Alles ist noch viel schlimmer

Pflege-Skandal um Frieda (92): Erste Spur 

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Frieda M. (92) war eine lebenslustige Frau.

München - Diese Tat schockiert alle: Am 1. Dezember wird die demenzkranke Seniorin Frieda M. (92) schwer verletzt in ihrem Bett im Pflegeheim in Garching entdeckt. Nun gibt es eine erste Spur.

Als die 92-Jährige gefunden wird, hat sie ein gebrochenes Bein und schwere Blutergüsse an den Innenseiten der Oberschenkel. Seither ermittelt die Polizei, ebenso die Staatsanwaltschaft. Alle fragen sich: Was ist Frieda passiert? Wie die tz jetzt aus verlässlichen Quellen erfuhr, sind die Verletzungen möglicherweise entstanden, weil jemand versucht hat, der Seniorin mit Gewalt die Beine zu spreizen.

„Wir untersuchen diesen Fall sehr genau“, erklärt Carsten Neubert von der Münchner Polizei. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren – in alle Richtungen.“ Zur Erinnerung: Kurz nach der Entdeckung sprachen Mediziner schon davon, dass der Bewohnerin die Verletzungen durch „Fremdeinwirkung“ verursacht wurden.

Das Pflegeheim der Pichlmayr GmbH in Garching. Hier wohnte Frieda M.

Das gewaltsame Spreizen der Beine – deutet dies gar auf ein sexuelles Verbrechen hin? Möglich, aber nicht notwendigerweise: Experten wissen, dass bei Demenzkranken oftmals die Muskeln verhärten, sie steif im Bett liegen. Die Folge: Soll nun eine Windel angelegt werden, ist dies oft schwierig. Im Fall von Frieda M. könnte nun das Personal oder eine Aushilfe versucht haben, die Beine mit Kraft auseinander zu bekommen – bis es zum Beinbruch kam. Dieser immense Druck würde auch die Blutergüsse erklären.

„Wenn dies vorgefallen ist, geht das gar nicht“, schimpft Dr. Ottilie Ranzio, Chefin des MDK (Medizinischer Dienst) Bayern. „Man darf keinem Patienten eine Windel anlegen, wenn er das nicht will. Niemals. Und mit Gewalt schon gleich gar nicht“, sagt Ranzio zur tz. „Dann muss man halt darauf verzichten und später das Bett säubern.“ Auch der MDK machte sich vor Ort ein Bild der Lage und leitete den Fall an die Staatsanwaltschaft weiter.

Auch der Heimbesitzer, die Pichlmayr GmbH, erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Tatsache ist: Nach den Verletzungen wurde die 92-Jährige, die wegen der Erkrankung nicht mehr sprechen kann, einfach im Bett liegen gelassen. Ranzio: „Hoffentlich wurde ein Rechtsmediziner eingeschaltet, um genau zu klären, wie die Verletzungen entstanden.“

Bei der Staatsanwaltschaft möchte man sich zu dem Fall noch nicht äußern, erst müsste alles genau geprüft werden, heißt es.

Wie berichtet, hatte eine aufmerksame Stationsleiterin den Fall bei der Heimaufsicht gemeldet, nachdem sie aus dem Urlaub zurückgekehrt war.

Pflegemangel

Laut Gesundheitsministerium leiden derzeit in Bayern 180.000 Menschen an Demenz. Und die Zahl steigt jährlich weiter an – in den nächsten 20 Jahren soll sie auf 300.000 zunehmen. Jeder Experte weiß: Die Patienten mit ihrem tödlichen Vergessen zu pflegen ist eine schwere Aufgabe. Demenzkranke durchleiden mehrere Stadien, sind unter anderem oft auch aggressiv, unruhig, später versteifen die Muskeln. Daher benötigt man sehr erfahrene Fachkräfte, um eine gute Pflege gewährleisten zu können.

Doch genau diese Fachkräfte fehlen oftmals in den Pflegeheimen: Stationen sind unterbesetzt, die Pfleger überlastet. Und die Lage wird sich nicht bessern: Wie eine neue Studie der vbw (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft) zeigt, wird es Bayern bis zum Jahr 2020 an gut 50.000 weiteren Pflegekräften fehlen.

Armin Geier

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