Gastbeitrag

Ich habe als Pfarrer in Zorneding zum ersten Mal Angst gespürt

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Er feierte seine Gottesdienste - trotz Morddrohungen. 

Morddrohungen, Hass, Rassismus: Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende hat in Zorneding zum ersten Mal Angst gespürt, sagt er. Nun hat er ein Buch geschrieben, hier ein Auszug. 

Zorneding - Zorneding, eine Gemeinde im Landkreis Ebersberg, hat internationale Bekanntheit erlangt, weil ihr dunkelhäutiger Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende rassistisch angefeindet wurde und Morddrohungen erhielt. Es ging soweit, dass er den Ort im Schutz der Dunkelheit verließ und in einem Nonnenkloster Zuflucht suchte. 

Ausgangspunkt war ein Streit mit der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden gewesen, die Flüchtlinge als „Invasoren“ bezeichnet hatte. Pfarrer Olivier kritisierte diese Formulierung scharf, woraufhin der CSU-Vize ihn als „Neger“ beschimpfte. 

Damit ging alles los. 

Wie der katholische Priester aus dem Kongo, der 1949 geboren ist, den Hass und die Anfeindungen erlebt hat, hat er in einem Buch niedergeschrieben. 

Bei diesem Gastbeitrag handelt es sich um einen Auszug (Seite 27 bis Seite 37) aus dem Buch „Und wenn Gott schwarz wäre...“ des ehemaligen Zornedinger Pfarrers Olivier Ndjimbi-Tshiende.

Als die erste Hass-Postkarte kam, hängte der Pfarrer sie an seine Tür

Der Ton wird härter. Die Stimmung in Zorneding verschärft sich. Dann kommt der Montag, der 30. November, an dem Pfarrer Olivier den Briefkasten leert und die erste Postkarte entdeckt – die Postkarte mit der Drohung, den schwarzen Pfarrer nach Auschwitz zu senden. Pfarrer Olivier reagiert als Seelsorger: Kurzerhand klebt er die Karte mit ihren ungeheuerlichen Beschimpfungen an seine Bürotür. 

Er hofft, dass ein solches Zeugnis von Dummheit, Hass und Brutalität die Menschen, die bei ihm ein- und ausgehen, zum Nachdenken anregt. Es ist für ihn wie eine Predigt: Seht, so etwas passiert auch in unserer Gesellschaft. Oliviers Intention gelingt – wenn auch anders als erhofft: Einige Menschen zeigen sich entsetzt, andere erstaunt, verwundert. Wieder andere sind schlicht verstört. Sie bitten den Pfarrer, die Karte abzunehmen, weil sie verwirrend wirken könne, wie sie meinen. 

Olivier folgt schließlich ihrem Wunsch. Denn er möchte seine Gemeinde nicht verunsichern. Darum wendet er sich auch nicht an die Polizei. Noch nicht. Für ihn ist das die Spinnerei eines Einzelnen, eines Wirrkopfes. Deshalb wissen auch nicht viele Leute über diese erste Drohung Bescheid – und deshalb findet die Polizei auch später keine verwertbaren Spuren mehr auf der Karte, weil Olivier sie einfach abheftet und zu den Akten legt.

Der Hass steigt, er erschwert dem Pfarrer das Leben

Doch Hass lässt sich nicht einfach zu den Akten legen. Die Drohungen werden häufiger, drängender. Kurze Zeit später erreichen weitere Schreiben das Zornedinger Pfarrhaus, beleidigend, beschimpfend. Das Niveau ist, der Geisteshaltung der Absender entsprechend, erwartbar tief: "Haben Sie Ihre Brüder angesprochen, die die deutschen Frauen in Köln vergewaltigt haben?", heißt es da etwa in einem Schreiben. In einem anderen Brief, an den sich Pfarrer Olivier gut erinnern kann, fordert der Schreiber ihn auf: "Sie fühlen sich hier nicht wohl? Dann gehen Sie doch dahin, wo Sie hergekommen sind!" Ein dritter Briefschreiber fordert den Pfarrer auf, er "möge bitte sein Gastrecht nicht missbrauchen!". 

Äußerungen solchen Inhalts machen dem Pfarrer das Leben zunehmend ungemütlich. Er tröstet sich vorerst noch mit einem Satz, den Albert Einstein einst schrieb, nämlich: 

Es gebe zwei Dinge, die unendlich seien: Erstens das Weltall. Und zweitens die menschliche Dummheit. 

Dann fügte der Gelehrte noch hinzu: "Nur beim Weltall bin ich mir noch nicht so ganz sicher!" Pfarrer Olivier hat einen deutschen Pass. ..... Die Welle der Drohungen schwillt an. Schmähungen werden lauter. In einem Brief im Februar droht ein Schreiber handfestes Ungemach: "Jetzt ist es Zeit, dass Sie Zorneding verlassen. Sonst geht es Ihnen genauso, wie es dem anderen Pfarrer ergangen ist." 

Plötzlich weiß der Pfarrer, was er fühlt: Angst

Beigefügt ein Zeitungsausschnitt, der die Geschichte eines protestantischen Pfarrers aus dem Rheinland zeigt, der von Rechtsradikalen überfallen und zusammengeschlagen wurde – weil er von der Kanzel aus gegen den Ausländerhass der Neonazis predigte. Der Autor setzt sogar noch hinzu, dass man im Fall des Zornedinger Pfarrers "treffsicher" sein werde. 

In einem anderen Brief wird die Drohung noch konkreter: "Wir wissen, wo Du wohnst. Wir können das Licht im Pfarrhaus sehen. Wir kennen Dein Autokennzeichen!" Das macht unwohl. 

Denn der Geistliche ist in seinem kleinen Twingo viel unterwegs. Oft besucht er die zahlreichen Filialkirchen, in denen er Abendgottesdienste und Andachten abhält – und dabei ist er nach der Messe fast immer allein. 

Es ist die Zeit, in der Pfarrer Olivier plötzlich ein Gefühl entwickelt, das er sonst nicht kennt: Das Gefühl heißt – Angst. ..... 

Auf Rat seiner Vertrauten im Pfarrgemeinderat informiert er die Polizei über die Vorkommnisse. Die ist alarmiert. Ihr kommt Kommissar Zufall zur Hilfe. Im Briefverteilungszentrum in München fischen Postangestellte nämlich etwa zur gleichen Zeit eine weitere eindeutige Karte aus der Sortieranlage. Diese enthält dieselben Botschaften wie diejenige Karte, die Pfarrer Olivier am 30. November aus seinem Briefkasten holte. Die Postmitarbeiter informieren die Polizei. Der Hauptkommissar meldet sich im Pfarrhaus und teilt dem Priester mit, es gebe noch eine zweite Karte – und ob sie diese überprüfen können. 

Es taucht eine zweite Karte auf, wieder mit „Neger“, wieder mit „Auschwitz“

Wieder gehe es, so berichtet der Polizist, um Auschwitz, wieder um "Neger", wieder um Morddrohungen. Pfarrer Olivier willigt zur Untersuchung ein. Und siehe da: Die Experten des Landeskriminalamtes finden die Fingerabdrücke eines 74-jährigen Rentners aus München, der schon in früheren Jahren immer wieder mit rassistischen Schmähungen hervorgetreten ist. Die Polizei beantragt eine Hausdurchsuchung und findet noch mehr belastendes Material. Der Rentner wird vor Gericht zitiert – wegen Volksverhetzung und Beleidigung. Der Fall wird im 30 Landgericht Ebersberg verhandelt. 

Doch beim ersten Verhandlungstermin erscheint der Angeklagte nicht. Er wird verhaftet und zum zweiten Termin polizeilich vorgeführt. Pfarrer Olivier wird im Prozess als Zeuge geladen. Dabei macht er eine kuriose Beobachtung: Als der Priester aussagt, wendet sich der Angeklagte seiner Frau zu und sagt: "Den kenne ich gar nicht!"

Im Prozess sieht Olivier die zweite Postkarte zum ersten Mal. Wie ihm gesagt worden war – der Inhalt ist der gleiche wie zuvor: Morddrohung, Auschwitz, Neger...... Der Auftritt vor Gericht kostet den Gottesmann Kraft. Er ist aufgeregt. Auch deshalb, weil er zum ersten Mal in seinem Leben überhaupt vor einem Richter steht. Als er seine Aussage beendet hat, darf er gehen. 

Anwältin entschuldigt sich: Als bayerische Bürgerin tut es mir leid!

Buchcover.

Olivier ist erleichtert darüber. Erst später hört er, dass der Rentner verurteilt wurde: Zehn Monate auf Bewährung, dazu sechshundert Euro für einen gemeinnützigen Verein, der sich mit der Betreuung von Flüchtlingen beschäftigt. Doch der Angeklagte geht in Berufung. Die Staatsanwaltschaft auch. Eine Geste versöhnt den Priester. Als er das Gerichtsgebäude in Ebersberg verlässt, kommt eine Anwältin auf ihn zu, gibt ihm die Hand und sagt: "Ich würde Ihnen gerne als bayerische Bürgerin sagen, dass es mir sehr leidtut." 

Doch mit dem Prozess sind die Drohungen noch nicht vorbei. Eines Tages geht ein Mann aus der Gemeinde, der nicht weit weg von der Kirche wohnt, zur stellvertretenden Bürgermeisterin. Auf sie macht er einen aufgewühlten Eindruck. Im Gespräch mit der Bürgermeisterin äußert er sinngemäß, dass am Samstag nach dem Gottesdienst der Zornedinger Pfarrer nicht mehr existieren werde. Er sagt das in so offensichtlich wütendem Ton, dass die Bürgermeisterin Angst bekommt. Sie informiert die Polizei. 

Pfarrer Olivier hält die Abendmesse unter Polizeischutz

Am Abend des folgenden Freitags klopfen zwei Polizisten an der Tür des Pfarrhauses. Pfarrer Olivier lässt sie ein. Sie zeigen ihm den Brief der Bürgermeisterin. Und sie sagen: "Sie brauchen keine Angst zu haben. Am Abend des Samstags werden wir auch beim Gottesdienst sein und auf Sie aufpassen." Kurz vor dem Gottesdienst klingelt am nächsten Tag ein Gemeindemitglied. Der Mann will den Pfarrer warnen vor dem, was er gerade erlebt habe: Vor der Kirche habe ihn nämlich ein Mann angesprochen und mit dem Satz gedroht, nach der Messe werde der Pfarrer nicht mehr existieren.

Dieser Mann sei daraufhin in die Kirche gegangen. Als vereinbarungsgemäß die Polizei zur Abendmesse eintrifft, ist er allerdings nicht mehr zu sehen. Wo ist er abgeblieben? 

Tausende Menschen demonstrieren in Zorneding

Pfarrer Olivier und seine beiden Begleiter von der Polizei betreten die Kirche, gehen in die Sakristei. Sie fragen den Mesner, ob er einen Menschen, auf den die Beschreibung des Bedrohers passt, bemerkt habe. Da sehen sie plötzlich von der Sakristei aus, dass der Mann, der die Drohung ausgesprochen hat, mit grimmiger Miene vorn am Altar steht. Das verheißt nichts Gutes. 

Was nun? Die Polizei beobachtet die Lage. Beratung. Was können Pfarrer und Polizisten in dieser Lage tun? Kann die Polizei den Mann verhaften? Der Anruf der Polizisten bei ihren Vorgesetzten bringt Klarheit. Nein, verhaften geht nicht: Der Mann hat bisher nichts Kriminelles gemacht, Gefahr scheint nicht im Verzug. Eine Durchsuchung kommt ebenfalls im Augenblick nicht in Frage. Die Gemeinde wartet, dass der Gottesdienst beginnt. 

Was tun?

Ein Mann starrt ihn voller Hass an: Pfarrer Olivier hält den Gottesdienst trotzdem

Deshalb will Pfarrer Olivier zum Altar und zelebrieren. Seine Überlegung ist einfach: Die Polizisten sind in der Sakristei. Wenn der Bedroher wirklich etwas anrichten will, sind die Polizisten in drei, vier Schritten da. Dennoch – im Geistlichen keimen ein paar Zweifel. Wie sieht so was in der Praxis aus? Er geht da rein, ein möglicher Täter ist zwei Meter von ihm entfernt – wie will da die Polizei eingreifen? 

Doch Pfarrer Olivier wäre nicht ein Mann Gottes, wüsste er nicht auch hier einen Weg. Mit einem Stoßgebet wendet er sich an seinen höchsten Vorgesetzten – "Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat ..." – und geht los. Schließlich ist es ein Gottesdienst! Ein Gedanke schießt ihm durch den Kopf: "Es ist schließlich Gottes Feier, nicht meine!" Also fällt er die Entscheidung: Wir halten den Gottesdienst! Von diesem Zeitpunkt an hat Pfarrer Olivier keine Bedenken mehr gegenüber dem finster dreinblickenden Herrn, der nun nur ein paar Armlängen entfernt an einer Säule lehnt. 

Der Geistliche schaut sich den Mann genauer an. Der Mann ist wütend. Er zittert vor Zorn. Hat ein rotes Gesicht.

Auf irgendetwas hat er ungeheure Wut – das ist ihm anzumerken. Er steht da wie in Hass erstarrt, die Augen nur auf den Pfarrer gerichtet. Die Messe nimmt ihren Fortgang. Die Wandlung. Die Kommunion. Noch immer steht der Mann an der Säule, blickt den Priester finster an. Er steht gerade da, wo Olivier die Kommunion austeilen muss. Der Pfarrer geht mit festem Schritt auf ihn zu und gibt ihm die Hostie in die Hand. Plötzlich sagt der Mann zum Geistlichen: "Ich möchte mich nach der Kommunion bei Ihnen vorstellen!" 

Erst dann gibt er den Weg frei für die anderen Gemeindemitglieder, die auch zur Kommunion wollen. Der Segen: "Gehet hin in Frieden!" Der Mann bleibt. Was hat er gesagt? Er wolle sich "bei ihm vorstellen"? Pfarrer Olivier bittet den Mann in die Sakristei. Der Mann folgt ihm. Einer der Polizisten wendet sich an ihn und sagt: "Sie wollen sich beim Pfarrer vorstellen?" Nicht freundlich, sondern fordernd bricht es plötzlich voller Wut aus dem Mann heraus: "Was Sie da beten, das sollten Sie weglassen. Beim Vaterunser sollten Sie nicht beten: Und führe uns nicht in Versuchung!" 

Die Auflösung ist schon beinahe skurril

Dem Pfarrer wird klar: Der Mann ist nicht ganz normal. Er bricht in einen religiös verbrämten Redeschwall aus, in dem immer mehr abstruse Thesen sich vermengen. Er ist nicht zu stoppen. Die Polizisten beginnen sich zu langweilen. Der Pfarrer greift ein: "Wenn Sie ein theologisches Gespräch mit mir möchten, kommen Sie bitte zu den Öffnungszeiten in das Pfarrbüro!", und komplimentiert den ebenso bedrohlich wirkenden wie anstrengenden Zeitgenossen aus Sakristei und Kirche. 

Die Polizei geht an diesem Abend. Am Tag drauf, am Sonntag, kommt der Mann wieder. Die Gemeinde ist von seinem bedrohlich wirkenden Gehabe irritiert. Manche Gottesdienst-Besucher bekommen Angst, als er während der Messe demonstrativ seine Jacke öffnet – sie fürchten, er könnte daraus eine Pistole hervorziehen. Doch auch die Polizei ist wieder anwesend. Das sorgt für Ruhe. Jedenfalls im Augenblick. Die Lage wird aber immer prekärer. 

Eines Tages findet Pfarrer Olivier weißes Pulver im Briefkasten

Eines Morgens findet Olivier ein weißes Pulver in seinem Briefkasten verstreut. Was es ist, weiß er nicht: Backpulver? Kokain? Rattengift? Der Geistliche will deswegen keinen Aufstand machen und lässt es nicht analysieren. Aber als er den Briefkasten reinigt, geht er mit Gummihandschuhen und verschließbaren Plastiktüten zu Werke. Man weiß schließlich nicht, um was für Zeug es sich da wirklich handelt. 

Die Atmosphäre in Zorneding verändert sich. Im Zusammenleben der Bürger brechen Gräben auf. Zwar geschieht das nicht wegen des Geistlichen und seiner Stellungnahme, sondern vor allem wegen der verhärteten Fronten um die "Affäre Boher"

Der schwarze Priester wird für manche der Einwohner, ohne es zu wollen, zu so etwas wie einem Symbol des Skandals. Sie machen ihn und seinen Pfarrgemeinderat dafür verantwortlich, dass der ganze Aufruhr um den Boher-Text solch weite Kreise zieht. Als immer mehr Journalisten ins Dorf kommen, um sich dort umzuschauen, wird die Lage noch schwieriger. Plötzlich hören Menschen, die Pfarrer Olivier seit Jahren gut kennt, auf, ihn zu grüßen. 

Internationales Medienecho zu Zorneding

Pfarrer Olivier spürt, dass er sich in diesem Umfeld nicht mehr wohlfühlen kann. Er will auch nicht weiter zu den Vorfällen Stellung nehmen, lehnt weitere Interviews ab. Für ihn gilt: In seiner Rolle als Priester hat er alles gesagt, was nötig war. Er möchte sich öffentlich nicht mehr weiter äußern. Diese Entscheidung teilt er dem Erzbischöflichen Ordinariat in München mit. 

Am 6. März 2016 platzt die Bombe - der Pfarrer geht

Die Konsequenz folgt rasch: Pfarrer Olivier nutzt den Sonntags-Gottesdienst am 6. März 2016, um von der österlichen Freude zu sprechen und von einem Gott zu reden, der nicht intolerant sei, sondern Freiheit schenke. Seine Predigt widmet der Geistliche dem Gleichnis vom verlorenen Sohn und betont darin die Wichtigkeit einer Umkehr. Am Ende des Gottesdienstes berichtet der Pfarrer über die Misereor-Spendenaktion und informiert die Gemeinde, dass Altpfarrer Brem erkrankt sei. 

Dann platzt die Bombe: Ganz am Schluss teilt Pfarrer Olivier mit, dass er die Gemeinde Zorneding verlassen werde – wegen "persönlicher Erfahrungen aus der letzten Zeit". Er verabschiedet sich mit den Worten: "Auf Wiedersehen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag!" Das Ordinariat verbreitet daraufhin eine Pressemitteilung. Am nächsten Tag prasseln so viele Anfragen ein, dass das Ordinariat sich verschreckt entschließt: Weil so viele Anfragen kommen, lassen wir Pfarrer Olivier erst einmal verschwinden. 

Im Schutz der Dunkelheit verlässt der Pfarrer Zorneding

Eine befreundete Familie in München, die den wachsenden Skandal mitbekommen hat, schickt ihm in tätiger Nächstenliebe kurzerhand ihren Haustürschlüssel: "Den darfst Du jederzeit benutzen. Wenn Du einmal wegmusst und Du weißt nicht wohin, dann komm Du bitte jederzeit zu uns!" 

Für Olivier eine starke Geste. Der Abschied aus Zorneding kommt in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Das Ordinariat ruft den Priester an. "Bereiten Sie bitte vor, was Sie mitnehmen können!" Dann die Frage: "Haben Sie Freunde, wo Sie kurzfristig bleiben können?" Ja. Olivier hat den Schlüssel. Jetzt ist es Zeit, ihn zu benutzen. 

Im Schutz der Dunkelheit verlässt er Zorneding mit einem Koffer und einer Büchertasche. Vier Tage bleibt er bei der befreundeten Familie. Danach organisiert ihm das Ordinariat einen Unterschlupf auf Dauer – in einem Nonnenkloster. Mehr als einen Monat bleibt Pfarrer Olivier dort. Dort findet er das, was er jetzt am meisten braucht: Ruhe, Sicherheit, Frieden.

Hier endet der Auszug aus dem Buch: „Und wenn Gott schwarz wäre...“ Es ist am 25. September 2017 im Gütersloher Verlagshaus erschienen und kostet 17,99 Euro. Die Zeit in Zorneding ist ein Teil der Geschichte. Der Pfarrer schildert aber auch seinen Traum von einer Welt ohne Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Hass. 

Lesen Sie auch aus der Reihe „Gastbeiträge“:

Viele Münchner behaupten: Früher war die Wiesn schöner. Nämlich billiger, gemütlicher, sicherer. Robert geht seit 40 Jahren hin. In seinem Gastbeitrag hat er eine Botschaft an alle Nostalgiker und Touristen.

kg

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