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Supermärkte in krasser Personalnot – auch Lidl, Aldi & Co. betroffen

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Von: Johannes Thoma

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Aldi Suche Personal
Direkt am Eingang bei Aldi in Weilheim wird nach Personal gesucht. © Ruder

Derzeit gibt es wohl kaum ein größeres Lebensmittelgeschäft in der Region, das nicht händeringend auf der Suche nach Personal ist. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig.

Landkreis – Ginge es nach der Größe des Banners, dann ist die Personalnot in der Lidl-Filiale in Weilheim derzeit besonders groß. Aber auch Aldi in Weilheim und Rewe in Penzberg suchen mittels Plakat an der Eingangstür per sofort nach neuen Mitarbeitern. Für Robert Möginger, Filialleiter des Penzberger Rewe-Marktes, ist die Personalsuche ein Ganzjahresgeschäft. Aktuell benötigt er Mitarbeiter für die Ladentheke – egal, ob Teil- oder Vollzeit.

Personalmangel bei Lidl, Aldi und Rewe besonders groß - auch wegen Arbeitszeiten

Lidl Weilheim Plakat Suche
Kaum zu übersehen: Der Discounter Lidl in Weilheim sucht neue Arbeitskräfte. © Ralf Ruder

Es sei enorm schwierig, gute Kräfte, vor allem gelernte, zu finden, obwohl sein Unternehmen nach Tarif und darüber bezahle. Grund hierfür seien die Arbeitszeiten, sagt Möginger. Rewe in Penzberg (42 Mitarbeiter) wie auch viele der Mitbewerber haben sechs Tage pro Woche von 8 bis 20 Uhr geöffnet.

Ein weiterer Grund neben der in der Branche üblichen hohen Fluktuation sind laut Möginger der Wohnungsmangel und die damit verbundenen hohen Mieten hierzulande. Aktuell sei die Lage bei ihm etwas entspannter, weil er soeben drei Azubis und eine Vollzeitkraft eingestellt hat. Allerdings: Er sucht schon Arbeitskräfte für kommendes Jahr, denn dann gehen einige Mitarbeiter in Ruhestand.

Personalmangel im Supermarkt - Suche vor allem auf sozialen Netzwerken

Den Personal- und Fachkräftemangel bestätigen auch die – überregionalen – Pressestellen von Aldi, Lidl, Kaufland und Feneberg. „Für unser Recruiting nutzen wir insbesondere soziale Netzwerke wie Instagram und TikTok, aber auch Zielgruppenplattformen oder Google. Zudem machen wir auch in unseren Filialen, wie beispielsweise im Landkreis Weilheim-Schongau, über Flyer, Aufsteller und Plakate auf unser Ausbildungsangebot aufmerksam“, schreibt beispielsweise die Pressestelle von Kaufland.

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„Es kann immer wieder zur regionalen Schwankungen unserer offenen Stellen kommen, jedoch ist hier kein allgemeines Muster erkennbar“, schreibt die Pressestelle von Feneberg. Das Unternehmen ist vorwiegend im Allgäu und im westlichen Landkreis tätig.

Wegen Personalmangel: Mancherorts werden Öffnungszeiten zurückgefahren

Auch Biomichl in Weilheim könnte Personal gebrauchen – derzeit Kassiererinnen. Allerdings sei die Lage keineswegs dramatisch, sagt Karin Sendl, die mit ihrem Mann Michael den Biobetrieb leitet. Als Gründe für die relativ entspannte Lage nennt sie das gute Betriebsklima, die an den Tarif angelehnte Bezahlung mit zusätzlichen Vergütungsmöglichkeiten sowie die Arbeitszeit: In ihrem Betrieb werde nämlich die tatsächlich anfallende Arbeitszeit vergütet – das sei nicht überall der Fall. Zudem unterstütze man die Mitarbeiter, wenn diese auf Wohnungssuche seien, mit Aushängen und Maklerkontakten beispielsweise.

Dass viele Lebensmittelmärkte von diesen Zuständen nur träumen können, bestätigt Manuel Kern, Gewerkschaftssekretärin beim Verdi-Bezirk Allgäu mit den Landkreisen Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen. „Die Lage ist dramatisch, bei manchen Läden werden schon Öffnungszeiten oder Angebote zurückgefahren.“

Die Arbeitszeiten und die zunehmend extremen Flexibilisierungswünsche der Arbeitgeber seien nicht mehr mit den Vorstellungen der Mitarbeiter in Einklang zu bringen. Zudem sei die Bezahlung zu gering: Laut Tarif liegt die Verdienstobergrenze im Einzelhandel bei 2800 Euro. Das sei angesichts der Inflation und den hohen Mieten gerade im Landkreis Weilheim-Schongau längst nicht mehr ausreichend, sagt Karn.

Personalmangel im Supermarkt: Manche zahlen deutlich unter Tarif

Zudem zahlten einige Unternehmen unter Tarif, beispielsweise der V-Markt. Sogar deutlich unter Tarif sei die Entlohnung bei Feneberg. Das Familienunternehmen stand 2019 vor der Insolvenz und befindet sich derzeit in der Sanierungsphase. Unternehmen wie Lidl, Aldi oder Netto lehnten sich zumindest an den Tariflohn an. „Vorbildlich“ sei in dieser Hinsicht Kaufland mit Märkten in Weilheim und Peißenberg. Dort werde nach Tarif bezahlt, so Karn.

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