in Bad Tölz erste konkrete Auswirkungen. © dpa

Der Personal- und Fachkräftemangel wird in vielen Branchen immer drastischer und deutlicher. Die Tölzer Bäckerei Büttner zieht nun Konsequenzen und macht samstags zu.

Bad Tölz – Landesinnungsmeister Heinz Traublinger hatte erst kürzlich bei der Handwerksmesse davor gewarnt: Der akute Personalmangel in der Branche werde wohl dazu führen, dass viele Bäcker in Bayern die Öffnungszeiten reduzieren müssen. In Bad Tölz geht nun tatsächlich das erste Unternehmen diesen Schritt: Die Bäckerei Büttner lässt ihre Filialen ab sofort samstags geschlossen. Neues Personal zu finden, ist auch für andere Bäcker derzeit sehr schwierig.

Wegen Personalmangel: Bäckerei Büttner lässt Filialen samstags geschlossen

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, erklärt Bäckereichefin Sandra Büttner auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir haben hin und her überlegt und nach Alternativen gesucht.“ Hintergrund der Entscheidung, die Filialen samstags geschlossen zu lassen, sei, dass es seit mittlerweile einem halben Jahr nicht gelinge, drei offene Stellen in der Backstube zu besetzen.

Um neue Bäckerhelfer zu finden, habe der Betrieb viel unternommen. Auf Inserate aber „kam keinerlei Reaktion“, sagt Sandra Büttner. Auch an die Agentur für Arbeit habe sich die Bäckerei gewandt und zudem Kontakt zu Organisationen gesucht, die die Integration Zugewanderter fördern. Bewerber seien aber nirgends zu finden gewesen.

Bäckerei hat Personalprobleme: Stellen seit halben Jahr nicht besetzbar

Für die verbleibenden Mitarbeiter habe das bedeutet, dass sie teils sechs Tage in der Woche durcharbeiten mussten. „Wenn Not am Mann ist, schaffen wir das zusammen“, sagt Sandra Büttner. „Aber auf die Dauer ist das nicht machbar.“ Letztlich sähen es sie und ihr Mann Leo als ihre soziale Verantwortung, die Mitarbeiter nicht zu überlasten. Zudem müsse man das vorhandene Personal ja auch halten und in Zeiten des Arbeitskräftemangels attraktive Bedingungen bieten. Und: Nur wer gut erholt sei, könne danach wieder volle Leistung bringen.

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Letztlich bringe es den Angestellten am meisten, wenn sie nun eine Arbeitswoche von Montag bis Freitag hätten. Eine freier Samstag sei „sozial- und familienkompatibel“, sagt Sandra Büttner. Zwei freie Tage am Stück böten auch mehr „Erholungswert“. „Das bringt mehr, als zum Beispiel am Donnerstag und Sonntag frei zu haben.“

Die Kunden hätten zum größten Teil verständnisvoll auf die Reduzierung der offenen Tage reagiert. „Manche sagen natürlich auch: ,Der Samstag ist doch der Tag, an dem ich immer einkaufe.‘ Aber ein Tag musste es eben sein“, sagt Sandra Büttner. Die Schließung am Samstag will der Betrieb vorläufig bis Ende Oktober beibehalten. „Dann schauen wir weiter“, sagt die Chefin. „Wir werden uns weiter bemühen, die offenen Stellen zu besetzen, weil wir unseren Kunden gern den Service am Samstag anbieten würden Aber wenn sich weiter nichts tut, müssen wir es vielleicht so beibehalten.“

Personalmangel: Traditionsbäcker schließt Samstag - um verbliebene Mitarbeiter zu entlasten

Volles Verständnis für den Schritt der Büttners hat ihr Tölzer Kollege Andreas Wiedemann. Er habe sogar „Respekt“ vor der Entscheidung. „Ich hätte mich das nicht getraut“, sagt er. Vor dem „Riesenproblem“ des Personalmangels stehe er aber genauso. „Im Moment würde ich alles einstellen, was zwei Hände hat“, sagt er.

Am akutesten brauche er Fachkräfte, „einen echten Bäcker, der mehr kann“, sagt er. Vor dem Problem, Mitarbeiter zu finden, stünden aktuell alle Branchen, aber bei den Bäckereien sei es extrem. „Keiner will so früh aufstehen“, macht Wiedemann als einen Grund dafür aus. Dabei sieht er selbst die Arbeitszeiten sogar als „richtigen Vorteil – man muss es halt mögen“.

Ein weiterer Inhaber einer Tölzer Traditions-Bäckerei, Michael Detter, ist unterdessen froh, dass er aktuell keine neuen Mitarbeiter suchen muss. „Wir haben das Glück, dass wir langjähriges Stammpersonal haben“, sagt er. Der treueste Mitarbeiter sei seit 35 Jahren im Betrieb. Mit ein Grund, warum die Angestellten der Bäckerei Detter treu bleiben, sei sicher auch, dass es hier seit jeher eine Fünf-Tage-Woche und zwei zusammenhängende freie Tage gibt. Denn hier gilt schon seit vielen Jahren: Montag geschlossen.

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